Grafik von einem U-Boot. © thyssenkrupp

Drei U-Boote für drei Milliarden Euro: TKMS in Kiel baut für Israel

Stand: 20.01.2022 15:24 Uhr

ThyssenKrupp Marine Systems hat sich mit dem israelischen Verteidigungsministerium auf die Rahmenbedingungen für den Kauf von drei U-Booten der Dakar-Klasse geeinigt. Das gab das Unternehmen am Standort Kiel bekannt.

Der Kaufvertrag wurde am Donnerstag in Israel unterzeichnet. Die neuen Boote der so genannten Dakar-Klasse werden mit einer Länge von mehr als 80 Metern die größten jemals in Deutschland gebauten U-Boote. Die Baukosten sollen bei rund drei Milliarden Euro liegen - Deutschland beteiligt sich an der Summe mit rund einem Drittel. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach von einer guten Nachricht für die Werft und den gesamten Standort. Zudem würden in unruhigen Pandemiezeiten die Beschäftigten der gesamten Schiffbaubranche von dem Auftrag profitieren, so Günther. Läuft alles nach Plan, dann soll das erste U-Boot bereits 2029 an die israelische Marine übergeben werden.

TKMS stolz auf "innovative Spitzentechnologie"

Dr. Rolf Wirtz, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp Marine Systems, sagte, er sei stolz, die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem israelischen Verteidigungsministerium und der israelischen Marine fortsetzen zu können. "Mit der neuen U-Boot-Klasse wird Israel mit innovativer Spitzentechnologie ausgestattet." Bei der Dakar-Klasse handelt es sich laut TKMS um eine neue Konstruktion, die speziell auf die Anforderungen der israelischen Marine zugeschnitten sein wird. Die drei U-Boote werden dort die Dolphin-Klasse ersetzen.

Um für den Auftrag gerüstet zu sein, investiert ThyssenKrupp Marine Systems nach eigenen Angaben bereits rund 250 Millionen Euro in seine Werft. Kiel sichere damit seinen Standort als internationales Kompetenzzentrum für den konventionellen U-Boot-Bau, hieß es.

Korruptionsvorwürfe in Israel

Der Kauf der U-Boote hatte wegen Korruptionsvorwürfen jahrelang auf Eis gelegen. In Israel läuft ein entsprechendes Verfahren gegen mehrere Beteiligte von U-Boot-Geschäften. Ex-Regierungschef Benjamin Netanjahu wurde dazu ebenfalls befragt, galt aber nicht als Verdächtiger. Ihm wurde vorgeworfen, Geschäfte gegen den Willen von Militär und Verteidigungsministerium durchgesetzt zu haben. Die derzeitige Regierung unter Ministerpräsident Naftali Bennett plant außerdem einen Untersuchungsausschuss.

Allerdings ist Deutschland trotzdem bereit, das Geschäft zu unterstützen. Die Bundesregierung begründete ihr Engagement in der Vergangenheit mit der besonderen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels. In Deutschland wurden Ermittlungen in dem Fall Ende 2020 mangels "hinreichendem Tatverdacht" im Inland eingestellt.

IG Metall will nicht mehr über Gehaltseinbußen verhandeln

Dass der Deal nun doch zustande gekommen ist, sorgt auch für Freude bei der Gewerkschaft IG Metall Kiel/Neumünster. Es sei jetzt allerdings auch klar, dass die von ThyssenKrupp Marine Systems geforderten Tarifeinschnitte jetzt nicht mehr verhandelbar seien, sagte IG-Metall-Geschäftsführerin Stephanie Schmoliner. Die Werft wollte bisher, dass die Belegschaft Gehaltseinbußen hinnimmt, um Kosten zu sparen. Ob diese Forderungen bestehen bleiben oder nicht, dazu will sich die Werft zurzeit nicht äußern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.01.2022 | 12:00 Uhr

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