Stand: 19.09.2017 20:59 Uhr

Kohlernte: Nicht alle Bauern sind in Feierlaune

An der Westküste Schleswig-Holsteins wird eine gute Kohlernte erwartet. Am Dienstag ging es in Friedrichskoog mit dem Kohlanschnitt zum Beginn der Kohltage offiziell los. Mit dabei war auch Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): "Die Kohltage sind jetzt schon seit Jahrzehnten ein Paradebeispiel für ein erfolgreiches Regionalmarketing." Doch die guten Erträge in diesem Jahr werden sich laut Habeck nicht bei allen Bauern im Portemonnaie bemerkbar machen. Auch in anderen Regionen werde wohl viel geerntet, so der Minister. Das drücke die Preise.

Kohl-Krise?

Sorge bereitet dem Gemüseanbauerverband auch die Vermarktung des Kohls. Der Trend zu mehr Regionalität sei für die Westküste ein Problem, sagte Christian Ufen vom Verband. In Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sei der Kohl aus Dithmarschen inzwischen eher die zweite Wahl. Der werde - trotz günstiger Preise - erst gekauft, wenn die regionalen Produkte verbraucht sind, so Ufen. Außerdem hat der Kohl immer mehr Konkurrenz im Supermarktregal - vor allem Kohlrabi und Kürbisse machten ihm zu schaffen, so Ufen.

Vorteil Westküste

In der Produktion - zum Beispiel von Sauerkraut und Rotkohl - werde der Kohl von der Westküste aber nach wie vor geschätzt und vor allem gekauft, heißt es vom Verband. Und der Westküsten-Kohl hat einen weiteren Vorteil: Das ausgeglichene Klima macht ihn widerstandsfähiger gegen Keime. Dadurch kann die Ernte länger gelagert und die Kohlköpfe bis zum nächsten Sommer verkauft werden - laut Verband ein Alleinstellungsmerkmal für die Westküsten-Bauern.

Ein Drittel des Kohls kommt aus Dithmarschen

80 Millionen Kohlköpfe warten in Dithmarschen auf die Ernte. Die Region gilt mit 3.000 Hektar Ackerfläche als größtes geschlossenes Kohlanbaugebiet Europas. Die Hälfte der Ernte wird bis November direkt vom Feld an die Verbraucher geliefert. Der Rest wird eingelagert. Von den 600.000 Tonnen Kohl in Deutschland stammt fast ein Drittel aus Dithmarschen.

"Kohl-Expo" in Wesselburen

Nun wird erstmal gefeiert. Bis Sonntag werden 300.000 Besucher im Kreis erwartet - zu den 31. Kohltagen. Das bunte Programm mit Bauern-, Kohl- und Blumenmärkten beziehungsweise der "Kohl-Expo" in Wesselburen bietet nach Angaben der Veranstalter für jedes Alter etwas. Viele Gaststätten und Restaurants werden sogenannte Heiermann- und Dreitaler-Gerichte anbieten: Kohlspeisen für 2,50 Euro beziehungsweise für 5 Euro.

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Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.09.2017 | 12:00 Uhr

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