Stand: 19.09.2020 10:00 Uhr

Wo alles begann: Ex-Profi Norbert Meier schaut in Reinbek vorbei

Von Philipp Eggers

Ein Sportplatz in Reinbek im Kreis Stormarn. Die D-Jugend spielt. Vorsichtig pirscht sich Norbert Meier Meter für Meter an den Trainer Jörn Wokel ran. "Ich hab' vorhin schon seine Ansprache an die Mannschaft gehört. Richtig gut. Voll auf Motivation. Genauso muss man mit den Jungs in dem Alter sprechen." Das Trainer-Sein lässt ihn auch nach seinem Karriereende nicht los. Wegen einer Familienfeier ist der 61-Jährige nach Schleswig-Holstein gereist - zum Fußball gucken ist er nach Reinbek gekommen. Jetzt steht er direkt neben dem Jugend-Coach, dessen Mannschaft gerade mit 0:2 hinten liegt. Der ehemalige Bundesliga-Trainer lobt: "Eure Jungs bemühen sich. Von der Anlage her sind sie ja besser. Von der Spielanlage. Ihr lasst den Ball laufen. Da ist mehr Bemühen. Ich sehe das, wenn ihr einen Abstoß macht, wie die Spieler sich positionieren."

VIDEO: Mit Norbert Meier in seiner alten Heimat (7 Min)

Im Jahr 1964 fängt alles an

1964 melden ihn seine Eltern beim TSV Reinbek an. "Damals war hier noch nicht alles so zugebaut. Hinten der Rasenplatz war ein No-Go für uns als Jugendliche. Dann sind wir aber sonntags, wenn der Spielbetrieb zu Ende war, rauf auf den Rasenplatz. Wir mussten immer sowohl den Ball im Blick haben als auch den Platzwart, ob der Schäferhund dann angelaufen kam und wir flüchten mussten", erinnert sich Meier gerne an diese Zeit zurück. Der Platzwart von damals, erzählt er uns, liege heute auf dem Friedhof direkt neben seinen Eltern.

Kleiner als die Anderen, aber größeres Talent

In Reinbek macht das Talent Norbert Meier früh auf sich aufmerksam. Etwas kleiner als die meisten seiner Mitspieler, besticht er durch sein trickreiches Spiel - und seinen Zug zum Tor. "Da vorne habe ich damals mein erstes Tor gemacht. Ich stand goldrichtig und der Torhüter hat bereitwillig Platz gemacht. Das war ein besonderer Moment." Der Grantplatz von damals wird heute nicht mehr genutzt. Die Jugend spielt auf Kunstrasen.

Schulfreund: Wegen "Nobby" zum Werder-Fan

Über Voran Ohe, VfL Lohbrügge, St. Pauli und Bergedorf 85 landet Norbert Meier 1980 bei Werder Bremen, wird später auch Nationalspieler. Hans Walther, der ebenfalls auf dem Reinbeker Fußballplatz ist, sagt über den Ex-Profi: "Obwohl ich HSV-Fan bin, war ich in den Achtzigern Werder-Fan. Wegen Nobby." Er und Meier kennen sich schon seit der Schulzeit. "Wir haben uns nie aus den Augen verloren." Am Spielfeldrand schauen sie gemeinsam, wie die Reinbeker D-Jugend das 1:2 gegen Teutonia macht - und schwelgen in Erinnerungen.

Vier Aufstiege als Trainer

Nach seiner Spielerkarriere wird Norbert Meier Trainer. Erst Jugend- und Interimstrainer in Mönchengladbach, ab 2005 dann Cheftrainer in Duisburg. Dort hatte er schnell Erfolg: Den MSV (2005) und Fortuna Düsseldorf (2011) führte er in die Erste Bundesliga. Mit Düsseldorf (2009) und Arminia Bielefeld (2015) schaffte er den Sprung in Liga zwei.

"Die Situation war Scheiße"

In Duisburg erlebt er aber auch den Tiefpunkt seiner Karriere. Nach einer Kopfnuss gegen den Kölner Spieler Albert Streit wird er vom DFB für drei Monate gesperrt und vom MSV Duisburg entlassen. "Das ist eine Geschichte, die ich am liebsten streichen würde. Kann ich aber nicht, weil sie nun mal passiert ist. Bei deiner nächsten Station überlegst du dir zu Beginn erst mal, wie dicht gehe ich denn ans Spielfeld ran? Kann ich mir überhaupt selbst vertrauen?"

Aufstiegsheld in Düsseldorf

Drei Jahre später findet er sein Vertrauen als Trainer von Fortuna Düsseldorf wieder. Er klopft Sprüche wie: "Aus einer Frittenbude kann man keine Großraumdisco machen" - und führt den Regionalligisten trotzdem bis in die Erste Bundesliga. Sein damaliger Co-Trainer Uwe Klein, heute Sportvorstand bei der Fortuna, erinnert sich: "Da waren damals schon auch ein paar Whiskey dabei nach erfolgreichen Spielen."

Schluss nach 40 Jahren

Trainer Norbert Meier steht mit Armen in den Taschen im Regen © imago images/ MaBo Sport
Norbert Meier war 23 Jahre als Trainer aktiv.

Bis 2013 bleibt er in Düsseldorf. In diesem Sommer hat er sein Karriereende bekannt gegeben. "Es ist schön, wenn man selbst sagen kann, man macht Schluss. Es ist ein schöner Moment, wenn man sagen kann, mir sind andere Dinge wichtiger. Ich bin im Profibereich seit 1980 dabei. Nach 40 Jahren hat man auch mal das Recht zu sagen, ich möchte mal einen Geburtstag in der Familie miterleben, präsent sein und die Enkeltochter aufwachsen sehen", nennt Norbert Meier Gründe für seine Entscheidung.

Vom Fußball kann er nicht loslassen

Seit ein paar Wochen arbeitet er in einer Spielerberatungsagentur. Das ist nicht so zeitaufwändig wie seine früheren Jobs. Aber gleichzeitig kann er viel Fußball schauen - vor allem im Jugendbereich. "Ich schaue mir Spieler an, die wir akquirieren wollen oder die wir akquiriert haben. Da hilft der jungen Agentur meine Expertise und mein Netzwerk, das ich mir über die Jahrzehnte im Fußball aufgebaut habe."

"Es ist alles gut so, wie es war"

Ob er mehr in seiner Karriere hätte erreichen können? "Ich bin dankbar, dass ich in den vielen Jahren tolle Dinge konnte. Das ist für mich ein Privileg. Und es ist im Leben doch überall so. Es wird immer Menschen geben, die erfolgreicher sind als man selbst. Es ist alles gut so, wie es war. Für mich auch ein Privileg, hier heute zu stehen, an dem Ort meines Beginns der fußballerischen Laufbahn. Und das liegt ja noch weiter zurück als 40 Jahre. Obwohl ich ja immer noch gut aussehe, oder?"

Norbert Meier, der in Viersen (Nordrhein-Westfalen) lebt, ist mit seiner Karriere mit all ihren Höhen und Tiefen zufrieden. Genauso wie am Ende mit der Reinbeker D-Jugend. Sie erreichen nämlich gegen Teutonia 05 noch ein 2:2.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.09.2020 | 19:30 Uhr

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