Gegen das Zittern: UKSH behandelt Tremor mit Ultraschall

Stand: 16.02.2021 18:47 Uhr

Rund eine Million Menschen leiden deutschlandweit an einem chronischen, unwillkürlichen Zittern: Tremor genannt. Nun bietet das UKSH in Kiel eine neue Methode an, um diesen Patienten zu helfen.

Bisher konnte der sogenannte Tremor - ein chronisches, unwillkürliches Zittern - nur mit Medikamenten behandelt werden. Oder indem man mit einer Sonde bis in das Gehirn vordringt. Bei einer für Deutschland neuen Methode des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) muss nicht in den Schädel gebohrt werden. Stattdessen werden Ultraschallwellen eingesetzt. Der sogenannte essentielle Tremor gilt laut UKSH als eine der häufigsten Bewegungsstörungen.

Es wird bewusst eine Narbe gesetzt

Wie die Methode funktioniert? Der Patient bekommt einen Helm aufgesetzt. Durch diesen werden die Ultraschallwellen gebündelt und auf eine bestimmte Stelle im Gehirn gerichtet. "Durch die Bündelung der Ultraschallwellen kommt es zu einer Erhitzung des Gewebes. Dadurch wird eine kleine Narbe in der Tiefe des Gehirns gesetzt", erklärt Ann-Kristin Helmers, Oberärztin in der Neurochirurgie. Diese Narbe sorgt dafür, dass ein Knotenpunkt, der wesentlich für das Zittern ist, unterbrochen wird.

Oberarzt: "Eine Netzwerkerkrankung"

Steffen Paschen, Oberarzt in der Neurologie, erklärt das so: "Zittern entsteht durch ein schwingendes Netzwerk. Das ist eine Netzwerkerkrankung, wo es an unterschiedlichen Stellen Zittergeneratoren gibt. Dieses Netzwerk muss man durchbrechen. Und der Punkt, den wir setzen, das ist ein Knotenpunkt in diesem Zitternetzwerk." Das Resultat: Das Zittern wird weniger.

Methode ist auch in Bonn im Einsatz

Der Tremor kann, so die Ärzte, zunächst nur auf einer Körperseite behandelt werden. Mit einigen Monaten Abstand kann aber auch die andere Körperseite behandelt werden, sodass dann das Zittern auf beiden Körperseiten abgestellt werden kann. Technisch ist das UKSH in Kiel damit nach eigenen Angaben deutschlandweit ganz vorne. In Deutschland wird die Methode nur in Bonn noch angewendet.

17 Patienten bisher in Behandlung

Die Mediziner sind sehr zufrieden mit der neuen Methode. Weil sie keine Sonde in das Gehirn einführen müssen, sei das Risiko einer Hirnblutung ausgeschlossen, sagen sie. Die meisten Tremor-Patienten entscheiden sich laut UKSH inzwischen für diese neue Methode. Innerhalb eines Jahres konnten die Mediziner am UKSH 17 Patienten mit den Ultraschallwellen behandeln. In der Regel können sie bereits nach wenigen Tagen das Klinikum wieder verlassen.

Die Anschaffung des Behandlungsgeräts hat nach Angaben des UKSH rund zwei Millionen Euro gekostet, zum großen Teil finanziert von der Damp-Stiftung. Die Kosten der Behandlung übernehmen zum Großteil die Krankenkassen, den Rest übernimmt das UKSH.

Ein Mittel gegen Parkinson?

Das Verfahren ist laut UKSH in den USA bereits seit mehreren Jahren im Einsatz - und zwar bei verschiedenen Tremor-Arten, unter anderem auch beim mit Parkinson verbundenen Tremor. Für die Zukunft hoffen die Mediziner, dass die Ultraschallwellen vielleicht auch in anderen Fachbereichen eingesetzt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.02.2021 | 15:00 Uhr

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