Stand: 05.05.2020 19:07 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Nach Corona-Fällen: Schlachthof stoppt Produktion

Der Schlachthofbetreiber Vion hat die Produktion in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) gestoppt, nachdem bei zahlreichen Mitarbeitern eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt wurde. Außerplanmäßige Betriebsferien sind das für die Mitarbeiter. Dies geschehe aus reiner Vorsicht und zum Schutz der Beschäftigten, so das Unternehmen. Zuvor hatte sich nach Angabe der beiden Kreisverwaltungen Steinburg und Segeberg die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten auf 51 erhöht. Darunter sind nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein 49 Arbeiter, die in einer Unterkunft in Kellinghusen zusammen leben und über einen Subunternehmer angestellt sind - und zwei direkt bei Vion Beschäftigte.

Mitarbeiter sollen erneut auf Corona-Infektion getestet werden

Die Werksmitarbeiter wurden nun für zwei Wochen in ihren Wohnungen unter Quarantäne gestellt, insgesamt leben in dem Wohnblock, einer ehemaligen Kaserne, rund 110 Menschen - vor allem aus Rumänien. Der Kreis beauftragte einen Sicherheitsdienst, der kontrollieren soll, ob sich die Bewohner die Quarantäne-Vorschriften in der Unterkunft in Kellinghusen einhalten. "Viele der Bewohner waren froh, dass man endlich getestet worden ist, damit man Gewissheit hat, ob man positiv ist. Interessanterweise waren viele symptomatisch. Das heißt, sie hatten die Anzeichen einer Corona-Erkrankung geäußert", sagte der Landrat des Kreises Steinburg, Torsten Wendt (parteilos).

Die Bewohner könnten sich in der Wohnanlage auf den Freiflächen vor ihren Wohngebäuden aufhalten und miteinander Kontakt haben, sagte Wendt. Der Schlachthof-Betreiber stellt den Mitarbeitern für die Zeit der Quarantäne Lebensmittel, Getränke und Medikamente zur Verfügung. "Unser Augenmerk liegt jetzt darauf, den Gesundheitsschutz für die weiteren Bürgerinnen und Bürger aufrechtzuerhalten, so dass konsequent für die gesamten betroffenen Wohnungen die Quarantäne ausgesprochen werden musste", sagte Wendt laut Mitteilung des Kreises.

Dolmetscher müssen helfen

Am Donnerstag waren zunächst zwei der in Kellinghusen wohnenden Schlachthofmitarbeiter positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Daraufhin hatte der Kreis Steinburg 108 Kontaktpersonen ermittelt. Am Dienstag habe die Auswertung noch ausstehender Tests durchweg negative Ergebnisse ergeben, so dass es bei 49 Positivfällen unter den Bewohnern der Unterkunft in Kellinghusen geblieben sei, sagte eine Sprecherin des Kreises Steinburg.

Die Befragungen der Bewohner sind nur mit Dolmetschern möglich, denn die Schlachthof-Mitarbeiter sprechen kaum Deutsch. Sie wurden täglich mit dem Bus von Kellinghusen zum Vion-Schlachthof nach Bad Bramstedt gefahren.

Hygienemaßnahmen in Werk sollen überprüft werden

Auf dem Firmengelände des Schlachthof sollen nun Hygienemaßnahmen überprüft werden. "Wir haben von Anfang an, seit Beginn der Corona-Krise, klare Schutzmaßnahmen hier im Betrieb: an den Arbeitsplätzen anderthalb Meter Abstand. Und wenn das nicht möglich ist, sind entsprechende Schutzvorrichtungen oder Mund-und Nasenschutz eingerichtet worden", sagte Heinz Schweer, der Direktor Landwirtschaft Vion. Außerdem gebe es entsprechende Hygiene-Kleidung.

Kritik an Wohnsituation seit Jahren

Für die Wohnsituation der über einen Subunternehmer beschäftigten Mitarbeiter sei man allerdings nicht verantwortlich. Dies sei Aufgabe des Subunternehmers. "Wir müssen mit den Subunternehmern vereinbaren, dass die ordentlichen Standards der Unterkunft gewährleistet sind. Und dass sie überprüft werden können. Wir würden gegen das Gesetz verstoßen, wenn wir da jetzt reingehen würden, um das zu überprüfen", sagte Schweer NDR Schleswig-Holstein. Dabei werden die Unterkünfte von Mitarbeitern der Fleischindustrie seit Jahren kritisiert. "Man wohnt beengt, man fährt zusammen zur Arbeit. Man sitzt eng zusammen", sagt Anja Halbritter. Gemeinsam mit einem Helferkreis kümmert sie sich um Angestellte in der Flesichindustrie. Sie führen die hohe Anzahl an Infizierten bei Vion auf die beengte Wohnsituation der Mitarbeiter zurück.

Wann die Produktion in Bad Bramstedt wieder anläuft, kann aktuell niemand sagen. Ziel ist nach Unternehmensangaben, den Schlachthof so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen.

Weitere Informationen

Wie Schlachthöfe Arbeiter aus Osteuropa ausbeuten

Die niedrigen Fleischpreise führen zu schlechten Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen. Wie Fleischbetriebe Arbeiter aus Osteuropa ausbeuten - und wie es besser geht. mehr

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein steigt weiter an. Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zu dem Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.05.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:19
Schleswig-Holstein Magazin
01:20
Schleswig-Holstein Magazin
03:45
Schleswig-Holstein Magazin