Zwangsversteigerung: Schnäppchen gibt es nicht mehr

Stand: 24.06.2021 05:00 Uhr

Jahrelang stieg die Zahl der Zwangsversteigerungen in Schleswig-Holstein. Doch das ist lange vorbei. Zahlen von "Haus und Grund" zeigen: Gab es 2005 noch 3.800 Anträge bei den Amtsgerichten, waren es 2020 noch 595 Anträge.

Grund des Rückgangs ist der Boom auf dem Immobilienmarkt. So umkämpft wie der Immobilienmarkt ist auch der Markt der Zwangsversteigerungen. Immer mehr Menschen versuchen so, ihr Glück vom eigenen Haus zu realisieren. Dabei kaufen Interessierte meist - sprichwörtlich - die "Katze im Sack". Denn Besichtigungen oder andere konkrete Informationen über die Häuser gibt es oftmals nicht.

Schnäppchen gibt es nicht mehr

Anne Bayer bot 2014 erstmals bei einer Zwangsversteigerung mit. Heute handelt sie beruflich mit diesen Immobilien. Damals boten etwa fünf Interessenten auf ein Haus, heute sind es 15 bis 20. "Dass Objekte noch vor der Zwangsversteigerung abgesagt werden, beobachten wir immer mehr. Denn jeder Schuldner hat noch vor Versteigerung vor, das Objekt zu veräußern", sagt Anne Bayer. Denn so kann am freien Markt noch ein Höchstpreis erzielt werden. Zur Zwangsversteigerung kommt es meist nur noch bei Scheidungen, Erbstreitereien oder sehr schwierigen Objekten, wie das Amtsgericht mitteilt. Schnäppchen gebe es heute nicht mehr.

Familien steigern sich hoch

Anne Bayer berät Freunde, die bei einem Haus in Heikendorf (Kreis Plön) mitbieten. Die Familie sucht seit eineinhalb Jahren ein Eigenheim. Das Gebäude aus den 1970er-Jahren steht leer, Infos sind rar. Anfallende Reparaturen - zum Beispiel auf Grund von Rohrbrüchen - kaufen die Bieter mit. Anne Bayer wird für dieses Objekt nicht mitbieten. Zu viele Familien werden sich hochsteigern, das ist für sie nicht gewinnbringend. Ob das Haus wirklich zwangsversteigert wird, ist fraglich. Denn vielleicht wird es auch vorher noch höchstbietend verkauft.

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Insolvenz © picture alliance/APA/picturedesk.com / www.press-photo.at Foto: Christian Ammering

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 23.06.2021 | 19:30 Uhr

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