Eine Person hält eine Weltkugel in ihren Händen © PantherMedia Foto: Jakub Krechowicz

Klima-Experten: "Höchste Zeit" zu handeln

Stand: 15.11.2021 18:35 Uhr

Gerade hat die Weltgemeinschaft in Glasgow über den Klimawandel verhandelt. Doch auch Land und Kommunen können viel gegen die Erderwärmung unternehmen - das wurde bei der Anhörung im Landtag in Schleswig-Holstein klar.

von Constantin Gill

Dass die Zeit drängt, daran ließen die Experten keinen Zweifel. Daniela Jacob, Direktorin des Climate Service Center Germany, warnte, die Erderwärmung werde auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und auf die Wirtschaft haben.

Es sei "höchste Zeit", den Anstieg der Temperaturen - auch in Schleswig-Holstein - zu verlangsamen, so Jacob: "Wir brauchen es für das Wohlergehen der nächsten Generation und wir haben es in der Hand." Jedes halbe Grad zähle.

Auch wenn viele Entscheidungen zum Klimaschutz auf EU- und Bundesebene getroffen werden, sehen die Experten Handlungsmöglichkeiten für Land und Kommunen. Etwa, indem sie Innenstädte grüner machen und Moore renaturieren. Beides, so die Experten, habe positive Folgen, nicht nur fürs Klima, sondern auch für die Lebensqualität vor Ort.

Besondere Rolle der Kommunen

Zudem könnten Verwaltungen auf den Klimaschutz achten, etwa bei ihren Fuhrparks, sagt Christoph Brüning von der Uni Kiel: "Vom Müllfahrzeug bis zum Polizeiwagen ist ganz viel möglich."

Ein Problem, auf das die Kommunen allerdings häufig stoßen, ist dabei der Personalmangel. Das berichtet Sebastian Krug von der Klimaschutzagentur Rendsburg-Eckernförde. Das Know-How in den Kommunalverwaltungen sei da, auch Fördermittel seien verfügbar, aber: "Jeder ist mit seinen Aufgaben ausgelastet."

Deshalb gründete der Kreis die Agentur, die sich mit einer Handvoll Mitarbeitern darum kümmert, Projekte zu bündeln und Fördergelder einzuwerben.

VIDEO: Wasserstoff als Energie der Zukunft (5 Min)

Sanktionen nötig?

Britta Klagge vom Geografischen Institut der Uni Bonn sieht das Land Schleswig-Holstein in vielen Bereichen schon gut aufgestellt und nennt etwa die Wasserstoffstrategie. Aber: Technische Lösungen allein reichten nicht, sagt Klagge und mahnt, auch Lebenswandel und Konsumverhalten der Menschen müssten sich ändern. "Ich glaube, dass es dazu konkreter politischer Anreize und im Zweifel auch Sanktionen bedarf", sagt sie.

Auch Michael Berger, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für die Transformation der Energiewende an der FH Westküste, fordert eine "Konsumwende" und auch er meint, die Menschen müssten "in die Pflicht genommen werden."

Von den Landtagsabgeordneten kommen an dieser Stelle Bedenken, dass gerade ärmere Menschen von Maßnahmen wie der CO2-Bepreisung überfordert werden könnten. Die Experten verweisen darauf, dass sie von den Einnahmen etwas zurückbekommen könnten. Die Lenkungswirkung, meint Berger, trete dann trotzdem ein.

Die Hamburger Soziologin Anita Engels pocht darauf, die Kostenbelastung der Menschen in den Blick zu nehmen und "Energiearmut" zu verhindern. Auch die Kommunen sollten ihrer Ansicht nach mehr Geld bekommen. Sie spielten eine wichtige Rolle, etwa, wenn es darum geht, die Wärmeversorgung umzustellen.

VIDEO: Moore in Schleswig-Holstein: CO2-Speicher und CO2-Quelle (5 Min)

Bürger informieren und von Vorteilen überzeugen

Ein wichtiger Baustein, den verschiedene Experten bei der Anhörung nennen, ist die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Die Veränderungen der Lebenswelt durch den Klimawandel sollten klar angesprochen und die Vorteile betont werden, meint Harald Welzer von der Europa-Universität Flensburg.

Aus den Vorträgen der Experten wird deutlich: Alle diskutierten Maßnahmen sind wichtig - es geht nicht um ein Entweder-oder. Politik und Gesellschaft sollten die Erderwärmung aufhalten, gleichzeitig müsse sich das Land aber auf schon jetzt veränderte klimatische Bedingungen einstellen, etwa beim Küstenschutz.

Am Ende des Tages sind viele Informationen und Vorschläge zusammengekommen. Über sie werden die Abgeordneten in den Ausschüssen weiter diskutieren. Landtagsvizepräsidentin Kirsten Eickhoff-Weber sagt, man werde auf Basis der Informationen "verantwortliche politische Entscheidungen treffen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.11.2021 | 17:00 Uhr

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