Stand: 27.11.2018 21:52 Uhr

Mindestens zwei Wölfe in SH sesshaft

Mindestens zwei Wölfe haben sich in Schleswig-Holstein angesiedelt. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR) in Flintbek stuft diese Einzeltiere nun erstmals als "resident" ein, weil sie länger als sechs Monate im Land sind. "Dies hat allerdings erstmal keine direkten Auswirkungen oder Konsequenzen", sagt Martin Schmidt vom LLUR. Bisher gingen Experten davon aus, dass Wölfe sich nur vorübergehend im Norden auf der Suche nach geeigneten Lebensräumen aufhalten würden. Anzeichen dafür, dass zwei Jungtiere ein Rudel in Schleswig-Holstein gründen und sich dauerhaft hier niederlassen, gibt es nach Angaben des Landesamtes derzeit allerdings nicht.

Wild-Kamera fotografiert Wolf

Als "resident" gelten mindestens ein Tier im Kreis Segeberg und ein Wolf, der sich seit mehr als sechs Monaten in den Kreisen Steinburg und Pinneberg aufhält. Nach DNA-Untersuchungen im Labor können auch die jüngsten Risse an Schafen und Kälbern in der Region zweifelsfrei einem Wolf zugeordnet werden. In einigen Fällen gelang mit Hilfe von DNA-Spuren eine genaue Identifizierung: Demnach handelt es sich um einen jungen Rüden mit dem Code-Namen GW924m, der im vergangenen Jahr in Dänemark geboren wurde. Eine Wildkamera in Moordiek (Kreis Steinburg) hat vermutlich diesen Wolf am Montag aufgenommen.

Wolfsnachweise im Norden des Landes

Auch für die Rissvorfälle Anfang November bei Brammer, Bargstall und Friedrichsholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist nach Angaben der Genetiker definitiv ein Wolf verantwortlich. Darüber hinaus gab es laut Landesamt weitere Nachweise im nördlichen Landesteil: In den Gemeinden Groß Rheide (Kreis Schleswig-Flensburg) und Neukirchen (Kreis Nordfriesland) konnte nach Angaben des LLUR erstmals seit Beginn des Wolfsmonitorings ein Wolf nachgewiesen werden. Anfang November wurden in den Orten mehrere Schafe gerissen. Welcher Wolf der Täter war, steht nach Angaben des Landesamtes noch nicht fest.

Der Wolf, der 2007 als erster nach etwa 200 Jahren wieder in Schleswig-Holstein in Erscheinung getreten ist, konnte nach Angaben des LLUR inzwischen identifiziert werden. Das Tier wurde bei Süsel (Kreis Ostholstein) überfahren. DNA-Analysen ergaben nun, dass es sich um den Wolf mit dem Code-Namen GW1076m handelt, der aus dem Rudel Nochten in Sachsen stammte. Seitdem wurden im Norden insgesamt 89 Vorfälle mit verletzten und getöteten Nutztieren gezählt, 67 davon allein in diesem Jahr.

CDU will Wolf bejagen

Der Wolf beschäftigt zunehmend auch die Politik: Die Bundestagsfraktion von CDU und CSU forderte am Dienstag, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen und sein Schutzstatus neu bewertet werden müsse. So solle er nicht länger als streng geschützte Art, sondern nur noch als geschützte Art gelten. Auch soll der Wolf schneller als bisher geschossen werden dürfen. Darüber hinaus stellt sich die Unionsfraktion vor, dass es Schutzgebiete für Wölfe in unbesiedelten Gegenden gibt und sogenannte wolfsfreie Zonen, in denen der Wolf ein Risiko für Weide- und Haustiere ist. Dazu zählten Dörfer oder auch Deiche. Die Union fordert die Bundesregierung auf, die Gesetze entsprechend zu ändern.

Ähnlichen Forderungen des CDU-Landesparteitags in Schleswig-Holstein hatte Umweltminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne) eine Absage erteilt. Das Artenschutzrecht der Europäischen Union sehe keine wolfsfreien Zonen vor, sondern erlaube den Abschuss von Wölfen nur unter engen Voraussetzungen, sagte Albrecht in der vergangenen Woche. Hierzu habe sein Ministerium klare Kriterien aufgestellt und Informationen über den Ablauf einer solchen Abschussgenehmigung veröffentlicht.

Junger Wolf, der läuft.

Den Wölfen auf der Spur

Schleswig-Holstein Magazin -

Mithilfe von DNA-Daten und Fotos aus Wildkameras können die Wege von Wölfen nachgezeichnet werden. In Schleswig-Holstein ist ein Wolf besonders oft identifiziert worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.11.2018 | 20:00 Uhr

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