Müllberg Norderstedt: Gutachten schließt Gefährdung nicht aus

Stand: 10.12.2020 18:51 Uhr

Noch vor einem Jahr hat die Umweltbehörde LLUR ausgeschlossen, dass von einem Müllberg in Norderstedt eine Gefährdung ausgeht. Ein neues Gutachten kommt zu einem anderen Ergebnis.

Auf dieses Gutachten haben viele Menschen in Norderstedt (Kreis Segeberg) seit fast einem Jahr gewartet. Der Auftraggeber: Die Umweltbehörde des Landes, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Interessant ist der Inhalt vor allem für die Verantwortlichen der Stadt Norderstedt und des Umweltministeriums in Kiel. Das Gutachten soll Antworten liefern - zum Beispiel auf die Frage, wie gefährlich der Müllberg auf dem ehemaligen Recyclinghof wirklich ist. Außerdem ist bislang unklar, wer für die Kosten der Müllentsorgung zahlen muss - die Stadt oder das Land?

NDR Schleswig-Holstein liegt dieses Gutachten vor

Der Norderstedter Anwalt und Umweltrechtsexperte Winfried Günnemann setzt sich seit Jahren dafür ein, dass im Stadtteil Friedrichsgabe endlich jemand aktiv wird und die geschätzt 30.000 Tonnen Müll beseitigt. Denn hier liegen nicht nur Bauschutt und teerhaltige Dachpappe, auch Container mit unbekanntem Inhalt stehen auf größtenteils unversiegeltem Boden. Günnemann hat das Gutachten für NDR Schleswig-Holstein analysiert.

Noch vor einem Jahr schloss das LLUR Gefahren aus

Vor einem Jahr hatteNDR Schleswig-Holstein berichtet, dass bisherige Untersuchungen des Müllbergs durch die zuständige Umweltbehörde LLUR unzureichend waren. Die Mitarbeiter hatten das Grundstück selbst seit Jahren nicht betreten, die Grundwasserproben nur mehrere hundert Meter entfernt genommen. Eine Gefährdung für Mensch und Natur hatte das LLUR dennoch ausgeschlossen. Der von der Umweltbehörde beauftragte Gutachter war auf dem Grundstück - hat nach der Analyse von Winfried Günnemann den Müll aber ebenfalls nur oberflächlich untersucht: "Er hat es nur von außen angeguckt. Man hätte den Haufen vielleicht mal auseinanderreißen müssen."

Umweltministerium bewertet Grundwasserfrage positiv

Zwei Punkte des Gutachtens fallen auf. Zum einen heißt es, dass aktuell keine Gefährdung des Grundwassers vorliegt. Später steht im Gutachten: "Eine nachteilige Veränderung ist langfristig aber nicht ausgeschlossen." Auf Anfrage dazu sagt das Umweltministerium, das Gutachten würde noch ausgewertet.

Weiter heißt es in dem Gutachten: Nicht nur Bauschutt und teerhaltige Dachpappe liegen auf dem Müllberg, sondern auch Asbest, Pilzsporen, und Beutel mit der Aufschrift "krebserregende Fasern". Das Gutachten geht von einer Beeinträchtigung der Arbeitsbedingungen für die Angestellten der Firmen in unmittelbarer Nähe zum Müllberg aus: "Eine Gefährdung dieser Personen durch vom Lagerplatz abgewehte Fasern sowie ggf. Pilzsporen ist (...) nicht auszuschließen." Das Umweltministerium sagt dazu, diese Situation müsse durch das LLUR beurteilt werden. Auch hier werde noch geprüft.

Mitarbeiter des Nachbarunternehmens mit gesundheitlichen Problemen

Der Geschäftsführer der benachbarten Firma, Tim Kiesow, wird im Gutachten zitiert, dass seine Mitarbeiter bereits über Atemwegsprobleme klagen. NDR Schleswig-Holstein sagt er: "Wir hoffen natürlich, dass der Müll möglichst schnell beseitigt werden kann. Gerade weil wir auch schon seit vielen Jahren anmerken, dass wir um das Wohl und die Gesundheit unserer Mitarbeiter besorgt sind. Das betrifft ja alle Anwohner hier in der Umgebung."

Gutachter empfiehlt Räumung

Der Gutachter empfiehlt eine fachgerechte Entsorgung des gesamten Mülls - "zur Wahrung der gesunden Wohn- und Arbeitssituation der umliegenden Flächen". Andere Möglichkeiten, zum Beispiel eine Abdeckung, seien nicht geeignet. Die Stadt Norderstedt wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Bei dem Gutachten handele es sich um nicht-öffentliche Informationen, heißt es. Winfried Günnemann will unterdessen weiter dafür kämpfen, dass Stadt und Land endlich eine Lösung finden, den Müllberg verschwinden zu lassen: "Ich habe zwar immer die Befürchtung, dass Politiker sich allerhand ausdenken, um von ihren Aufgaben abzulenken, um vielleicht Geld zu sparen. Aber die Hoffnung will ich nicht aufgeben."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.12.2020 | 19:30 Uhr

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