Stand: 20.01.2019 05:00 Uhr

Fancywork - das alte Handwerk der Schönknoterei

von Iris Guhl

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Der achtschäftige türkische Bund ist selbst für Kenner eine Herausforderung.

Fancywork klingt zwar neudeutsch, ist aber ziemlich alt. Genau genommen ist die Kunst, dekorative Knoten zu knüpfen, eine alte Seefahrertradition aus der Zeit der Großsegler. Bei Flaute gab es für die Matrosen wenig zu tun und Tauwerk war immer reichlich an Bord. "Es geht hier nicht um Kreuzknoten und Palstek und so was, es sind Zierknoten. Ich weiß auch nicht, wie man das auf Deutsch bezeichnen könnte, Schönknoterei vielleicht", meint Andreas Köpke aus Schönkirchen (Kreis Plön). Er ist Mitglied im Verein Museumshafen Kiel und hat es sich zur Aufgabe gemacht, maritime Handwerkskunst zu pflegen.

Mit 16 Jahren vom Fancywork-Virus infiziert

Auf dem alten Heikendorfer Feuerschiff "Læsø Rende", das in Möltenort (Kreis Plön) in der Kieler Förde vor Anker liegt, bietet Andreas Köpke ab und zu Fancywork-Abende an. Das 133 Jahre alte, liebevoll restaurierte Schiff bietet mit seinem maritimen Ambiente den perfekten Rahmen für die kniffelige Knotenkunst. Mit 16 wurde er vom "Fancywork-Virus infiziert", wie Köpke sagt. Das ist mehr als vier Jahrzehnte her. "Es war auf meinem zweiten Segeltörn. Ich habe damals schon angefangen, Gitarre zu spielen und kam von dem Törn zurück mit einem selbstgeknüpften Gurt für meine Gitarre." Bei der Gitarre ist er geblieben, bei Fancywork auch. Seinen Lebensunterhalt verdient der passionierte Segler mit dem Bau hochwertiger Saiteninstrumente. Knoten knüpft er zum Spaß.  

Es wird kompliziert

Für diesen nasskalten Freitagabend im Januar hat er sich etwas Besonderes vorgenommen: den achtschäftigen türkischen Bund. Ein anspruchsvoller Knoten, mit dem sich Ruderriemen verkleiden lassen, aber auch Kerzen ummanteln oder, wie Workshopteilnehmerin Kerstin Witt meint: "Ich könnte mir vorstellen, das über einen Becher zu stülpen und als Stiftebecher zu nutzen." Herausforderungen müsse man annehmen, sagt sie noch und macht sich schon an die Arbeit mit dem 6,30 Meter langen Hanftau. Ihr Mann Ulrich, der zugibt: "Ich kann nicht mal einen Zopf flechten", hat sich fürs Erste die "Affenfaust" vorgenommen, einen einfacheren Knoten, der sich gut als Schlüsselanhänger macht.

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Konzentriert sitzt die Gruppe am Tisch des Feuerschiffs "Læsø Rende" und knotet, was das Tau hergibt.
Von A1 auf B4, von B4 nach A8

Der achtschäftige türkische Bund hat es in sich. "Den in der Hand zu machen, ist auch mir zu unübersichtlich. Da muss ich irgendwann kapitulieren", sagt Knotenknüpfer Köpke und hat sich darum ein Hilfsmittel gebaut: ein kleines quadratisches Brett mit acht Gewindestiften. Das Brett in der einen, die gut sechs Meter Tau in der anderen Hand, legt er los: "Man sagt, die obere Reihe ist A und die untere Reihe ist B." Gewissenhaft arbeitet er den Knotenplan ab: von A1 auf B4, von B4 nach A8 und immer so weiter. Etwa ein Dutzend Positionswechsel bis - oh Wunder - unter den skeptischen Blicken der Fancywork-Anfänger der achtschäftige türkische Bund eine erkennbare Form bekommt.

Knoten als Grogglas-Mantel

"Wenn man Ferienwohnungen damit ausstattet, nicht zu üppig natürlich, finde ich das ganz ansprechend", meint eine Teilnehmerin. "Oder um den Gästen mal etwas vorführen zu können bei Regenwetter." Günter Michel, der nach eigener Aussage zu diesem Event von seiner Begleiterin mitgeschnackt wurde, hat noch eine ganz andere, praktische Idee: "Das macht man um ein Grogglas, dann kann man es von außen anfassen, ohne sich die Flossen zu verbrennen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein bis 2 | 20.01.2019 | 11:38 Uhr

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