Hoffnung für Discos und Gäste: Corona-Lockerungen in Sicht

Stand: 31.08.2021 18:18 Uhr

Werden in Schleswig-Holstein bald wieder flächendeckend Diskotheken und Clubs geöffnet? Die Bilanz eines Modellprojekts darf Betreibern und Party-Gängern Hoffnung machen.

Feiern gehen ohne Abstand und Maske könnte in Schleswig-Holsteins Diskotheken bald wieder möglich sein. "Mit einem Test- und Kontrollregime können wir dieser gebeutelten Branche wieder eine Perspektive geben", sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) am Dienstag. Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Begleitung und einem Disco-Betreiber zog Buchholz eine positive Bilanz eines Modellprojekts, in dessen Rahmen drei Clubs insgesamt 2.880 Gäste empfangen hatten.

Von diesen Gästen hätten lediglich vier im Nachhinein ein positives Corona-Testergebnis gehabt, sagte Mediziner Stephan Ott - allerdings so spät, dass die Ansteckung vermutlich nicht in den Diskotheken erfolgte. Buchholz wertete das als Erfolg und schlussfolgerte: "Es gibt sehr wohl eine Möglichkeit, sicher Partys zu feiern."

2G oder 3G: "Öffnen Sie bitte unsere Läden"

Den Anstieg der Inzidenz in den drei Kreisen der teilnehmenden Läden führte Buchholz auf Reiserückkehrer und den Schulstart zurück: "Bei den Partys hat sich niemand angesteckt, soweit wir wissen." Zu den Teilnehmern des Modellprojekts gehörte auch das "Joy" in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg). Betreiber Joey Claussen appellierte an den Minister: "Egal ob 2G oder 3G - öffnen Sie bitte endlich unsere Läden."

Buchholz stellte Lockerungen bereits mit der nächsten Aktualisierung der Corona-Bekämpfungsverordnung in Aussicht, die aktuelle Version ist bis zum 19. September gültig. Diskotheken und ähnliche Einrichtungen dürfen aktuell zwar auch unabhängig von Modellprojekten öffnen - allerdings nur unter strengen Vorgaben.

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Aktuell höchstens 125 Besucher gleichzeitig im Club

Neben einem Hygienekonzept und der Erhebung von Kontaktdaten dürfen Betreiber aktuell höchstens 125 Personen gleichzeitig in die Clubs hineinlassen. Je kleiner der Club, desto weniger Besucher dürfen hinein - je zehn Quadratmeter begehbarer Fläche darf eine Person eingelassen werden. Im Falle seiner Diskothek "Joy" in Henstedt-Ulzburg seien das 45 Gäste, sagte Betreiber Claussen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb brauche er eine Auslastung zu mindestens zwei Dritteln. Er hatte im Rahmen des Modellprojekts Partys mit 600 Gästen im "Joy" veranstaltet.

Besucher benötigen aktuell außerdem einen negativen Test, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Vollständig Geimpfte oder Genesene müssen einen Nachweis vorlegen. Außerdem müssen alle eine qualifizierte Mund-Nasen-Bedeckung tragen, sofern in geschlossenen Räumen getanzt wird.

Das Modellprojekt lief unter strengen Regeln ab

Das Modellprojekt lief in Schleswig-Holstein seit Mitte Juli. Mit einem strengen Hygiene- und Testkonzept und der 3G-Regel war im "Joy" in Henstedt-Ulzburg, im "Horizon" in Oldenburg (Kreis Ostholstein) und im Flensburger "Bootshaus" das Feiern möglich - ohne Maske und Abstand. Betreten durften die Clubs nur geimpfte, genesene und getestete Menschen. Negative Testergebnisse durften nicht älter als sechs Stunden sein. Die Gäste mussten sich nach den Partys mehrmals testen lassen.

Ohne Maskenpflicht nur mit guten Lüftungsanlagen

Unter diesen oder ähnlichen Bedingungen könnten künftig Diskotheken gerade für junge Menschen wieder sichere Orte zum Feiern werden, so Minister Buchholz. Man werde die Projektergebnisse in die Überlegungen einfließen lassen, ehe die neue Landesverordnung in Kraft tritt, sagte der FDP-Politiker - und kündigte bereits an, dass die Landesregierung von bestimmten Punkten des Modellprojekts wie den Nachtests abrücken werde. Denkbar sei eine Kontaktverfolgung über die Luca-App. Und klar sei, Diskotheken dürften nur ohne Maskenpflicht öffnen, wenn sie über gute Lüftungsanlagen verfügen.

Gäste sind laut Betreiber "extrem dankbar"

Jugendliche suchten sich ohne Diskotheken andere Räume zum Feiern, sagte Betreiber Claussen. Die Resonanz auf das Modellprojekt sei positiv gewesen. "Die Gäste sind extrem dankbar, dass sie wieder feiern können." Das macht sich offensichtlich auch in der Kasse bemerkbar. Das "Joy" habe mehr Umsatz pro Person als vor der Corona-Pandemie gemacht, sagte Claussen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 31.08.2021 | 19:30 Uhr

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