Stand: 06.04.2019 16:45 Uhr

Rechtsextreme Droh-Mails: Verdächtiger in U-Haft

Er soll für eine Serie von mehr als 200 Drohschreiben mit rechtsextremistischen Inhalten verantwortlich sein: Ein Mann aus Schleswig-Holstein sitzt deswegen in Untersuchungshaft. Wie die für diesen Fall federführende Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Sonnabend mitteilte, wurde gegen ihn ein Haftbefehl vollstreckt. Sie wirft ihm die Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Bei der Auswertung des bei der Durchsuchung gefundenen Schriftmaterials seien Indizien gefunden worden, "dass der Mann sich möglicherweise kundig gemacht hat, wie man eine Bombe baut", sagte eine Sprecherin der Behörde. Die Auswertung des entdeckten Materials sei noch nicht abgeschlossen und werde "noch einige Zeit" dauern. Die Ermittlungen hätten bisher keine Anhaltspunkte ergeben, dass der Verdächtige Komplizen hat. Der Verdächtige soll in den kommenden Tagen nach Berlin gebracht werden. Die Mails enthielten laut den Ermittlern unter anderem Bombendrohungen gegen Gerichte und andere Einrichtungen. Sie gingen demnach seit April 2018 an Behörden in Hamburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Brandenburg.

Bombendrohungen unter anderem gegen Gerichte und Rathäuser

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Eine der Bombendrohungen, die mutmaßlich von dem festgenommenen Mann aus Halstenbek stammen, richtete sich auch gegen das Landgericht in Kiel.

In Schleswig-Holstein waren unter anderem die Rathäuser in Rendsburg und Flensburg sowie zahlreiche Gerichte betroffen. Auch in Göttingen und Schwerin gingen Drohungen ein. Die betroffenen Behördengebäude wurden evakuiert und mit Sprengstoffspürhunden abgesucht. Gefunden wurde nichts. Außerdem soll der Mann auch Erpresser- und Drohbriefe an Politiker, Prominente, Anwälte, Journalisten und den Zentralrat der Juden verschickt haben, die er offenbar wahlweise mit "Nationalsozialistische Offensive", "NSU 2.0", "Wehrmacht" oder auch "RAF" unterzeichnete.

Durchsuchung in Schleswig-Holstein

Freitag hatten die Ermittler mitgeteilt, dass es in Schleswig-Holstein eine Durchsuchung bei einem Tatverdächtigen gegeben habe. Dabei seien unter anderem Computer und Handys sichergestellt worden. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein und des ARD Politikmagazins Kontraste kommt der Mann aus Halstenbek im Kreis Pinneberg. Halstenbeks Bürgermeister Claudius von Rüden bestätigte, dass es "im Zusammenhang mit den Drohschreiben polizeiliche Maßnahmen in Halstenbek" gegeben habe.

Verdächtigter wurde mehrfach verurteilt

Bei dem Verdächtigen handelt sich offenbar um André M. Er ist für Ermittler und Justiz seit über zehn Jahren ein sehr bekanntes Gesicht: Drei Mal verurteilten ihn Gerichte, wegen weit über 100 Fällen von Sachbeschädigung und Brandstiftung - die letzten geschahen im Sommer 2014. Aufgestochene Reifen, brennende Autos und ein gesprengter Zigarettenautomat gingen auf sein Konto. Einmal wurde er in einer Psychiatrie untergebracht und erhielt eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren, die anderen beiden Verfahren endeten insgesamt mit einer Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten. Das bisher letzte Verfahren ging im Sommer 2017 zu Ende.

Gutachter attestierten psychische Probleme

Gutachter attestierten ihm immer wieder eine Persönlichkeitsstörung. Ein Tatvorwurf gegen ihn machte besondere Schlagzeilen: 2007 wurde er mit einem Spezialeinsatzkommando festgenommen, weil er angeblich einen Bombenanschlag auf das Rellinger Apfelfest geplant hatte. Von dem daraus folgenden Anklagepunkt, sich zu einem Mord verabredet zu haben, blieb vor Gericht nichts übrig: M. wurde davon freigesprochen. Das Gericht hatte große Zweifel daran, dass er die Pläne ernst meinte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.04.2019 | 14:00 Uhr

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