Schild am Eingang eines Bauernhofes in Deutschland mit der Aufschrift Achtung Geflügelpest. © picture alliance / Zoonar | Heiko Kueverling Foto: Heiko Kueverling

Kommt eine neue Geflügelpest-Welle?

Stand: 27.10.2021 17:20 Uhr

Das Virus, das die Geflügelpest auslöst, könnte sich auch in der kalten Jahreszeit weiter ausbreiten. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) schätzt das Risiko eines erneuten Auftretens von HPAIV H5 in Europa und Deutschland im Laufe der Herbstmonate als hoch ein.

Seit Oktober 2021 häufen sich laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) die Meldungen über HPAIV H5-Fällen bei Wildvögeln in Deutschland. "Es scheint sich ein ähnlicher Trend wie im letzten Jahr abzuzeichnen: HPAIV H5N1-infizierte Pfeifenten, Nonnengänse und Große Brachvögel an der schleswig-holsteinischen Wattenmeerküste, ein Seeadler in Mecklenburg-Vorpommern und eine Lachmöwe in Niedersachsen könnten die Vorboten eines neuen überregionalen Geschehens darstellen", schreibt das FLI.

Das Institut vermutet das Virus auch in gesund erscheinenden Wasservögeln, da HPAIV H5 in gesammeltem Kot dieser Tiere gefunden wurde. Das FLI vermutet auch, dass das Virus nicht mehr ausschließlich über Zugvögel eingeschleppt wird: "Das Risiko einer Ausbreitung von HPAIV H5 bei Wildvögeln sowie einer Übertragung auf Geflügel und gehaltene Vögel in Deutschland wird als hoch eingestuft", so das FLI. Es empfiehlt Geflügelhaltern, Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern.

700 Gänse in Brunsbüttel gekeult

Zuletzt mussten wegen der Geflügelpest am Montag 700 Gänse in einem Betrieb in Brunsbüttel getötet werden. Eine Katastrophe für Gänsebauer Udo Engel. "Die Vogelgrippe hat uns eingeholt. Eigentlich können wir nichts mehr machen. Wir haben alles getan, was menschenmöglich ist", sagte er.

Hans-Peter Goldnick, der Vorsitzenden des Geflügelwirtschaftsverbands Schleswig-Holstein, zeigte sich besorgt. Wenn Geflügelhalter keine Extra-Versicherung abgeschlossen hätten, blieben sie meist auf dem Verlust sitzen, sagte er. Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) betonte: "Wir haben für alle Betroffenen die entsprechende Absicherung über den Tierseuchenfonds und sind im Zweifel auch in der Lage, über den Bestand des Fonds hinaus entsprechende Eingriffe zu finanzieren."

Schleswig-Holstein besonders stark betroffen

Goldnick sagte NDR Schleswig-Holstein, die Betriebe seien alarmiert. Sollte sich die Annahme des FLI bestätigen, könnte das das Ende der Haltung von Gänsen und Enten in Schleswig-Holstein sein. Denn diese werden draußen gehalten und sind daher besonders gefährdet. Goldnick will aber erstmal die Entwicklung der nächsten Monate abwarten.

Die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, ist eine Infektionskrankheit, die insbesondere bei Wasservögeln vorkommt. Dem Ministerium zufolge ist das Geflügelpest-Geschehen 2020/2021 das "bislang größte, schwerste und am längsten andauernde Geschehen".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.10.2021 | 17:00 Uhr

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