Stand: 27.08.2019 16:48 Uhr

Politik trifft auf Realität: Der YouTuber und der CDU-Chef

YouTuber dürften seit der Diskussion um Rezo und sein millionenfach abgerufenes Video "Die Zerstörung der CDU" so etwas wie der Angstgegner der Christdemokraten sein. Ausgerechnet ein YouTuber wartet nun in der Multimediawerkstatt des NDR Schleswig-Holstein auf CDU-Landeschef und Ministerpräsident Daniel Günther. Beide treffen sich im Rahmen des Formats "Politik trifft auf Realität" von NDR Schleswig-Holstein. In der Reihe kommen die Vorsitzenden der im Landtag vertretenen Parteien mit ganz normalen Leuten zusammen - ohne vorher zu wissen, wen sie begegnen und um welches Thema es geht.

Ministerpräsident Daniel Günther, CDU, sitzt mit YouTube Fynn Kröger vor einem Monitor. © NDR

Politik trifft auf Realität: Günther und der YouTuber

Schleswig-Holstein Magazin -

Die CDU und YouTube - bisher ist das schwierig. Die Debatte um Rezo hat es gezeigt. Das Format "Politik trifft auf Realität" führt CDU-Landeschef Günther und einen Kieler Influencer zusammen.

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Auch wenn der Kieler Influencer mit dem Blogger Rezo eigentlich nicht vergleichbar ist: Der 25 Jahre alte Fynn Kröger macht zusammen mit seinem Kollegen Videos unter dem Namen "Ultralativ". Das Team hat einen Grimme Online Award für seine medienkritischen Videos gewonnen. Aber es geht bei ihnen auch um Politik.

YouTuber widerspricht: Andere haben Soziale Medien besser drauf

Als Gesprächseinstieg gucken sich Fynn Kröger und Daniel Günther gemeinsam eines der Videos an. "Unglaublich dämlich" seien die Reaktionen gewesen, sagt die Stimme im Video. Die CDU sei überfordert gewesen und habe die Kritik an sich nicht ernst genommen - so der Tenor. In dem "Ultralativ"-Video geht es um die CDU und ihre Reaktionen auf das Rezo-Video - und die Partei kommt dabei, gelinde gesagt, sehr schlecht weg. Starker Tobak also gleich zu Beginn. Es wird kein leichtes Gespräch werden.

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Das steckt hinter "Politik trifft auf Realität"

Spitzenpolitiker des Landes treffen gewöhnliche Menschen aus Schleswig-Holstein, ohne Thema und Person vorher zu kennen. Das Format "Politik trifft auf Realität" geht in die nächste Runde. mehr

Daniel Günther lässt sich von der Anfangsattacke per YouTube nicht einschüchtern. "Cool", sagt er leise, als das Video zu Ende ist. "Ist das Ihre Stimme, die da zu hören war?" Dass die CDU auf Rezo zu langsam reagiert habe, räumt er ein. "Das hat die CDU getroffen." Aber Günther verteidigt seine Partei auch: "Meine These wäre, dass es kaum eine Institution gegeben hätte, die damit echt professionell umgegangen wäre." Dem widerspricht Fynn Kröger. Andere hätten es besser drauf, mit den sozialen Medien umzugehen.

"Soziale Netzwerke sind dafür da, um sich zu vernetzen"

Daniel Günther nutzt die Chance, den Experten um Rat zu fragen. "Wenn sie als Profi uns beraten hätten - was hätten Sie gemacht?" Fynn Kröger antwortet spontan: "Ich hätte mich wahrscheinlich erst mal geweigert." Kurzes Schmunzeln. "Ich hätte Ihnen auf jeden Fall versucht zu vermitteln, dass soziale Netzwerke nicht ein erweiterter Arm der Pressestelle sind. Soziale Netzwerke sind dafür da, um sich zu vernetzen - sprich, nicht nur als eindimensionaler Kommunikationskanal, sondern mit anderen Leuten in Konversation zu treten", sagt Fynn Kröger.

Genau das sei nicht passiert, ergänzt er. Bei Rezo habe sich gezeigt, dass die Menschen über Politik diskutieren wollten. "Die haben sich nicht ernst genommen gefühlt, und das sorgt natürlich für Frust", sagt der YouTuber.

YouTuber Fynn Kröger schaut frontal in die Kamera. © NDR

YouTuber: "Günther hat sich kaum verteidigt"

Schleswig-Holstein Magazin -

YouTuber Fynn Kröger hat im Rahmen des Formats "Politik trifft auf Realität" mit CDU-Landeschef Daniel Günther gesprochen. Nach dem Dreh verriet er, welche Antwort ihn enttäuscht hat.

