Schleswig-Holsteins beste Pflegeprofis: Imad und die Herzdamen

Stand: 09.06.2021 10:36 Uhr

Die "A1-Herzdamen" von der Regio Klinik Pinneberg haben für Schleswig-Holstein den 1. Platz beim Wettbewerb "Deutschlands Pflegeprofis" geholt. Auf Platz 2 landet Imad Bou Hannsoun - der 2015 als syrischer Flüchtling nach Deutschland kam.

Das Pflegeteam der Corona Verdachtsstation A1 der Regio Kliniken in Pinneberg © Regio Kliniken / Cigdem Salakoslu Foto: Regio Kliniken / Cigdem Salakoslu
Die Mitarbeiterinnen der Regio Kliniken Elmshorn und Pinneberg freuen sich: (v. l.n.r.) Petra Mecklenburg-Braatz, Konstanze Heuer, Nicole Molzen, Meike Detlefs und Ramona Werner.

Üppige Blumensträuße und einen Präsentkorb für die Landessiegerinnen gab es am Mittwoch für das Pflegeteam der Corona-Verdachtsstation an der Regio Klinik in Pinneberg. Sie erhielten mehr als 700 von über 2.500 online abgegebenen Stimmen. Zur Wahl standen 15 Teams beziehungsweise einzelne Personen. Für die Besten, also die Herzdamen, geht es im Oktober um den Titel auf Bundesebene. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) veranstaltet den Wettbewerb zum inzwischen dritten Mal - um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig gute Pflege ist.

Auch Platz 4 und 5 gehen an Regio Kliniken - Konstanze Heuer von der Kardiologie in Elmshorn und Jacqueline Hensel, die in der Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie Pinneberg arbeitet. Mehr als 650 Fans - und damit Platz 2 - votierten online für Imad Bou Hannsoun von der LungenClinic Großhansdorf (Kreis Stormarn). Er kam 2015 als Flüchtling aus Syrien.

Imad: "Ich habe kaum ein Wort verstanden"

Pflegeprofi Imad Bou Hassoun, steht im Krankenhaus und lächelt in die Kamera © LungenClinic Grosshansdorf Foto: LungenClinic Grosshansdorf
Pflegeprofi Imad Bou Hassoun freut sich über die Anerkennung. Aber findet: "Ich bin nicht der Beste, meine Kollegen sind die Besten".

"Als ich hier neben dem Haus gelaufen bin, hab ich immer nur geträumt, hier zu arbeiten. Und irgendwann habe ich mich hier beworben und da habe ich eine Stelle in Teilzeit bekommen als Assistent." Imad Bou Hannsoun hatte bereits in Syrien Krankenpfleger gelernt. Sein Ziel: die Anerkennung seiner Ausbildung in Deutschland. Ute Westphal, seine Kollegin, erinnert sich an Imads Start. Sie gibt zu, dass sie skeptisch war: "Sein Deutsch war noch nicht besonders gut und ich konnte mir nicht vorstellen, dass er das so schafft, auf Station." Und Imad Bou Hannsoun gibt wiederum zu: "Ehrlich gesagt, ich habe kaum ein Wort verstanden."

Volle Stelle nach einem halben Jahr

Er musste nicht nur Deutsch lernen, sondern auch die Fachsprache. Gleichzeitig arbeiteten ihn seine Kolleginnen in der pneumologischen Früh-Reha ein. Ende 2019 war das. Nach nur sechs Monaten wurde er als Krankenpfleger anerkannt und bekam einer volle Stelle. Imad Bou Hannsoun hilft den Patientinnen und Patienten, das Atmen wieder zu lernen und die Geräte richtig zu benutzen.

Imad Bou Hannsoun will beruflich noch weiter kommen

Stationsleiterin Cindy Schablack hatte den jungen Syrer für den Wettbewerb des PKV angemeldet. "Wenn wir ihm ein Feedback gegeben haben - 'Da musst du ein bisschen stärker werden' - dann hat er sich auf den Hosenboden gesetzt und hat das gemacht und das ist natürlich auch eine Leistung. Er hat einen ernormen Willen. Er will das und das beweist er jeden Tag." Ute Westphal fügt hinzu: "Vor allen Dingen macht es Spaß, mit Imad zusammenzuarbeiten. Weil er immer freundlich und aufgeschlossen ist und immer hilfsbereit." Er hat zwar nicht gewonnen, aber er steht auf Platz 2. Imad findet das alles sehr aufregend und freut sich über die vielen Leute, die für ihn gestimmt haben. Aber - er bleibt bescheiden: "Das möchte ich auch gerne sagen, ich bin nicht der Beste, meine Kollegen sind die Besten." Imad Bou Hannsoun hat schon wieder ein neues Ziel. Er will eine Fortbildung zum Atemtherapeuten machen. Dem steht, so die Klinikleitung, nichts im Wege.

 

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Schleswig-Holstein Magazin | 09.06.2021 | 19:30 Uhr

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