Stand: 02.08.2019 17:05 Uhr

SPD-Parteivorsitz: Simone Lange tritt an

von Nadina von Studnitz

Simone Lange und Alexander Ahrens wollen als Doppelspitze für den SPD-Vorsitz kandidieren.

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange will gemeinsam mit dem Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens für den SPD-Parteivorsitz kandidieren. Das sagte Lange NDR Schleswig-Holstein. Damit wirft sie zum zweiten Mal ihren Hut für den Parteivorsitz der SPD in den Ring. Bei ihrer ersten Kandidatur unterlag sie im April 2018 Andrea Nahles mit 172 von 631 Stimmen, was einem Anteil von 27,6 Prozentpunkten entspricht. Wenige Stunden zuvor hatte die schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli angekündigt, dass es Bewegung im Kandidatenrennen um den Bundesvorsitz geben werde.

Zwei Schleswig-Holsteinerinnen im Rennen

Lange ist nach Nina Scheer, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Geesthacht, bereits die zweite Schleswig-Holsteinerin, die für den SPD-Parteivorsitz kandidieren will. "Das zeigt doch nur unsere Stärke hier", lacht Simone Lange. Man hoffe nun auf eine gute Unterstützung - ganz besonders aus den SPD-Kreisverbänden. Und nun seien Alexander Ahrens und sie gespannt auf die Reaktionen auf ihre Bewerbung.

Verantwortung der Partei und den Mitgliedern gegenüber

Zu den Gründen für ihre nochmalige Bewerbung sagte Lange, sie handle aus einem Verantwortungsgefühl ihrer Partei und den Parteimitgliedern gegenüber heraus. "Wer A sagt, muss auch B sagen. Ich habe mich beim ersten Mal beworben, da muss ich mich auch beim zweiten Mal bewerben." Die SPD stehe denkbar schlecht da, die Partei werde nicht wahrgenommen und habe keine starken Köpfe und keine starke Spitze, so Lange. Die 42-Jährige will die SPD nach eigener Aussage modernisieren: "Auch das Thema Verteilungspolitik möchte ich in den Blick nehmen, ebenso eine menschenzentrierte Klimapolitik, Umverteilung und soziale Sicherheit", sagte die Oberbürgermeisterin.

Ahrens und sie hätten absolut eine Chance auf eine erfolgreiche Kandidatur, so Lange. Sie - Simone Lange - sei ja durchaus etwas bekannt. Und beide würden auf ihre kommunale Erfahrung setzen, das mache sie als Doppelspitze stark. Bautzen und Flensburg, das zeige die Spannweite der unterschiedlichen gesellschaftlichen Veränderungen. "Wir kommen aus der Kommune - wir sind nah bei den Menschen. Und das wollen wir vor allem nach Berlin tragen." Oberbürgermeisterin von Flensburg wolle sie in jedem Fall bleiben.

Keine spontane Entscheidung

Dieser zweite Anlauf nun sei keine Adhoc-Entscheidung gewesen, sagt Simone Lange. Natürlich habe sie Auswirkungen auf das berufliche und das private Umfeld. In ihrer Familie habe niemand versucht, sie zurückzuhalten. Lange ist 42 Jahre alt, sie stammt aus dem thüringischen Rudolfstadt. Seit Januar 2017 ist sie Verwaltungschefin von Flensburg. Die Kandidatur der SPD-Politikerin wurde damals von CDU und Bündnis90/Die Grünen unterstützt.

Ahrens ist gebürtiger West-Berliner und nach eigenen Angaben seit 2008 Bautzener aus Überzeugung. Vor vier Jahren wurde er Oberbürgermeister in der Stadt in Sachsen. Der 53-Jährige ist Jurist, hat aber auch Sinologie studiert. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Kommentar

Kandidatur Langes sollte Weckruf für SPD sein

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange will erneut für den SPD-Vorsitz kandidieren. Unser Landeshauskorrespondent Stefan Böhnke sieht die Kandidatur als Warnschuss für die Partei. mehr

Reaktionen auf Kandidatur fallen gemischt aus

Der Flensburger SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Trost fände es gut, wenn die SPD-Führung vor Ort verwurzelt ist. Gerade die Bürgermeister seien nah dran an den Sorgen der Bürger. Der Chef der CDU-Ratsfraktion, Arne Rüstemeier, sagte, die Oberbürgermeisterin habe vor ihrer Wahl zugesagt, auf Parteiämter zu verzichten. Simone Lange entgegnete, sie habe damals freiwillig den SPD-Kreisvorsitz abgegeben. Eine Vereinbarung habe es aber nicht gegeben. SPD-Landeschefin Serpil Midyatli begrüßt generell viele Kandidaturen beim Mitgliederentscheid. Die Reaktion des SPD-Bundesvize Ralf Stegner fällt dagegen distanzierter aus: Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er sich für geeignet hält.

Bereits zwei Bewerbungen für SPD-Parteivorsitz

Für den Parteivorsitz der Sozialdemokraten gibt es bereits zwei Bewerbungen: Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann sowie Karl Lauterbach und Nina Scheer wollen kandidieren.

Das Verfahren für die Besetzung des SPD-Parteivorsitzes sieht vor, dass eine Kandidatur von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk beziehungsweise einem Landesverband der Partei unterstützt werden muss. Die Bewerbungsfrist endet am 1. September. Danach sollen sich die Kandidatinnen und Kandidaten auf Regionalkonferenzen vorstellen. Nach der Mitgliederbefragung im Oktober wird auf dem SPD Parteitag Anfang Dezember in Berlin die formelle Wahl des Parteivorsitzes stattfinden.

Simone Lange (SPD) © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Simone Lange will SPD-Vorsitzende werden

NDR Info -

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange will für den Bundesvorsitz der SPD kandidieren. Im Interview auf NDR Info spricht sie mit Tim Krohn über die Gründe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.08.2019 | 17:00 Uhr

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