Ein Landwirt bringt mithilfte der Schleppschlauch-Technik Gülle auf einem Feld aus. © picture alliance/blickwinkel/M. Henning Foto: M. Henning

Nitratbelastung in Schleswig-Holstein deutlich gesunken

Stand: 19.11.2020 20:18 Uhr

In Schleswig-Holstein sind nur noch 1.500 der 14.000 Agrarbetriebe als stark nitratbelastet eingestuft - bisher waren es 8.900 Höfe. Bauern und ihre Lobby sind erleichtert, aber Kritik gibt es auch.

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) kündigte in der Landetagsdebatte am Donnerstag über die neue Landesdüngeverordnung an, dass sich aus einem neuen Bewertungsverfahren die neuen Zahlen ergeben hätten. Noch vor drei Jahren waren 60 Prozent der Landesfläche rot markiert, heißt: zu stark mit Nitrat belastet. Aktuell sind es dieser neuen Berechnung zufolge nur noch zehn Prozent. Diese Betriebe müssen die Regeln der im Zuge von EU-Vorgaben geplanten neuen Düngeverordnung und zusätzliche Anforderungen erfüllen, damit die Belastung des Grundwassers mit Nitrat so schnell wie möglich sinkt. Insgesamt müssten aber alle Betriebe die zum Teil weiter gehenden neuen Vorgaben beachten, sagte Albrecht.

Albrecht will strenge Kontrollen

Albrecht kündigte ein strenges Monitoring an und führte die Befürchtungen der Wasser- und Umweltverbände an, die nicht glauben, dass das Nährstoffproblem in der Umwelt gelöst werde. Auch zwei Berichte der Universität Kiel bestätigen laut Albrecht nach wie vor zu hohe Stickstoffüberschüsse in Teilen des Landes. Nach den Plänen für die neue Verordnung müssen die Landwirte laut Albrecht ab 2021 verpflichtend melden, wie hoch ihr Düngebedarf ist und wie viel Dünger sie tatsächlich auf die Felder bringen.

Opposition spricht von Schönrechnerei

Die Reaktionen auf die Nachricht des Ministers fielen unterschiedlich aus: Freude bei CDU-Agrarpolitiker Heiner Rickers: "Das an sich ist nicht nur für die Landwirtschaft, sondern insbesondere für die Daseinvorsorge. 'Wir brauchen alle sauberes Wasser' eine Super-Aussage." Kirsten Eickhoff-Weber von der SPD sieht das ganz anders. Die Nitratbelastung sei weiterhin hoch. Die Bewertung der neuen Messungen sieht sie mehr als kritisch: "Dargestellt werden nur die Bereiche, in denen eine Überschreitung des Schwellenwertes für Nitrat festgestellt werden. Das ist keine Schönfärberei, das ist Schönrechnerei."

Es gebe keinen Grund, Panik zu verbreiten, sagte der FDP-Politiker Oliver Kumbartzky. Es sei richtig, dass weit weniger zu den härtesten Maßnahmen verpflichtet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.11.2020 | 17:00 Uhr

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