Stand: 17.08.2020 18:36 Uhr

Lübeck: Erster Linienflug gestartet - mit Protest

Eine Protestaktion vor dem Lübecker Flughafen. © NDR Foto: Hauke Bülow
Die Gruppe "Extinction Rebellion" protestierte am Flughafen gegen den Neustart des Linienverkehrs ab Lübeck.

Seit Montagmorgen starten und landen am Lübecker Flughafen Blankensee wieder Linienflugzeuge. Fast täglich geht es von Lübeck aus nach München und Stuttgart. Der erste Lübeck-Air-Flieger ist am Morgen verspätet abgehoben. Proteste hatten den Start verzögert.

"Gelder lieber in Maßnahmen zum Klimaschutz stecken"

Nach Polizeiangaben waren etwa 80 Klimaschützer von verschiedenen Organisationen vor Ort. Die Demonstranten selbst sprechen von 100 bis 150 Teilnehmern. Sie wollten auf die schädlichen Folgen der Flüge für die Umwelt aufmerksam machen. "Wir fordern von dem Flughafenbetreiber, dass er die Wiedereinführung der Kurzstreckenflüge unterlässt", sagte Lukas Schnermann von der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion. Außerdem solle die Hansestadt Lübeck sämtliche Subventionierungen und Mitfinanzierungen des Flughafens sofort stoppen und die Gelder stattdessen in Klimaschutzmaßnahmen stecken, so Schnermann.

Umweltschützer wollten sich auf Rollbahn festkleben

Mehrere Klimaaktivisten hatten um kurz vor 6 Uhr versucht, sich mit Sekundenkleber auf dem Rollfeld festzukleben. Sie wurden von der Polizei abgeführt. Nach Angaben der Polizei wurden insgesamt 16 Personen vorübergehend festgenommen. Gegen sie wird nach Angaben der Polizei wegen des Verdachts der Störung des Luftverkehrs ermittelt.

Drei weitere Aktivisten hatten sich regulär Tickets für den Erstflug gekauft. Auch sie versuchten, sich beim Einsteigen festzukleben, wurden aber ebenfalls von der Polizei in Gewahrsam genommen. Der Abflug verzögerte sich um eine knappe Stunde. Eigentlich sollte die erste Maschine um 6.35 Uhr starten.

Am Montagnachmittag blockierten Aktivisten den Flughafeneingang. Die Polizei erteilte Platzverweise. Nach wenigen Minuten war die Sitzblockade beendet. Bereits in der Nacht hatten sich die Flughafengegner zu einem Protestcamp vor dem Flughafen versammelt.

Neustart war coronabedingt verschoben worden

Der Flughafen selbst betrachtet den ersten Start nach vier Jahren Stillstand im Linienverkehr als einen Erfolg - auch wenn der Neustart coronabedingt nach hinten verschoben musste. Ursprünglich sollten die ersten Flüge ab Juni nach München und Stuttgart starten. Flughafenchef Jürgen Friedel sagte im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein, dass er und sein Team stolz seien, dass es nun wieder los geht: "Der Flughafen ist in den vergangenen Jahren deutlich sichtbar renoviert worden - weg vom Billigfliegen, hin zum Business-Image."

Flughafenchef: Kein Verständnis für Proteste

Die Argumente der Klimaaktivisten stoßen beim Geschäftsführer des Flughafens auf wenig Verständnis. "Der Luftverkehr ist nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für den Tourismus unverzichtbar", argumentiert Friedel. Außerdem würde CO2 eingespart, das sonst für Fahrten, auch zu den Flughäfen in Hamburg oder Berlin, verbraucht werden würde.

Auf der Strecke nach München zum Beispiel kommt seinen Angaben zufolge jetzt ein "sehr wirtschaftliches" Flugzeug zum Einsatz. "Wir sind sehr viel schneller als die Bahn", sagt Friedel. Wenn die Geschwindigkeit keine Rolle spiele, könne man durchaus mit der Bahn fahren. Aber wenn man beispielsweise als Geschäftsmann einen Termin habe und innerhalb eines Tages wieder Zuhause sein wolle, dann sei das Flugzeug die erste Wahl.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 17.08.2020 | 16:00 Uhr

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