Helfer vom THW: "So etwas in 20 Jahren noch nicht gesehen"

Stand: 23.07.2021 17:18 Uhr

Mit dem Starkregen kam das Hochwasser - und die Zerstörung: Der Schaden in den betroffenen Gebieten Nordrhein-Westfalens und in Rheinland-Pfalz sind enorm.

Experten schätzen die Kosten für den Wiederaufbau auf mehrere Milliarden Euro. Jesko Jachens vom Technischen Hilfswerk (THW) aus Preetz (Kreis Plön) ist zusammen mit fast 700 weiteren Helfer aus Schleswig-Holstein losgefahren, um vor Ort zu unterstützen.

Ohne Strom und Wasser

Seit Donnerstag helfen er und sein Team im nördlichen Rheinland-Pfalz in Bad Neuenahr an der Ahr - dem Flüsschen, das zum reißenden Strom wurde. "Die Menschen leben hier zum Teil ohne Strom und Wasser", berichtet Jachens, "teilweise fehlt bei Häusern eine Hälfte. Und im Nachbarhaus, in dem im Erdgeschoss nur Schlamm ist, müssen die Leute oben noch wohnen." Diese Bilder kenne er nur aus Kriegsgebieten, sagt der erfahrene Zugführer, der schon in Hochwassergebieten an der Elbe im Einsatz war.

"So etwas nach 20 Jahren THW noch nicht gesehen"

Neben den Einwohnern hat auch die gesamte Infrastruktur schwer gelitten. Brücken und Wege sind zerstört, ganze Straßenzüge liegen unter Wasser. So etwas habe er nach 20 Jahren THW noch nicht gesehen, sagt Jachens, von dem Ausmaß der Zerstörung hörbar erstaunt. Und die macht es für die Helfer enorm schwer, überhaupt dorthin zu gelangen, wo ihre Hilfe gebraucht wird. "Der Weg hierher war sehr beschwerlich, am ersten Tag mussten wir 100 Kilometer Umweg in Kauf nehmen", erzählt Jachens. Der Ort ist durch die Ahr geteilt - doch es sei nur eine Brücke befahrbar, sodass die Menschen mit Booten übergesetzt werden.

Wassermassen bis in die erste Etage

Im Stadtzentrum ist Jachens vorher schon gewesen, erzählt er - es sei alles schön gewesen, mit Gastronomie und schön hergerichtet. "Und ich steh' jetzt hier, zehn Meter höher als der Fluss ist, und trotzdem sind die Wasserlinien von den Wassermassen bis ins erste Obergeschoss sichtbar." Der Staub sei überall - und die geteerten Straßen und Gehwege seien nicht mehr zu erkennen, berichtet Jachens. "Es ist eine einzige Staublandschaft hier nur noch."

Wichtig ist nach Angaben des Zugführers jetzt, ans Arbeiten zu kommen. Die Einsatzstelle sei so groß und überall Hilfe notwendig - das zu koordinieren sei eine enorme Herausforderung.

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Schleswig-Holstein Magazin | 23.07.2021 | 19:30 Uhr

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