SH hat den teuersten Strom - Lösung gefordert

Stand: 13.10.2021 18:59 Uhr

Schleswig-Holsteiner zahlen mehr für Strom als die Bewohner anderer Bundesländer - unter anderem wegen der Netzentgelte. SH Netz fordert die Politik auf, die Kosten gerechter zu verteilen.

Strom in Schleswig-Holstein kostet laut Netzbetreiber SH Netz aktuell etwa 20 Prozent mehr als in anderen Bundesländern. Einen Großteil des Strom-Preises macht das Netzentgelt aus, das im dünn besiedelten Flächenland wie Schleswig-Holstein höher ist als in einem Stadtstaat wie Bremen. Wo es kurze Leitungen gibt, ist das Netzentgelt niedrig. Auch der Preis für CO2-Zertifikate hat sich laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in den vergangenen 24 Monaten mehr als verdoppelt. Außerdem beeinflussten die hohen Preise im Gas-Großhandel auch den Strompreis, da sich die Erzeugung in Gaskraftwerken verteuere, so der Verband.

"Netzausbau ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe"

Der Aufsichtsratsvorsitzende von SH Netz, Matthias Boxberger, fordert ein Umdenken der Politik: "Was die Politik jetzt machen muss, ist, dass die Verbraucher in Schleswig-Holstein nicht die Zeche dafür zahlen, dass wir Vorreiter bei der Energie-Wende sind", meint Boxberger. Der Netzausbau sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und müsse auch von allen bezahlt werden. "Alle profitieren von den Energiewende-Investitionen hier im Norden", sagt Boxberger NDR Schleswig-Holstein. Er fordert, dass Stromkunden in besonders Energiewende-relevanten Regionen entlastet werden sollen - entweder durch eine Umverteilung oder eine Härtefallregelung, die die Lasten aus Schleswig-Holstein wegnimmt. "Die Kosten müssen dann von anderen getragen werden, aber es ist ja auch eine gemeinsame Aufgabe, die Energiewende voranzubringen", so Boxberger.

Buchholz: "Klimawandel zum Nulltarif gibt es nicht"

Auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) empfindet den Ist-Zustand als unlogisch: "Das passt eigentlich gar nicht zusammen. Das Land, das am meisten produziert, müsste eigentlich die günstigsten Strompreise haben - haben wir aber nicht, weil die Netzentgelte bei uns am höchsten sind", sagt der Minister. Er sieht die Bewältigung dieser Problematik auf Bundesebene. Es gehe darum, einen ausgeglichenen Weg zu finden. Auf der einen Seite soll Energie bezahlbar bleiben, damit die deutsche Wirtschaft funktioniert. Auf der anderen Seite sollen die fossilen Energieträger zurückgefahren werden. "Klimawandel zum Nulltarif gibt es nicht. Das kostet Geld", so Buchholz. Man müsse aber aufpassen, dass auch Menschen mit weniger Geld sich dennoch Strom leisten können.

Neue Bundesregierung am Zug

Neben anderen Abgaben, Produktionskosten und Netzentgelten ist auch die EEG-Umlage ein wesentlicher Bestandteil der Stromrechnung. Beim Energieministertreffen in Berlin vergangene Woche haben die Minister bereits einem gemeinsamen Antrag von Schleswig-Holstein und Niedersachsen zugestimmt. Die beiden Länder fordern, die Finanzierung der Energiewende neu zu regeln und die EEG-Umlage abzuschaffen. Die EEG-Umlage finanziert die Förderung von Ökostrom-Anlagen in Deutschland. Damit die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht drastisch steigt, hatte die Bundesregierung sie für 2021 und 2022 mit Steuergeldern in Milliardenhöhe aus dem Haushalt stabilisiert. Nun ist die neue Bundesregierung am Zug.

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13.10.2021 19:00 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, dass Schleswig-Holsteiner mehr für Strom als die Bewohner anderer Bundesländer zahlen - unter anderem wegen der EEG-Umlage. Einen Großteil des Strom-Preises macht aber das Netzentgelt aus, nicht die EEG-Umlage. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.10.2021 | 08:00 Uhr

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