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Günther schlägt vor, dass Kröger mit in die Schulen geht

Aber Fynn Kröger geht es im Gespräch nicht um ein reines CDU-Bashing: "Das Thema ist viel größer als der Fauxpas ihrer eigenen Partei", sagt er zu Daniel Günther. Ihm geht es um Medienkompetenz. Wie erkennen junge Leute, welche Informationen im Internet verlässlich sind? Wo lauern Kostenfallen? Wie unterscheidet man Verschwörungstheorien von echten Informationen? Das sind Fragen, die aus seiner Sicht nicht ausreichend geklärt sind. Ein gesamtgesellschaftliches Problem, wie Kröger findet. Medienkompetenz müsse in der Schule stärker vermittelt werden.

Günther meint, in den Schulen passiere schon viel mehr. Das müsse sich aber vielleicht noch "etwas verstetigen". Er regt an: "Es wäre vielleicht gut, wenn Leute wie Sie dann auch mit dabei wären." Kröger stimmt zu, und Daniel Günther witzelt: "Dann sage ich mal der Bildungsministerin Bescheid, dass ich heute auf Akquisetour war." Die Gesprächsatmosphäre lockert sich langsam.

Hält sich der YouTuber an traditionelle Presseregeln?

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Daniel Günther (l.) stellt seinem jungen Gegenüber, Fynn Kröger (M.), viele Fragen während und am Rande des NDR Drehs.

Daniel Günther, 46 Jahre alt, stellt seinem jüngeren Gegenüber viele Fragen. Wie informieren Sie sich? Wie erfahren Sie, was in der Landespolitik passiert? Nutzen Sie bezahlte Angebote im Internet? Haben Sie selbst in der Schule etwas über Medienkompetenz gelernt? Und er stellt ihm die Frage, ob er sich als YouTuber denn seiner Verantwortung bewusst sei: "Gerade YouTuber, die ja wirklich ein Riesenpublikum ansprechen, haben natürlich einen sehr ungefilterten Zugang, ohne sich an bestimmte Regeln halten zu müssen, wie es etwa traditionelle Medien tun sollten." Ob Fynn Kröger sich denn an diese Regeln halte? "Nach bestem Gewissen, ja", antwortet der 25-Jährige. Und wieder schmunzeln beide.

Günther regt Verhaltensregeln auch für YouTuber an

Daniel Günther regt an, ob es nicht - vergleichbar mit dem Pressekodex - Verhaltensregeln auch für YouTuber geben sollte - quasi ein Gütesiegel. Einen Trend dahin sieht Fynn Kröger bei Youtube. So würden sich gerade diejenigen, die sich an Fakten halten, immer häufiger bewusst von schwarzen Schafen in der Branche distanzieren. Daniel Günthers Vorschlag sieht er eher skeptisch. "Man kann versuchen, in irgendeiner Form zu regulieren, dass weniger Fake News und Verschwörungstheorien im Internet passieren. Die werden aber nicht vollkommen aus dem Internet verschwinden. Das heißt, die Instrumente, mit denen man sich selbst davor schützt, braucht man so oder so", sagt Fynn Kröger.

Kröger: Klimawandel muss Priorität Nummer eins werden

Zum Schluss will Daniel Günther von seinem Gesprächspartner noch wissen, was er denn sonst so für politische Wünsche hat - abgesehen von einer besseren Kommunikation. Die Antwort kommt schnell: Die "größte Krise der Menschheit" müsse Priorität Nummer eins in der Politik werden: "der Klimawandel." Am Ende war es dann also doch noch ein bisschen wie bei Rezo.

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Schleswig-Holstein 18:00

"Politik trifft auf Realität" geht in die nächste Runde

Schleswig-Holstein 18:00

Das Format "Politik trifft auf Realität" führt schleswig-holsteinische Bürger und Spitzenpolitiker des Landes zusammen. Reporterin Linéa Kviske hat die Serie mit entwickelt. Video (02:52 min)

Politik trifft auf Realität: Rückblick auf 2018

12.10.2018 19:30 Uhr

Das Format "Politik trifft auf Realität" führt schleswig-holsteinische Bürger und Spitzenpolitiker des Landes zusammen. Hier finden Sie alle Videos der Treffen und Reaktionen der Protagonisten. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.08.2019 | 19:30 Uhr

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