Stand: 21.09.2019 13:10 Uhr

Nordkirche traut jetzt gleichgeschlechtliche Paare

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Die Kirchenparlamentarier diskutierten am Freitag über den Umgang mit verschiedenen Familien- und Lebensformen.

"Trauung" statt "Segnung" - künftig können sich gleichgeschlechtliche Paare von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland auch trauen lassen. Die Landessynode fasste am Freitag in Lübeck-Travemünde einen entsprechenden Beschluss, wie sie auf ihrer Webseite mitteilte.

Begriff "Segnung" als minderwertig empfunden

Seit 2016 gibt es in der Nordkirche bereits die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. "Der Begriff Segnung wurde immer häufiger als minderwertiger empfunden als eine Trauung", sagte der Synodale Sieghard Wilm, der den Antrag in die Landessynode eingebracht hatte. Mit dem Wort Trauung werde eine "Gleichberechtigung und die Aufhebung der Diskriminierung" erreicht. Mit deutlicher Mehrheit gestrichen wurde außerdem ein Abschnitt, der es Pastoren ermöglichen sollte, eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare aus Gewissensgründen abzulehnen.

Nicht alle Landeskirchen trauen

Innerhalb der evangelischen Landeskirchen in Deutschland ist die Beschlusslage zum Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren unterschiedlich: Während etwa die Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau oder im Rheinland Traugottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare ermöglichen, bietet die württembergische Landeskirche lediglich Segnungen an.

Diskussion über verschiedene Familienformen

Am zweiten Tag der Landessynode diskutierten die Kirchenparlamentarier auch über den Umgang mit verschiedenen Familien- und Lebensformen. In verschiedenen Arbeitsgruppen beschäftigten sich die 156 Synodalen mit verschiedenen Aspekten zum Thema Familie.

Solidarität mit "Fridays for Future"

Außerdem zeigten die Kirchenparlamentarier mit einer Klima-Andacht Sympathie für die "Fridays for Future"-Demonstrationen im Land. Bereits am Donnerstag hatte die Synode die Fortschreibung ihres Klimaschutzgesetzes von 2015 und 2017 diskutiert. Die Nordkirche will bis 2050 klimaneutral aufgestellt sein, also frei von CO2-Emissionen. Mit dem Klimaschutzgesetz verpflichteten sich Landeskirche und Kirchenkreise, jeweils mindestens 0,8 Prozent der jährlichen Zuweisung an Kirchensteuermitteln für Klimaschutzmaßnahmen aufzuwenden. In der gesamten Kirche seien dies 2017 laut Nordkirche rund drei Millionen Euro gewesen, Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

Die Nordkirchensynode soll am Sonnabend mit der Wahl von stellvertretenden Mitgliedern der Kirchenleitung und einem Reisesegen zu Ende gehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.09.2019 | 22:00 Uhr

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