Muschelfischerei: Dänen wollen Auswirkungen prüfen

Stand: 15.08.2022 17:50 Uhr

Weil die Flensburger Förde in einem ökologisch schlechten Zustand ist, ist das Muschelfischen seit 2018 auf deutscher Seite verboten - auf dänischer Seite aber nicht. Das wollen unter anderem der SSW und Umweltschützer ändern und luden deswegen den dänischen Fischereiminister nach Flensburg ein.

von Simone Mischke

Muscheln gab es im Fischereimuseum in Flensburg nicht - dafür aber Fischbrötchen für den dänischen Minister für Landwirtschaft, Lebensmittel und Fischerei, Rasmus Prehn (Soz.), und den SSW-Bundestagsabgeordneten Stefan Seidler. Mit dabei waren auch die dänische Abgeordnete Ellen Trane Nørby (Venstre) sowie der dänische Generalkonsul Kim Andersen. Auf Seidlers Einladung hin hatten sie sich am Montagmittag auf der deutschen Seite der Förde getroffen, um über ein Verbot der Muschelfischerei auf der dänischen Seite der Förde zu sprechen. 2020 noch hatte Prehns Vorgänger ein Verbot der Muschelfischerei mit Schleppnetzen abgelehnt. Auf der deutschen Seite der Förde ist das Muschelfischen seit 2018 verboten. Grund ist der insgesamt schlechte Zustand der Förde - durch die Muschelfischerei, aber auch durch Nährstoffeinträge und Munitionsbelastung.

Dänemark will Auswirkungen des Muschelfischens untersuchen

Die Zusage für ein Verbot hatte der dänische Fischereiminister am Montag nicht im Gepäck. Aber: "Wir wollen die Auswirkungen der Muschelfischerei auf den Zustand der Förde untersuchen", so der Minister. Auf dänischer Seite liefen derzeit Verhandlungen über einen so genannten Meeresplan. Im Rahmen dieses Plans wolle man auch die Auswirkungen der Muschelfischerei analysieren. Eine Pause einzulegen könne eine Option sein. Dann aber müsste die Regierung die Verluste der Muschelfischer kompensieren, erklärte Prehn. Derzeit gibt es auf dänischer Seite drei Lizenzen, die den Fang im dänischen Teil der Förde erlauben.

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Deutsche Seite hofft auf ein schnelles Verbot

"Wir hoffen, dass das auch in Dänemark aufhört. Sonst können sich die Muschelbestände nicht regenerieren“, sagt Horst-Dieter Hansen, erster Vorsitzender des Fischereivereins in Flensburg. Er war neben dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Stadt Flensburg einer derjenigen, der sich für ein Verbot der Muschelfischerei in der deutschen Förde stark gemacht hatte.

Muschelbänke, Steinriffe und auch Seegraswiesen sind nach Angaben des NABU die Artenhotspots der Ostsee. In ihrem Schutz wachsen demnach Jungfische auf, außerdem finden Schnecken, Krebse, Blumentiere und unzählige gefährdete Arten dort ihre Heimat. "Seit dem Verbot 2018 erholen sich die Muschelbänke und auch die Seegrasfelder langsam wieder“, sagt Hansen. Bis zu einer vollständigen Erholung würden aber wohl noch weitere fünf, sechs Jahre ins Land gehen, vermutet er. Nicht nur auf deutscher Seite hofft man auf ein schnelles Verbot der Muschelfischerei - auch die dänischen Kommunen Sonderburg und Apenrade machen sich dafür stark. In etwa einem Monat wollen sich die Beteiligten erneut zu Gesprächen treffen, kündigten Prehn und Seidler in Flensburg an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.08.2022 | 15:00 Uhr

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