Sendedatum: 19.02.2020 17:00 Uhr

Meteorit "Flensburg" ist ein Sensationsfund

Nahaufnahme des Meteoriten Flensburg. © dpa-Bildfunk / Westfälischen Wilhelms-Universität Foto: Markus Patzek
Am 12. September 2019 tritt ein Meteorit in die Erdatmosphäre ein. Der Stein ist etwa 3,7 mal 3,5 Zentimeter groß.

Im September vergangenen Jahres war der Norden von einem lauten Knall überrascht worden. Erste Spekulationen ließen erahnen, dass es sich um einen Asteroiden handle. Tatsächlich trat ein Meteorit in die Erdatmosphäre ein und verglühte dort zum Teil. Augenzeugen berichteten damals von einem "Feuerball am Himmel". Einen Tag nach dem Ereignis fand der Flensburger Erik Due-Hansen einen 24,5 Gramm schweren schwarzen Stein auf dem Rasen seines Gartens. Seitdem forschen Experten und Wissenschaftler an dem Weltraumstein. Neueste Erkenntnisse zeigen: Der Meteorit ist einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Funde Deutschlands.

Meteoritenklasse extrem selten

Aufgrund seines Fundortes tauften Forscher den Meteoriten auf den Namen "Flensburg". Münsteraner Planetologen untersuchen den Fund mineralogisch und chemisch. Mittlerweile sind Angaben zufolge etwa 15 Universitäts- und Forschungsinstitute in Deutschland, Frankreich und der Schweiz an den Forschungsarbeiten beteiligt. Laut Experten gehört der Meteorit "Flensburg" einer extrem seltenen Klasse an. Weltweit sind keine Exemplare mit einer ähnlichen Zusammensetzung bekannt.

Zudem sei dies der bisher einzige Meteoritenfall in Deutschland, der beweise, dass es vor 4,56 Milliarden Jahren im frühen Sonnensystem kleine Körper gegeben haben muss, auf denen es flüssiges Wasser gab, so Addi Bischoff vom Institut für Planetologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. "Vielleicht haben solche Körper der Erde auch das Wasser geliefert."

Ursprüngliche Mutterkörper als Teil der Erde?

Die ersten Ergebnisse zeigen, dass der Stein aus dem All nur mit sehr selten gefallenen Meteoriten, sogenannten kohligen Chondriten, verglichen werden kann. Rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen belegen laut Universität Münster, dass "Flensburg" nur Minerale enthält, die sich unter der Beteiligung von Wasser in der Frühphase unseres Sonnensystems gebildet haben. Dabei handelt es sich insbesondere um Schichtsilikate und Karbonate. Nach Angaben der Forscher kann der ursprüngliche Mutterkörper als Teil eines möglichen Bausteins der Erde angesehen werden.

Aufschlüsse über die Entstehung von Planeten

Die Planetologen Markus Patzek (r) und Addi Bischoff untersuchen den Meteoriten "Flensburg". © dpa-Bildfunk / Westfälischen Wilhelms-Universität Foto: Michael C. Möller
Die Planetologen Markus Patzek (r.) und Addi Bischoff von der Westfälischen Wilhelms-Universität untersuchen den Meteoriten.

"Flensburg" passt genau in die Forschungsarbeiten des Sonderforschungsbereichs "TRR170 - Späte Akkretion auf terrestrischen Planeten", eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungskooperation zwischen Münster und Berlin. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen unter anderem herausfinden, aus welchen Bausteinen die Erde und andere Planeten ursprünglich gebildet wurden und ob ein Material erst nachträglich die Erde erreichte. Wenn ja: Wie war dieses Material beschaffen?

Um diese Frage auf den Grund zu gehen, untersuchen die Forscher unter anderem Meteoriten - Bruchstücke ferner Himmelskörper, vor allem von Asteroiden. Sie gelten als die ältesten Gesteine des Sonnensystems und sollen somit Aufschluss über die Entstehung von Planeten geben.

VIDEO: Kiter filmt zufällig Feuerball (1 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.02.2020 | 17:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Ein sanierungsbedürftiges Haus neben einem renovierten Altbau. © anderssehen/fotolia Foto: anderssehen

Sanierungsstau bei Mietwohnungen durch Corona befürchtet

Derzeit sind Versammlungen von Eigentümern nicht erlaubt. Das hat laut Mieterbund Auswirkungen auf nötige Sanierungen. mehr

Der AFD-Politiker Gereon Bollmann schaut in die Kamera © NDR Foto: Gino Laib

Ex-Richter Bollmann will AfD-Landeschef in SH werden

Der ehemalige Richter am Oberlandesgericht, Bollmann, bringt sich für den Posten des AfD-Landesvorsitzenden ins Spiel. mehr

Positiver Coronatest © PantherMedia Foto: RECSTOCKFOOTAGE

Corona in SH: Gesundheitsämter melden 425 neue Fälle

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen in Schleswig-Holstein liegt Stand Freitagabend bei 92,1. mehr

Sozialberaterin Anke Timmermann lächelt in die Kamera © Anke Timmerman Foto: Anke Timmerman

"Ich bin kein Engel, weiß Gott nicht"

Von der Sozialhilfeempfängerin zur Sozialberaterin: Anke Timmermann-Grell leistet seit 40 Jahren Hilfe für Bedürftige. mehr

Videos