Stand: 11.03.2018 10:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Fähre Siebeneichen erfolgreich unter neuer Regie

von Hauke von Hallern

Mit ausgestreckten Armen stemmt sich Carmen Niklas gegen die Kurbel einer alten Seilwinde. Knirschend wickelt sich das Stahlseil um die rostige Trommel. Ein paar Zentimeter noch, dann ist das 65 Meter lange Führungsseil über dem Elbe-Lübeck-Kanal gespannt. "Daran schippert unsere Fähre gleich ans Fitzener Ufer", erklärt die 46-Jährige Fährfrau. Für viele Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg ist die alte Seil-Fähre ein Stück Heimat. Seit dem Jahr 1900 verbindet sie die beiden Dörfer Siebeneichen und Fitzen. Vor knapp drei Jahren stand das Denkmal vor dem Aus. Die Fähre machte Verluste. Der Kreis zog sich als Betreiber zurück. Es wurde ein Förderverein gegründet, um die Fähre zu retten. Ein Jahr ist es jetzt her, dass er die Regie übernommen hat.

8.000 Euro Überschuss im ersten Jahr

"Fuhrmann, darf ich?", ruft Niklas. "Ja, gib Gas. Achtung, dass wird gleich mal ein bisschen laut." Die gelernte Krankenschwester lässt den Dieselmotor an. "Dann muss nur noch die Bremse gelöst und der Gang eingelegt werden." Langsam setzt sich die Fähre in Bewegung und tuckert quer über den Elbe-Lübeck-Kanal an das Fitzener Ufer. Fünf Minuten dauert die Überfahrt. "Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr 4.000 Personen, 1.000 Autos und unzählige Radfahrer übergesetzt", bilanziert der Vorsitzende des Fördervereins, Thomas Franke. Nach Abzug aller Kosten bleibe ein Überschuss von immerhin 8.000 Euro. "Und das, obwohl wir für die Fahrt kein Geld nehmen." Der Förderverein wird mit Spenden unterstützt. Auch die heimische Wirtschaft trägt ihren Teil bei. "Viele Betriebe haben die Fähre lieb gewonnen und wollen sie erhalten", freut sich Franke.

Fähre als Touristenmagnet

Die Fähre bedeutet für viele Menschen in der Region ein Stück Heimat. Auch für den Tourismus hat sie einen hohen Stellenwert: "An den Sommerwochenenden lockt sie Hunderte Fahrradfahrer ins Lauenburgische", sagt Tobias Frohnert vom Kreis Herzogtum Lauenburg. Die idyllische Überfahrt in der malerischen Landschaft zieht die Touristen an. "Wo kann man schon auf einem Denkmal einen Fluss überqueren", schmunzelt Frohnert. Für die Siebeneichener hat die Fähre auch einen praktischen Nutzen: Der Umweg über die nächste Brücke ist lang, ganze zehn Kilometer.

Viel Arbeit in der Winterpause

Im Moment liegt die Fähre an ihrem Anleger in Siebeneichen im Winterschlaf. Die neue Saison beginnt Ende März. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun: "Wir bauen gerade einen neuen Bootssteg", erklärt der Techniker des Vereins, Hans-Heinrich Trilk. Er deutet dabei auf zwei Rammpfähle am Ufer. "Die Berufsschule Mölln unterstützt uns dabei. Die kommt mit einer Gruppe Schüler und baut uns den Steg fertig." Außerdem muss die Fähre instand gesetzt werden: "Ölwechsel, neue Kraftstofffilter für den Motor, auch die Seilrollen müssen repariert werden", zählt Trilk auf.

Aufwendige Ausbildung zum Fährmann

Auch um Nachwuchs muss sich der Förderverein kümmern. "Wir sind dabei, neue Fährleute auszubilden", berichtet Franke. Das Team arbeitet ehrenamtlich. Wer sich engagiert, braucht viel Zeit: Theorie und Praxisunterricht, 90 Arbeitsstunden und eine Funklizenz. Vier Fährleute wurden im vergangenen Jahr ausgebildet. "Wir hoffen, dass sich auch noch ein paar Fitzener vom Ufer gegenüber beteiligen", sagt der Vorsitzende. In die neue Saison geht es dann am 25. März mit dem traditionellen Anfährfest direkt am Anleger in Siebeneichen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 14.03.2018 | 20:05 Uhr

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