Stand: 14.02.2018 11:40 Uhr

Lange-Kandidatur für SPD-Vorsitz stößt auf Zustimmung

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Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (r.) will gegen Andrea Nahles antreten.

In der SPD regt sich Widerstand gegen einen schnellen Wechsel an der Parteispitze - ohne Beteiligung der Basis. Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange hat in einem Brief ihre Kandidatur für den Bundesvorsitz der Sozialdemokraten angekündigt. Am Dienstagabend haben die Spitzengremien der SPD das weitere Vorgehen in der heiklen Personalfrage besprochen. Der bisherige Vorsitzende Martin Schulz trat zurück. Das Parteipräsidium nominierte Andrea Nahles für die Wahl zum Parteivorsitz auf einem Parteitag am 22. April. Außerdem ernannte der SPD-Parteivorstand Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz zum kommissarischen Parteivorsitzenden. Lange kündigte unterdessen an, Unterschriften zu sammeln, um ihre Kandidatur zu untermauern.

Dithmarscher Diedrich bringt sich ins Gespräch

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Dirk Diedrich war am Mittwochabend auch zu Gast beim politischen Aschermittwoch der Nord-SPD in Marne.

Auch der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende aus Dithmarschen, Dirk Diedrich, möchte gegen Nahles antreten. Er kritisiert, die Partei treffe Personalentscheidungen von oben herab. Er wünscht sich ein anderes Verfahren. Sollte eine breite Basis aus den Ortsverbänden ihn unterstützen, würde er sich auf dem Bundesparteitag ebenfalls zur Wahl stellen. Der Berufsschullehrer ist auch Mitglied im Landesvorstand der Sozialdemokraten.

Landesparteirat in SH wehrt sich gegen Verfahren

Kritik an der Vorgehensweise hatte auch der Landesparteirat Schleswig-Holstein. Das Gremium hatte vor dem Treffen in Berlin den Verzicht auf die zuvor angekündigte Benennung von Nahles zur kommissarischen Parteichefin gefordert. Es gehe nicht gegen die Person Nahles, sondern es gehe darum, ein geordnetes Verfahren zu finden, damit nicht der Verdacht aufkomme, da werde etwas ausgeklüngelt, sagte der Bundestagsabgeordnete Sönke Rix aus Kiel. Er gehört dem Gremium an, das zwischen den Landesparteitagen über grundlegende Fragen von außen- und innenpolitischer Bedeutung entscheidet.

SPD-Landeschef Stegner reagiert distanziert

Anders als Rix ist der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner nicht im Parteirat. Er reagierte ausgesprochen distanziert auf die Kandidatur Langes für den Bundesvorsitz. "Unabhängig davon, dass jedes Mitglied der SPD das Recht hat, auf Bundesparteitagen für Führungsfunktionen der Partei zu kandidieren, wird sich der Landesverband zeitnah in den Gremien mit Simone Lange über ihre Bewerbung austauschen", erklärte Stegner, der auch SPD-Bundesvize ist.

Lange will, dass Mitglieder "Richtung der Partei bestimmen"

Lange will mit ihrer Kandidatur aus der SPD "wieder eine stolze Partei der sozialen Gerechtigkeit" machen, wie sie in einem Brief an den Bundesvorstand schrieb. Vor allem bei den sozialen Themen sehe sie seit der Agenda-Politik unter Gerhard Schröder Defizite: "Meine Grundüberzeugung ist, dass wir tatsächlich als Sozialdemokraten die Frage der Umverteilung nochmal neu, wirklich neu debattieren müssen. Wie schaffen wir es, die Schere zwischen ernsthaft zu schließen? Wie schaffen wir es, wachsende Kinderarmut auch tatsächlich zu verringern?" Mit ihrer Kandidatur will sich Lange nicht gegen Nahles persönlich stellen. Sie wolle den Mitgliedern wieder das Gefühl geben, "dass sie es sind, die die Stimmung und die Richtung der Partei bestimmen".

Viel Zustimmung an der Basis

Die geplante Kandidatur von Lange stößt beim ehemaligen schleswig-holsteinischen Innenminister Andreas Breitner auf Zustimmung. "Ich finde es total klasse, dass sie das macht und kann ihr nur viel Glück wünschen", sagt er dem Schleswig-Holstein Magazin. Die SPD brauche neue Gesichter auf Bundesebene. Auch Björn Uhde aus dem SPD-Kreisverband Segeberg freut sich über die Kandidatur. Sie sei eine Sozialdemokratin wie sie im Buche stehe. Uhde beschreibt Flensburgs Oberbürgermeisterin als warmherzig und bei Ungerechtigkeiten als sehr kämpferisch. Überrascht von Langes Bewerbung ist der nordfriesische Kreisvorsitzende Carsten F. Sörensen. Er verstehe die Kandidatur nicht, die Diskussion um einen Koalitionsvertrag müsse jetzt Vorrang haben, meinte er.

"Kandidatur ist genau das richtige Signal"

Jan Lindenau, designierter SPD-Oberbürgermeister in Lübeck, zollt Lange Respekt. Die Kandidatur sei genau das richtige Signal und zeige, dass es innerhalb der SPD auch Alternativen von der Basis gebe. Der Pinneberger SPD-Ortsvorsitzende Kai Vogel findet, dass die Bewerbung mutig sei und die Stimmung in der Partei wiedergebe. Karin Fedrowitz, Ortsvorsitzende in Norderstedt, ergänzt: Simone Lange könne Mitglieder und Bürger begeistern. Mit ihr an der Spitze könne die SPD Parteivorsitz und Fraktionsvorsitz trennen.

Weitere Informationen

SPD: Flensburgerin fordert Nahles heraus

In der SPD regt sich zunehmend Widerstand gegen einen schnellen Wechsel an der Parteispitze. Nun hat sich Flensburgs Oberbürgermeisterin Lange als Kandidatin für den Chefposten ins Gespräch gebracht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.02.2018 | 18:00 Uhr

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