Stand: 23.11.2017 20:51 Uhr

Deutsche und Türken gedenken der Opfer von Mölln

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Bürger und Politiker aus Deutschland und der Türkei gedenken 25 Jahre nach den Brandanschlägen von Mölln der Opfer.

Die Wunden wollen einfach nicht heilen. Trauer und Betroffenheit sind immer noch zu spüren - bei den Angehörigen der Anschlagsopfer, aber auch bei den offiziellen Vertretern aus Mölln, Berlin und der Türkei. Alle sind sich einig: So etwas darf nie wieder passieren.

In der Nacht zum 23. November 1992 warfen zwei Neonazis Brandsätze auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser. Eine Frau und zwei Mädchen starben, neun Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. 25 Jahre nach den ausländerfeindlich motivierten Brandanschlägen hat Mölln am Donnerstag den Opfern der Brandanschläge gedacht. Rund 300 Gäste aus Kiel, Berlin und der Türkei kamen dazu in die schleswig-holsteinische Stadt.

"Hoffentlich haben alle daraus gelernt"

Er hoffe, dass alle etwas aus den Anschlägen gelernt haben, sagte der türkische Botschafter in Deutschland, Ali Kemal Aydin. Es sei Aufgabe und Pflicht der Gesellschaft, dagegen anzugehen, meinte Schleswig-Holsteins Innenstaatssekretär Thorsten Geerdts. Für die Nordkirche sagte Bischöfin Kirsten Fehrs, an diesem Tag des Gedenkens gelte die Erinnerung zuallererst den Opfern, deren Namen nie vergessen werden dürften. "Die Erinnerung gilt aber auch den Überlebenden, die bis heute gezeichnet sind von den Schrecken und den Zerstörungen jener Nacht und die uns ihre Trauer und ihre Ängste mitteilen."

Möllns Bürgermeister: Das darf nie wieder passieren

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Die 51 Jahre alte Bahide Arslan sowie ihre Enkelinnen Yeliz Arslan (10) und Ayse Yilmaz (14) kamen damals ums Leben.

Möllns Bürgermeister Jan Wiegels sagte, dass "vor allem die politisch Verantwortlichen sich dessen bewusst sind, dass wir hier eine besondere Verantwortung tragen. Solche schrecklichen Geschehnisse wie 1992 dürfen nicht wieder stattfinden, schon gar nicht in unserer Stadt."

Der Landesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Cebel Küçükkaraca, wies auf die große Sorge der Gemeinde angesichts der Zunahme von rassistischen, fremden- und islamfeindlichen Debatten in der Öffentlichkeit hin. Es gebe einen gefährlichen Zusammenhang zwischen solchen politischen Debatten und mörderischen Taten wie in Mölln. Er forderte eine zivilgesellschaftliche Allianz, um rechten Strömungen in der Öffentlichkeit entgegenzutreten. An einer Gedenkfeier am Donnerstagabend nahmen auch die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özuguz, sowie der Vorsitzende der Menschenrechtskommission des türkischen Parlaments, Mustafa Yeneroglu, teil.

Täter von Mölln haben ihre Strafen verbüßt

Die Brandanschläge von Mölln waren die ersten rechtsextremistischen Anschläge in Deutschland nach der Wiedervereinigung, bei denen Menschen getötet wurden. Schnell stellte sich heraus, dass zwei Neonazis die Brandsätze auf die beiden Häuser in Mölln geworfen hatten. Die damals 19- und 25-jährigen Männer wurden zu zehn Jahren Jugendstrafe sowie lebenslanger Haft verurteilt. Beide haben ihre Strafen inzwischen verbüßt.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.11.2017 | 22:00 Uhr

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