Stand: 14.12.2018 11:58 Uhr

Nach Spuckattacke: Lokführer wirft Fahrgäste raus

Fahrgäste stehen in Bordesholm am Regionalexpress, den sie verlassen mussten.

Der Zug sollte die Fahrgäste von Kiel nach Hamburg fahren, doch die Fahrt des RE 7 endete für sie schon nach wenigen Kilometern in Bordesholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Aus dem regulären Halt wurde plötzlich eine Endstation. Per Durchsage teilte ein Bahn-Mitarbeiter den erstaunten Fahrgästen mit, dass die Fahrt hier ende, weil er von einem Fahrgast angerotzt worden sei. So berichtete es ein NDR Mitarbeiter, der an Bord des Zuges war. Die etwa 200 Fahrgäste hätten ungläubig, aber gefasst auf den Rauswurf reagiert, sagte er. Die Pause dauerte nicht lang: Etwa 15 Minuten später kam der nächste Zug nach Hamburg und sammelte die Rausgeworfenen wieder ein.

Lokführer meldet sich krank

Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst erklärte den Vorfall am Freitag aus Sicht des Unternehmens: Ein Fahrgast habe sich über die Verspätung geärgert und den Triebfahrzeugführer bespuckt. Der Zug sei in Bordesholm wegen eines liegen gebliebenen Güterzugs zu spät angekommen. "Man darf sich gerne ärgern über Verspätungen, aber Mitarbeiter bespucken, ist ein absolutes No-Go. Das ist ja auch gesundheitsgefährdend", sagte Brunkhorst. Deshalb habe sich der Lokführer nicht mehr in der Lage gefühlt, Verantwortung für die Fahrgäste zu übernehmen. "Deswegen mussten die Fahrgäste aus dem Zug aussteigen." Laut Bahn hat er dann den Zug nach Neumünster gefahren, damit er nicht die Strecke blockiert. Anschließend meldete er sich krank.

Fahrgastverband hat Verständnis für Lokführer

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn zeigt Verständnis für die Entscheidung des Lokführers. "Ich kann Bahnpersonal verstehen, das sich nach solchen Übergriffen erst mal krank meldet." Man wisse ja nicht, ob jemand, der einen anspuckt, krank sei und ob das Folgen habe. "Dann ist es zur Sicherheit der Fahrgäste auch besser, wenn sie aussteigen und auf den nächsten Zug warten." Das sei nicht schön und mache ihn als Fahrgastvertreter auch nicht glücklich, so Naumann, für den es solche Aggressionen nicht geben darf. Nach seiner Aussage ist der Vorfall von Bordesholm kein Einzelfall: "Das Schlimme ist, dass Angriffe aufs Bahnpersonal heute zum Alltag gehören und dass der Schweregrad der Übergriffe zunimmt."

Eine Anzeige hat der Lokführer übrigens nicht gestellt und die Personalien des Angreifers wurden nicht aufgenommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.12.2018 | 12:00 Uhr

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