Stand: 02.09.2016 07:07 Uhr

Schatzsucher finden verlorene Eheringe

von Sabine Alsleben

"Nicht bewegen", das war der erste Gedanke von Fabian Koll an diesem Sommerabend in Timmendorfer Strand. Eigentlich wollte er nur den Sand auf der Fußstütze des Strandkorbes herunterstreichen, aber dabei ging er wohl zu schwungvoll vor. Durch das Zusammenspiel von Sonnencreme und kaltem Ostseewasser rutschte ihm sein Ehering in einer ausladenden Bewegung vom Finger und landete im Sand. "Eigentlich fällt einem etwas runter, und man hebt es auf. Aber langsam dämmerte mir, dass das am Strand so nicht funktioniert", erinnert er sich. Der Ring war weg. Erst mal.

Wenn Wertvolles plötzlich im Sand liegt

Eine Stunde Suche ohne Erfolg

Gemeinsam mit seiner Frau Lilli begann er zu suchen. Ein fremdes Pärchen half. Eine Stunde lang. "Der Ring muss doch zu finden sein", dachten Lilli und Fabian Koll. Aber es war aussichtslos. Bis sich ein weiteres Pärchen in die Suche einmischt. Dieses hatte mehr zu bieten als Ausdauer. Sie hatten nämlich kurz zuvor einen modernen Schatzsucher kennengelernt, der regelmäßig mit Metalldetektoren unterwegs ist: Kai Scholz. Er ist Administrator eines Netzwerkes von 20 bis 30 Sondengängern an der ostholsteinischen Küste.

Die Ruhe tat gut

Das Ehepaar Koll telefonierte also mit Kai Scholz, wenig später war er vor Ort. Dabei hatte er seine Ausrüstung: eine Sonde, also einen Metalldetektor, ein Sieb, Kopfhörer und ganz viel Ruhe. "Er hat erst mal für Entspannung gesorgt, das war super", sagt Lilli Koll.  Ihr Mann Fabian gibt zu: "In dem Moment war ich hoffnungslos überfordert. Man findet den Ring ja wirklich nicht. Da tat die Ruhe, die Herr Scholz ausgestrahlt hat, wirklich gut."

Kai Scholz ging systematisch vor

Nun begann die Ermittlungsarbeit: Das Areal, in dem der Ring vermutet wurde, ging Scholz systematisch ab. "Zwei Minuten später war der Ring im Sieb." Lilli Koll staunt noch immer darüber. Auch Fabian Koll fallen fast hörbar die Steine vom Herzen: "Das ist vor allem der emotionale Wert des Ringes. Klar, man kann hingehen und einen neuen kaufen. Vielleicht sogar genau den gleichen. Aber dennoch ist es nicht der Ehering. Das ist einfach nicht das Gleiche."

Schatzsucher sind europaweit vernetzt

Genau diese Dankbarkeit ist es auch, die Kai Scholz antreibt. "Wir machen das nicht zum Geldverdienen", sagt er über sein Netzwerk. Neben den Sondengängern an der ostholsteinischen Küste hat er viele weitere Kontakte. "In der Szene kennt man sich deutschlandweit", sagt Scholz. Bei Anrufen von Verzweifelten kann er fast immer einen Kollegen in der Nähe vermitteln. Selbst bis nach Mallorca oder Ibiza reichen die Kontakte.

Dankbarkeit und Finderlohn als Bezahlung

Die Eheringe von Lilli und Fabian Koll haben vor acht Jahren zusammen rund 5.000 Euro gekostet. Bei der Bezahlung von Kai Scholz haben sie sich an die gesetzlichen Regelung zum Finderlohn gehalten. Wie viel er mit seinem Hobby Schatzsuche durchschnittlich verdient, will Kai Scholz lieber für sich behalten. "Es sind zu viele schwarze Schafe unterwegs. Und ich möchte nicht, dass es noch mehr werden, die glauben, das schnelle Geld machen zu können", sagt er. Hauptberuflich ist er übrigens Taxifahrer. Für einen Metalldetektor muss man schon mindestens 1.000 Euro investieren. "Dafür müsste man schon einige Eheringe wiederfinden", schmunzelt Scholz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein von 10 bis 2 | 02.09.2016 | 07:00 Uhr

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