Stand: 26.05.2020 16:05 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Kiel kauft Absauganlagen, um Fahrverbot zu verhindern

Die Stadt Kiel bestellt im Kampf gegen zu hohe Stickstoffdioxidwerte am Theodor-Heuss-Ring sechs Absauganlagen. Der Grenzwert für die Stickoxide liegt bei maximal 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Seit Jahren wird dieser Grenzwert allerdings regelmäßig überschritten. Die Deutsche Umwelthilfe klagt deshalb gegen die Stadt und will Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge durchsetzen. Nach Angaben der Stadt sollen die sechs Absausganlagen ab Oktober am Theodor-Heuss-Ring in Höhe der Messstation stehen. Den Zuschlag hat eine Firma aus Trittau (Kreis Stormarn) erhalten. Sie schätzt, dass die Stickoxidwerte um etwa zehn Prozent sinken werden. Die Kosten für eine Anlage belaufen sich auf schätzungsweise 80.000 Euro. Nach Angaben der Stadt soll es der erste große Einsatz von Luftfiltern dieser Art an einer Straße sein, der wegen hoher Stickstoffdioxidwerte ein selektives Fahrverbot droht.

Kritik von der Deutschen Umwelthilfe

Das Vorgehen der Stadt sorgt für ungläubiges Staunen bei der Deutsche Umwelthilfe. "Das bringt den Menschen überhaupt nichts, wenn ich an wenigen Stellen eine Absauganlage errichte. Die im wesentlichen nur dafür sorgt, dass rund um die Messstelle die Werte ein bisschen niedriger sind", sagt Geschäftsführer Jürgen Resch. Er pocht weiterhin auf Fahrverbote. Denn sollte die Stadt Kiel diese nicht durchsetzen, gebe es keinen Anlass für Autohersteller die Autos auch umzurüsten, so Resch weiter. Die neuen Anlagen sollen zunächst für drei Jahre am Theodor-Heuss-Ring stehen. Die Landeshauptstadt Kiel geht davon aus, dass der Einsatz der Luftfilteranlage nach drei bis fünf Jahren zur Einhaltung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid nicht mehr notwendig sein wird.

Werte am Theodor-Heuss-Ring in den ersten Monaten besser

Die Stickstoffdioxidwerte am Theodor-Heuss-Ring waren in jüngster Zeit besser geworden. Maßnahmen der Stadt wie die Umleitung von Schwerlastverkehren sowie die Sperrung von Zu- und Abfahrten greifen offenbar, meint die Stadt. Zudem würden auch die Mobilitätswende und die Modernisierung der Fahrzeugflotte ihren Beitrag zur Luftreinhaltung leisten.

Die gemessenen Stickstoffdioxidwerte in der Luft am Theodor-Heuss-Ring zwischen Barkauer Kreuz und Waldwiesenkreisel lagen in früheren Jahren zum Teil deutlich über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. 2019 betrug der Jahresmittelwert noch 49 Mikrogramm. In den ersten vier Monaten dieses Jahres gab es einen Durchschnittswert von 38,3 Mikrogramm Stickstoffdioxid.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.05.2020 | 15:00 Uhr

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