Stand: 31.07.2020 19:59 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

FSG-Mitarbeiter müssen sich Neustart teuer erkaufen

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Nadina von Studnitz ist Leiterin des Studios Flensburg und kommentiert den Neustart der FSG.

Eine neue, schuldenfreie Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 2.0: Investor Lars Windhorst pumpt frisches Geld in die insolvente Werft und lässt zwei Fähren bauen. Damit hätten sie hier auf der Werft zwei Jahre Arbeit. Allerdings nur für die Hälfte der Belegschaft - die anderen 300 Beschäftigten müssen in die Transfergesellschaft wechseln. Diese Kollegen erhalten sechs Monate lang 80 Prozent ihres bisherigen Nettogehalts - deutlich mehr als üblich. Und es gibt die Chance auf Rückkehr zur FSG. Aber: Sie verzichten auf eine mögliche Abfindung, sie könne nicht mehr den Klagewage beschreiten. Ein dicker Brocken: Wenn nicht mindestens 95 Prozent der dafür vorgesehenen Kollegen "Ja" sagen zur Transfergesellschaft - tja, dann platzt der ganze Deal. Es sei ein Akt der Solidarität, haben auch die Gewerkschaftsvertreter heute an der Pier gesagt. Ansonsten droht allen 650 Mitarbeitern die sofortige Kündigung.

Bei den Schwächsten liegt die Entscheidung

Bei den Schwächsten wird nun die Entscheidung darüber abgeladen, ob die FSG ihre vielleicht letzte Chance erhält oder nicht. Dieses Druckmittel ist zwar in einer Insolvenz nicht unüblich, aber den Mitarbeitern gegenüber ist es nicht fair. Wenn es schief geht hier in Flensburg, dann haben also die Kollegen Schuld? Und nicht das Management? Ein geschickter, kaufmännischer Schachzug.

Eine teuer erkaufte Chance

Investor Lars Windhorst sieht man das Gezerre um die FSG nicht an. Entspannt steht er an der Pier. In seinem Geschäft gehe es um Invest und Rendite - der Einstieg bei der Werft sei ein emotionaler Freundschaftsdienst gewesen, sagt er. Ein Retter ist Lars Windhorst sicher nicht, aber wahrscheinlich ein guter Pokerspieler. Vielleicht verschafft er der Werft weitere Aufträge, vielleicht doch noch einen guten Schiffbauer als möglichen Käufer. Viele "vielleichts". Aber eben auch eine Chance auf den Neustart. Sicher dagegen ist: Diese Chance müssen sich die Beschäftigten selbst teuer erkaufen: knapp 300 FSGler müssen ihren Arbeitsplatz bei der Werft aufgeben.

Neustart für FSG mit verkleinerter Belegschaft

Schleswig-Holstein Magazin -

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft bleibt erhalten, Investor Lars Windhorst kauft die Werft mit seiner Tennor Holding. Allerdings verlieren rund 300 Mitarbeiter ihre Jobs.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 31.07.2020 | 17:00 Uhr

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