Stand: 14.01.2020 08:41 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Großauftrag der Marine: Kieler Werft geht leer aus

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Die Marine will vier Schiffe vom Typ "MKS 180" in Auftrag geben.

Die Kieler Werft German Naval Yards hat das Rennen um den größten Marineauftrag in der Geschichte der Bundeswehr verloren. Aus der Ausschreibung für das neue Mehrzweckkampfschiff "MKS 180" sei die niederländische Damen Shipyards Group als Sieger hervorgegangen, teilte der zuständige Staatssekretär, Peter Tauber, im Verteidigungsausschuss des Bundestags mit. Gebaut werden sollen die Schiffe - unter Federführung der Niederländer - bei Blohm + Voss in Hamburg. Für die Beschaffung von vier Schiffen hat das Verteidigungsministerium insgesamt 5,27 Milliarden Euro veranschlagt.

German Naval Yards: "Alles in unserer Macht stehende getan"

German Naval Yards hatte im Juli ein letztes Angebot für den Bau von "MKS 180" eingereicht. Damit habe man "alles in unserer Macht stehende getan", um den Auftrag nach Deutschland zu holen, so Werft-Geschäftsführer Jörg Herwig damals. Warum die niederländische Konkurrenz den Zuschlag erhalten hat, ist noch nicht bekannt. Beide Konzerne mussten ein ausführliches Angebot vorlegen.

Wie wichtig der Schiffbau für Schleswig-Holstein ist, zeigen Zahlen aus dem Wirtschaftsministerium. Das Bruttoinlandsprodukt von Schleswig-Holstein liegt bei etwa 100 Milliarden Euro. Davon steuern die Werften im Land rund fünf Milliarden bei. Außerdem sind knapp 5.000 Menschen direkt beschäftigt, weitere 15.000 sind es in der Zulieferer-Industrie.

Die Sonne geht hinter den Kränen der Werften "German Naval Yards" (l.) und "ThyssenKrupp" auf. © dpa picture alliance Foto: Christian Charisius

"MKS 180": Marine-Auftrag sorgt für Diskussionen

NDR Info - Infoprogramm -

Die Marine hat den Milliarden-Auftrag für das neue Mehrzweckkampfschiff "MKS 180" an eine niederländische Werft vergeben. Die deutschen Schiffbauer zeigen sich verstimmt.

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Überwasserschiffbau ist noch keine Schlüsseltechnologie

Das Projekt "MKS 180" war vor Jahren europaweit ausgeschrieben worden, da der Überwasserschiffbau für Marineschiffe bislang keine Schlüsseltechnologie ist. Die Bundesregierung will das laut Koalitionsvertrag ändern. Schiffe könnten dann direkt bei deutschen Werften bestellt werden. Kritiker des Verfahrens betonen, Deutschland sei die einzige europäische Nation, die Aufträge europäisch ausschreibe. Know-how könne verloren gehen.

"Grundsätzlich ist es wichtig, dass wir als deutsche Werft Aufträge von der eigenen Regierung erhalten. Nur so können wir unabhängiger von Exporten ins Ausland werden", hatte Werft-Geschäftsführer Herwig im Zuge des finalen Angebots von German Naval Yards erklärt - und auch auf den Erhalt von Arbeitsplätzen hingewiesen.

Allerdings sind auch unter niederländischer Führung deutsche Unternehmen und Lieferanten beteiligt. Blohm + Voss gehört zur Lürssen-Werftengruppe aus Bremen.

Marine bezeichnet "MKS 180" als "Allzweckwaffe"

Weitere Informationen

Großauftrag der Marine: Blohm + Voss baut mit

Er gilt als der größte Auftrag der Marine seit deren Gründung: Das neue Kampfschiff "MKS 180" soll unter niederländischer Federführung bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut werden. mehr

Die Marine bezeichnet das Schiff als "Allzweckwaffe". Das "MKS 180" solle in der Lage sein, "einerseits überall auf der Welt lange Zeit große Seeräume zu patrouillieren, Embargos zu überwachen und notfalls deutsche Staatsbürger aus Krisensituationen zu evakuieren, andererseits im Nordatlantik oder Mittelmeer sich notfalls im Seegefecht gegen andere Kriegsschiffe seiner Art und U-Boote durchsetzen zu können", heißt es auf der Bundeswehr-Homepage. Bisher könne ein einzelner Schiffstyp ein so breites Aufgabenspektrum nicht erfüllen.

Laut Staatssekretär Tauber ist die Entscheidung der Vergabestelle des Bundesverteidigungsministeriums noch vorbehaltlich einer möglichen Rüge beziehungsweise einer gerichtlichen Nachprüfung durch die Kieler Werft vor der Vergabekammer. Auch der Bundestag muss sich noch mit dem Auftrag befassen.

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German Naval Yards kämpft um Milliarden-Auftrag

18.07.2019 11:00 Uhr

Es ist angeblich der größte Marineauftrag in der Geschichte der Bundeswehr: der Bau des Mehrzweck-Kampfschiffs "MKS 180". Eine Kieler Werft buhlt um das Projekt. Konkurrenz kommt aus Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.01.2020 | 10:00 Uhr

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