Nach Großfeuer in Eggstedt: Landwirt kann zurück auf den Hof

Stand: 06.07.2021 15:51 Uhr

Drei Wochen nach dem Großfeuer in Eggstedt (Kreis Dithmarschen), bei dem sein Bauernhof mit Wohnhaus komplett zerstört wurde, ist Landwirt Jens Bockelmann wieder auf seinen Hof gezogen.

Vorangegangen waren Tage voller Hilfsbereitschaft - von den Nachbarn, der Feuerwehr, den umliegenden Gemeinden. Viele packten mit an, organisierten alles, was man zum Leben braucht. Zwischenzeitlich wohnte Bockelmann mit seiner Familie in einer Ferienwohnung, jetzt stehen acht Container auf seinem Hof, die vorerst sein Zuhause ersetzen. Der Landwirt freut sich. "Wir haben eine große Küche, die mit als Wohnraum dient, ein WC und vier Zimmer", berichtet Bockelmann.

Das Wichtigste: Bei den Tieren sein

Einige Personen laden Möbel von einem Anhänger ab. © Feuerwehr Eggstedt
Viele freiwillige Helfer sorgten mit Möbeltransporten dafür, dass die neuen Container schnell bewohnbar waren.

Am Montagabend seien er und seine Familie dort eingezogen, die Feuerwehrkameraden hätten die Möbel transportiert. "Wir sind auf dem Hof, da, wo wir eben den ganzen Tag sein müssen", sagt Bockelmann, "wenn die Kühe kalben und ich muss nachts aufstehen - das ist das Wichtigste, was es gibt."

"Jetzt wird es wieder etwas ruhiger"

In den vergangenen Wochen stand mittendrin immer Eggstedts Wehrführer Fred Glindmeier als Motor der Hilfsaktionen. Er mobilisierte sein ganzes Netzwerk, organisierte neben Helfern unzählige notwendige Dinge wie einen mobilen Melkstand, Sicherheitsschuhe und ein Spendenkonto. Auch bei dem neuen Behelfs-Zuhause hatte Glindmeier seine Finger im Spiel. "Das Organisieren wird jetzt ein bisschen ruhiger, die Container sind da. Wir haben sie gestern eingeräumt, die Möbel sind wieder raus aus der Wohnung. Und jetzt wird es für mich auch wieder etwas ruhiger", sagt der Wehrführer.

Überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung

Fred Glindmeier von der Feuerwehr Eggstedt telefoniert mit seinem Handy vor dem abgebrannten Hof. © NDR
Eggstedts Wehrführer Fred Glindmeier hat viel organisiert, um dem Landwirt Bockelmann eine schnelle Rückkehr auf seinen Hof zu ermöglichen.

Gemeinsam mit den Dorfbewohnern hat Glindmeier Kleidung gesammelt, Möbel, Rechner, sogar ein Faxgerät - auch wichtig für die Arbeit in dem landwirtschaftlichen Betrieb: "Die Bokelmanns können jetzt ihre Tiere wieder anmelden und verkaufen", erklärt der Feuerwehrmann. Es sei aber auch viel an Lebensmitteln zusammengekommen. "Das war sagenhaft", erinnert sich Glindmeier, "man kann gar nicht genug 'Danke' sagen - was da abgegangen ist, dieser Zusammenhalt, wunderbar, echt, total schön."

Spaß am Helfen und Organisieren

Hört man dem Feuerwehrmann zu, wird deutlich: Nicht nur die Nächstenliebe, sondern auch das Organisieren liegt dem Feuerwehrmann im Blut. "Das Maibaumaufstellen in Eggstedt organisiere ich seit Jahren, ich habe das Dorfgrillfest ins Leben gerufen - da habe ich Spaß dran und ich kenne das vom Job her, da muss man auch mal was regeln." Wenn man dann noch die Unterstützung aus der Bevölkerung habe, sei das unbeschreiblich.

Ehrung von der Landesregierung

Von der Landesregierung sei kürzlich auch Post gekommen: Die ehrenamtlichen Retter sind eingeladen, Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zu besuchen. Am 10. August sollen sie in Kiel geehrt werden. Glindmeier freut sich sehr darüber - doch er bleibt bescheiden: "Ich mach das ja nicht, um ein schönes Essen zu bekommen, sondern weil mir das Spaß macht. Ich sag immer: Den Schuh, den ihr mir jetzt überstülpen wollt, der ist mir drei Nummern zu groß."

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Schleswig-Holstein Magazin | 06.07.2021 | 16:30 Uhr

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