Lern-Portal "itslearning" bald an allen Schulen in SH

Stand: 18.11.2020 05:00 Uhr

Das Lernmanagement-System "itslearning" soll die Lehrer beim Unterricht digital unterstützen. Es könnte etwa bei einem Corona-Homeschooling eingesetzt werden. Doch die Einführung sorgt auch für Kritik.

Seit diesem Schuljahr steht "itslearning" allen Schulen in Schleswig-Holstein zur Verfügung. Lehrer können in dem Online-Portal Unterrichtsmaterial bereit stellen oder Hausaufgaben erteilen und korrigieren. Bisher verwenden knapp 280 Schulen die Plattform, rund 12.500 Lehrkräfte und 120.000 Schüler haben Zugänge. Ziel ist es laut Bildungsministerium, dass das digitale Lernsystem bis zum Ende der Legislaturperiode in gut zwei Jahren an allen 792 Schulen im Land verwendet wird - obwohl viele Schulen bereits andere Plattformen wie iServe, Moodle oder Ilias etabliert und zum Teil gut in den Schulalltag integriert haben.

Schülervertreter kritisiert "itslearning"-Zwang

Letzteres kritisiert auch der Vorstand der Landesschülervertretung der Gymnasien, denn die Schulen hätten inzwischen Übung im Umgang mit ihren Plattformen gesammelt. "Für die ist es überhaupt nicht ideal jetzt umzusteigen. Inzwischen gibt es Erfahrungen. Besonders durch das Frühjahr, durch die Homeschooling-Phase", sagt Vorstandsmitglied Jonas Fischer. Dass diese Schulen trotz eines funktionierenden Systems ein anderes einführen müssten, sei nicht logisch.

Zentrales Angebot gut für Schulen ohne Lernplattform

Anders fällt Fischers Bewertung für Schulen aus, die noch kein Online-Lernmanagementsystem installiert haben: "Die brauchen nicht viele Anbieter zu suchen." Stattdessen könnten die Schulen auf das zentrale Angebot zurückgreifen. Probleme bei der Versorgung mit digitalen Endgeräten sieht Schülervertreter Fischer nicht. Es gebe Ausstattungsprogramme von Bund, Land, Städten und Kommunen. Zum Beispiel würden Schulen Laptops verleihen. Das große Problem beim Online-Unterricht sei eher eine stabile Internetverbindung.

Berkenthin: Sechstklässler erklären für Fünftklässler

Die Grund- und Gemeinschaftsschule Stecknitz in Berkenthin (Kreis Herzogtum Lauenburg) führt aktuell "itslearning" ein. Seit Dienstag gibt es 20 neue Anwender aus der fünften Klasse. Die neue Lernplattform bekommen sie nicht von den Lehrern erklärt, sondern von Sechstklässlern ihrer Schule, die die Plattform schon in den vergangenen Tagen kennengelernt haben. "Man versteht das, glaube ich, ein bisschen besser, weil Kinder das besser erklären können", sagt einer der Neu-Anwender. Und die älteren Schüler festigen ihr Wissen.

Land stellt Aufgabenpool zur Verfügung

Die Plattform soll Lehrer im Schulalltag digital unterstützen. Es können Zusatzaufgaben gestellt werden, aber auch einführende Inhalte wie Videos oder Zeitungsartikel bereitgestellt werden. Das Land bietet im Portal einen Aufgaben-Pool zu den Lerninhalten an. Die Lehrer können aber auch eigene Inhalte erstellen und diese anderen Pädagogen zugänglich machen oder von der Arbeit der Kollegen profitieren.

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Schüler können Fragen per Chat-Funktion stellen

Im Fall von Homeschooling können Lehrer ihre Aufgaben ins Portal stellen, die Kinder können das Material direkt bearbeiten und wieder zurückschicken. Die Lehrer sehen aber auch, welche Schüler Aufgaben bereits bearbeitet haben - oder nicht - und diese per Direkt-Nachricht oder über die Chat-Funktion gezielt anschreiben. "Gerade wenn die Schüler zu Hause arbeiten, tritt häufig der Fall auf, dass sie Unterstützung brauchen. Und dann ist es eben toll, wenn es kurzfristig die Möglichkeit gibt, den Lehrer zu erreichen und eine Frage zu stellen", sagt Schulleiter Matthias Heffter. Zurzeit sei es meistens so, dass Eltern die ersten Ansprechpartner sind, aber die seien halt keine ausgebildeten Lehrkräfte.

Prien: Lehrer sollten Zeitfenster definieren

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte bei einem Pressegespräch Ende September, die Pädagogen müssten ihre "itslearning"-Nachrichten aber nicht rund um die Uhr im Auge haben, und das gilt auch für Schüler. Vielmehr würde es Sinn ergeben, wie beim Präsenzunterricht Zeitfenster zu definieren. Auch für die Datensicherheit soll bei "itslearning" gesorgt sein. Die Daten sollen ausschließlich auf den Servern vom Land Schleswig-Holstein gespeichert werden und daher sicher sein.

Auch wenn die Plattform eine Hilfe beim Homeschooling sein soll, hoffen die Lehrer, dass sie die Kinder weiter im Präsenzunterricht beschulen können. Denn so viele Möglichkeiten die Pädagogen mit "itslearning" auch haben - die wichtige soziale Interaktion in der Klasse könne die Plattform einfach nicht ersetzen.

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