Stand: 11.11.2019 15:37 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Nach Tod einer Patientin: Bewährungsstrafe für Pflegerin

Wegen fahrlässiger Tötung einer Patientin in einem Krankenhaus in Flensburg ist eine Pflegerin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte gegen ihre Sorgfaltspflicht verstoßen hat. Ein ebenfalls angeklagter Arzt wurde freigesprochen. Sie hatten vor vier Jahren einer Patientin nach einer Operation das Schmerzmittel Novalgin verschrieben und verabreicht. Die 77 Jahre alte Frau war allerdings gegen das Medikament allergisch und starb wenige Tage später an Multiorganversagen in einer Spezialklinik.

Gericht: "Kette unglücklicher Umstände"

Die ehemalige Pflegerin sei "das letzte Glied in einer Kette unglücklicher Umstände" gewesen, sagte der Richter am Montag. Laut Amtsgericht hatte sie den Allergiepass der 77-Jährigen noch in der Hand gehabt, aber den Novalgin-Eintrag offenbar flüchtig überblättert. Damit hat sie aus Sicht des Gerichts ihre Sorgfaltspflicht verletzt. Da die Angeklagte allerdings keine Vorstrafen hat und den verhängnisvollen Fehler einräumte, wurde sie zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Frau muss 1.500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Eine Geldstrafe in Höhe von 4.500 Euro wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.

Klinik handelt: Allergiker bekommen rotes Bändchen

Der Arzt wiederum wurde frei gesprochen, da er sich vor der Vergabe von Novalgin nochmals bei der Pflegerin erkundigt hatte und offenbar kein Eintrag in der Datenbank der Station zu finden war. Er war zu den Zeitpunkt in Bereitschaft. Flensburger Krankenhaus hat Konsequenzen mittlerweile aus dem Fall gezogen: Alle Allergiker bekommen nun seit einiger Zeit ein rotes Bändchen ums Handgelenk.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.11.2019 | 16:00 Uhr

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