Stand: 23.01.2020 16:48 Uhr

Mögliche Klinikfusion löst Unruhe aus

Die Rundmail, die Alfred von Dollen, Geschäftsführer des Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK), an alle seine Mitarbeiter schickte, sollte offenbar beruhigen. "Auf keinen Fall wird es zur Übernahme des wirtschaftlich gesunden FEK durch ein notleidendes Kieler Krankenhaus kommen", schreibt er. NDR Schleswig-Holstein hatte berichtet, dass es Überlegungen zu einer Fusion zwischen dem Städtischen Krankenhaus in Kiel und dem FEK gibt. Das bestätigten beide Krankenhäuser. Mit einem Beschluss ist laut von Dollen aber nicht vor 2023 zu rechnen.

Gutachten soll Fusion analysieren

In seiner Mail betont der Geschäftsführer des FEK, aufgrund immer engerer Vorgaben seien Zusammenschlüsse von Krankenhäusern politisch gewollt. Allerdings wolle das FEK zunächst ein Gutachten abwarten, welches die Vor- und Nachteile einer Fusion analysieren solle. "Die Städte Kiel und Neumünster schreiben zurzeit gemeinsam die Leistung für die Erstellung eines Gutachtens zur Überprüfung einer möglichen Fusion aus", so von Dollen. Genau so hatte er zuvor auch eine NDR Anfrage zu den Fusionsplänen beantwortet. Er schätzt, dass das Gutachten noch in diesem Jahr fertig sein könnte. Nach anschließenden Gesprächen müssten dann noch die Ratsversammlungen beider Städte über eine Fusion entscheiden.

Städtisches Krankenhaus Kiel macht hohe Verluste

Den Fusionsüberlegungen vorausgegangen waren zum Teil hohe Verluste, die das Krankenhaus in Kiel machte. So lag das Defizit im Jahr 2018 bei insgesamt 3,6 Millionen Euro. Das FEK schreibt zwar keine roten Zahlen, aber auch dort ist die Rede von schwerer werdenden Rahmenbedingungen. Denn die Anforderungen an Krankenhäuser steigen ständig: So darf ein Haus Bestimmte OPs nur anbieten, wenn sie häufig gemacht werden und eine Mindestzahl an Fachleuten da ist. Erfüllt ein Krankenhaus diese Bedingungen nicht, darf es die Leistungen nicht abrechnen. Die städtischen Häuser in Neumünster und Kiel - so die Logik - hätten zusammen mehr Kompetenzen und könnten so die Anforderungen leichter erfüllen. Sollte die Fusion nicht gelingen, so steht es im Kieler Jahresabschluss 2018, "muss das Städtische Krankenhaus damit rechnen, unter Umständen einige Schwerpunktversorgungsbereiche aufzugeben."

Zusammen mehr Kompetenzen?

Die Stadt Neumünster hält sich zu den Fusionsüberlegungen bedeckt und verweist auf die Geschäftsführung des Friedrich-Ebert-Krankenhauses. Das Kieler Rathaus teilte NDR Schleswig-Holstein mit, man befinde sich in ersten Gesprächen. Es gebe aber noch keine Ergebnisse.

Serie: System Krankenhaus
Luftaufnahme des Städtischen Klinikums Kiel © NDR

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.01.2020 | 16:00 Uhr

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