Der letzte Fischer auf dem NOK

Stand: 26.06.2021 17:18 Uhr

Thomas Philipson ist hauptberuflicher Fischer auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Auch wenn ihm die Arbeit einiges abverlangt - aufhören würde er nicht, sagt er.

von Isabelle Breitbach

Wenn Thomas Philipson mit seiner Arbeit anfängt, schläft der Nord-Ostsee-Kanal noch. Morgens zwischen 4 und 5 Uhr fährt er raus - bei jedem Wetter. Er steht freiwillig mitten in der Nacht auf, auch wenn die Wege zu seinen Netzen kurz sind. "Ich könnte auch drei Stunden länger schlafen, aber dann bin auch abends drei Stunden länger da", sagt der junge Fischer, "ich freue mich eigentlich jeden Tag drauf."

Der letzte seiner Art

In den Morgenstunden ist Philipsons Boot hier das einzige, denn er ist der letzte hauptberufliche Fischer auf dem Kanal. Alle anderen haben aufgegeben, weil die Fischbestände immer knapper werden. Sein Fanggebiet reicht von Großkönigsförde bis zum Bereich um die Rader Insel (beides Kreis Rendsburg-Eckernförde). Dort hat er seine Reusen und Netze am Vorabend ausgeworfen. An diesem Morgen sind ein paar Aale drin. "Das ist mit das Wertvollste, was der Kanal oder andere Gewässer zu bieten haben."

"Man muss Lust haben, immer draußen zu sein"

Früher waren die Aale das Hauptgeschäft von Philipsons Schwiegervater. Heute landen mehr Plattfische in seinen Stellnetzen, und mit Glück auch einige Zander. Die holt Philipson noch genau wie die fünf Generationen vor ihm raus: mit Muskelkraft. Es ist viel Arbeit für wenig Ausbeute. "Mein Schwiegervater hat vor Jahren schon die Weichen gestellt mit Aquakulturen, dem Restaurant und der Ferienwohnung. Nur hiervon könnte man nicht mehr leben." Aufhören kommt für den Fischer allerdings nicht in Frage - auch wenn der Job ihm einiges abverlangt. "Theoretisch sollte man einen guten Rücken haben", sagt er und lacht schüchtern, "und den hab ich nun gar nicht." Und auch das Wetter sei nicht immer gut, daher brauche es auch die Lust auf jedes Wetter. "Und auch immer draußen sein."

Berufsfischer Thomas Philipson und seine Ehefrau Sina Brauer gehen in zum eigenen Laden. © NDR
Ein eigenes Geschäft und ein Automat, in dem es Fische gibt: Thomas Philipson und seine Frau Sina wollen wettbewerbsfähig bleiben.
Eigener Laden und ein Fischautomat

Den Bezug zu Fisch und Wasser hatte Philipson schon als Teenager, kam vom Angeln in die Fischer-Lehre im Betrieb seines heutigen Schwiegervaters. Mit ihm fischte er damals noch für den Großmarkt - und für das Familienrestaurant Brauer's Aalkate in Rade bei Rendsburg. Für den Großmarkt reicht es heute nicht mehr, aber Philipson und seine Frau Sina haben sich ein neues Geschäftsmodell überlegt: einen Laden für die Direktvermarktung, dazu ein Verkaufsautomat. Beides komme bei den Kunden gerade ziemlich gut an, erzählen sie. Und um die Familientradition möglichst lange zu erhalten, haben sie vor einigen Monaten auch einen Onlineshop mit Versand aufgebaut.

Fischerfamilie durch und durch

Philipsons Frau Sina zeigt großes Verständnis für die Arbeit ihres Mannes, auch wenn die gemeinsame Zeit dadurch deutlich eingeschränkt ist. "Ich merke jeden Morgen, wenn er aufsteht: Das ist einfach seine Berufung", sagt sie, die selbst Fischerstochter ist. "Unabhängig von mir hätte Thomas das auch so wahrscheinlich gerne gemacht." Philipson nickt. "Jetzt ist es natürlich am Anfang, wo man das noch nicht so lange macht, da will man natürlich jeden Schritt begleiten und überall dabei sein", sagt er, "damit man vielleicht irgendwann auch mal ein paar Momente rausnehmen kann, wo wir wieder ein bisschen Zeit für uns haben." Ihr Ziel: als Fischerfamilie gut wirtschaften und glücklich werden.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.06.2021 | 19:30 Uhr

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