Stand: 25.09.2020 17:28 Uhr

Landesbischöfin: Kirchensteuer nicht in Stein gemeißelt

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt hat auf der Landessynode in Travemünde für eine Reform der Kirchenfinanzierung plädiert. "Unser derzeitiges Kirchensteuermodell ist nicht in Stein gemeißelt", sagte Kühnbaum-Schmidt. Vielmehr müsse die Nordkirche sich fragen, ob die Steuer weiterhin die Hauptsäule der Finanzierung sein könne und solle. Ganz abschaffen wolle sie die Steuer aber nicht.

"Warum befragen wir nicht Kirchenmitglieder, Ausgetretene und uns Verbundene, welche Form der Finanzierung sie sich langfristig vorstellen können und praktizieren wollen?", fragte die Landesbischöfin. Das Ziel solle sein, herauszufinden, wer bereit sei wieviel für kirchliche Dienstleistungen wie z.B. die Ausführung von Hochzeiten und Konfirmation oder auch die Seelsorge zu zahlen - auch ohne Mitglied in der Kirche zu sein.

Einnahmen-Rückgang von mehr als 60 Millionen Euro

Durch die Corona-Pandemie steht die Nordkirche vor noch größeren Herausforderungen als bisher. Die Kirchensteuer-Einnahmen betragen 2020 etwa 460 Millionen Euro. Ein Minus von mehr als 60 Millionen Euro. Ungefähr die Hälfte könne durch Rücklagen aufgefangen werden, sagte der für die Finanzen zuständige Mitarbeiter der Kirchenleitung Rüdiger Pomrehn NDR Schleswig-Holstein. In Zukunft müsse man aber Doppelstrukturen in Verwaltung abschaffen und effizienter werden, sagte der Finanzchef der Nordkirche.

Task Force sucht Einsparmöglichkeiten

Schon vor der Synode wurde eine Task Force Finanzen ins Leben gerufen. Diese drehe jeden Euro um, mit dem Ziel herauszufinden, welche Ausgaben notwendig seien und welche nicht, sagte ein Sprecher NDR Schleswig-Holstein. Gespart werden soll demnach beim Personal und bei Investitionen. Betriebsbedingte Kündigungen oder Kurzarbeit sind bislang aber nicht geplant. Möglicherweise werden aber frei werdende Stellen nicht immer nachbesetzt.

Schleswiger Dom wird saniert

Die Sanierung des Schleswiger Doms soll von den Einsparungen aber nicht betroffen sein, ebenso wenig der Neubau einer Einrichtung in Ratzeburg, wo Predigen gelehrt werden soll. Dafür wird aber unter anderem das geplante Kirchenarchiv in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) nicht gebaut.

Die Synode ist die erste seit dem Lockdown im März. Das ursprünglich für den 17. und 18. April geplante Treffen des Kirchenparlaments war wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.09.2020 | 18:00 Uhr

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