Erstes "Childhood-Haus" in SH kommt nach Flensburg

Stand: 23.08.2021 13:23 Uhr

In dem sogenannten Childhood-Haus sollen Kinder und Jugendliche, die als Opfer von Gewalt in ein Strafverfahren eingebunden sind, mit besonderer Fürsorge über die auf sie zukommenden Abläufe informiert und bei diesen begleitet werden.

Die Landesregierung fördert die Gründung des Childhood-Hauses in Flensburg als Modellprojekt für Schleswig-Holstein. Kinder, die in ein Strafverfahren eingebunden sind, sollen dort schonender vernommen und betreut werden können. Vernehmungen von Richtern und Polizei, sowie ärztliche Untersuchungen und Beratungen können in den Räumen durchgeführt werden. Das Konzept: Alles soll gebündelt in einer geschützten Umgebung stattfinden können - an einem Ort, an dem sich das betroffene Kind sicher und geborgen fühlen kann und eben nicht zu einer Polizeiwache, in eine Arztpraxis oder einen Gerichtssaal kommen muss.

Berücksichtigung im Strafverfahren: Kinder sind Kinder

Es soll verhindert werden, dass betroffene Kinder weitere Belastungen, etwa durch eine besonders lange Verfahrensdauer, erfahren müssen. "Auch innerhalb von Strafverfahren sind Kinder eben Kinder und keine kleinen Erwachsenen. Und dies muss auch in Verfahren Berücksichtigung finden", sagte Justizminister Claus Christian Claussen (CDU). Innenministerin Sabine-Sütterlin-Waack (CDU), die das Projekt in ihrer Amtszeit als Justizministerin angeregt hatte, sagte, sie hoffe, dass dieses Projekt erfolgreich sein werde "und wir auch an anderen Standorten ähnliche Angebote schaffen können".

Betrieb ab Anfang 2022

Das Flensburger Childhood-Haus wird in einem Gebäude eingerichtet, das derzeit saniert und umgebaut wird. Es soll Anfang 2022 den Betrieb aufnehmen. Das Childhood-Haus ist eine bundesweite Initiative der World Childhood Foundation, die sich als Stiftung seit mehr als 20 Jahren für den Schutz von Kindern vor Gewalt und Misshandlungen einsetzt. Fünf solcher Childhood-Häuser gibt es bereits in Deutschland. Das Pilotprojekt in Schleswig-Holstein wird von Justiz- und Innenministerium mit 97.000 Euro gefördert. Sie unterstützen das Flensburger Childhood-Projekt mit der Finanzierung des Personals, das von der Familienberatung Pro Familia gestellt wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.08.2021 | 15:00 Uhr

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