Stand: 04.10.2018 05:00 Uhr

Kampf um den Acker: Steinzeit gegen Neuzeit

Der Plan war gut, die Voraussetzungen stimmten. Die Zusage für ein letztes freies Baugebiet wurde erteilt. Eine Wohnsiedlung für junge Familien sollte entstehen, denn der Wohnraum ist knapp. Doch in Altenkrempe im Kreis Ostholstein darf dennoch erst mal nicht gebaut werden. Denn auch wenn Wohnraum kostbar ist, wird hier noch etwas viel Kostbareres vermutet: ein Stück Landesgeschichte, vergraben unter der Erde.

Zwei Menschen stehen auf einem leeren Acker in Altenkrempe © NDR

Altenkrempe: Baupläne scheitern an Geschichte

Schleswig-Holstein Magazin -

Archäologen vermuten, dass unter einem Acker in Altenkrempe bedeutende Funde liegen. Doch der Bürgermeister will genau hier ein Neubaugebiet errichten lassen. Was nun?

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Funde aus der Jungsteinzeit

Im Winter nahm Ingo Clausen in dem Acker erste Stichproben. Der Archäologe fand Spuren einer ersten Siedlung: "Ein Gebäude aus der römischen Kaiserzeit, das heißt aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert mit entsprechendem Fundgut dazu. Genauso wie wir jungsteinzeitliche Funde nachweisen können, die deutlich älter sind - die fünfeinhalbtausend Jahre alt sind. Das alles ruht hier unter unseren Füßen", sagt Clausen. Doch auch der Archäologe und sein Team können vorerst nicht weiterarbeiten. Die Kosten für die Ausgrabung sind zu hoch.

Das Geld fehlt auf beiden Seiten

Werden solche Funde gemacht, gilt das Verursacherprinzip. Altenkrempe müsste für die Kosten der Grabungen aufkommen - rund 500.000 Euro. "Diese Kosten müssen wir umlegen. Das hat uns einen Tritt in die Magengrube gegeben", sagt Bürgermeister Hans-Peter Zink. Die Grundstücke würden damit zu teuer werden und die Stadt kann für die Kosten nicht aufkommen. Der Plan für die Wohnsiedlung ist bis auf Weiteres begraben. Auch das Archäologische Landesamt hat für die Grabungen kein Budget. So stehen beide Parteien vor einem Problem. Zusammen hatten sie das Kultusministerium um Geld gebeten, aber bisher kam von dort ein Nein. Zu groß sei die Sorge, dass dann auch andere Kommunen für Grabungen Geld haben wollen.

Der letzte schwarze Fleck

Dass die Grabungen Aufschluss über die Landesgeschichte geben könnten, ist nicht unwahrscheinlich. Eine Basilika in Sichtweite scheint ein Indiz dafür zu sein, dass unter dem Acker Schätze begraben sein könnten. Für das Landesamt ist dieses Gebiet quasi der letzte schwarze Fleck auf Schleswig-Holsteins Landkarte. Die Grabungen könnten Licht ins Dunkel bringen. Denn niemand weiß, warum in dieser einsamen Gegend einst gebaut wurde. "Das ist Landesgeschichte, die man hier erforschen kann. Frühe Stadtgründung von Kiel, von Heiligenhafen, alles Ostseehäfen im Prinzip. Dieses Wechselspiel zwischen deutschen Siedlern, der altetablierten slawischen Bevölkerung, diesen Adaptionsprozess, diesen Missionsprozess und dann die deutsche Landnahme. Eben alles das verbirgt sich hier in dem Boden von Altenkrempe", so Ingo Clausen.

Keine Grabung, keine Erkenntnis

Sollten Stadt oder das Kultusministerium nicht für die Kosten der Grabung aufkommen, wird der Acker so bleiben. Es darf weder gebaut, noch gegraben werden. Warum hier einst eine Siedlung entstand und wie die Deutschen hier vor fast tausend Jahren die Slawen vertrieben und sesshaft wurden, wird vorerst offen bleiben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.10.2018 | 19:30 Uhr

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