Stand: 02.03.2020 17:26 Uhr

Coronavirus: Dritter Fall in Schleswig-Holstein bestätigt

Eine Person hält mit Handschuhen zwei Röhrchen. © picture alliance / APA/ dpa Foto: Hans Punz
Im Falle eines Nachweises des Virus werden die Erkrankten für 14 Tage unter Quarantäne gestellt.

Der Kreis Herzogtum Lauenburg hat am Sonntagnachmittag einen dritten Fall des neuartigen Coronavirus bestätigt. Eine Frau aus Nusse wurde positiv auf das Virus getestet. Sie war zuvor beim Karneval im Rheinland und hatte sich danach mit Schnupfen beim Kreisgesundheitsamt gemeldet. Laut Kreis ist ihr Gesundheitszustand stabil.

Zweiter Fall in Lübeck

Am Samstagabend hatte das Gesundheitsministerium in Kiel den zweiten Fall bestätigt. Der Erreger wurde bei einem Mann aus Lübeck nachgewiesen, der sich wahrscheinlich auf einer Geschäftsreise in München angesteckt hat. "Die vor Ort tätige Gesundheitsbehörde hat die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet", sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Nach Angaben des Gesundheitsamtes der Hansestadt Lübeck zeigt der Erkrankte bisher keine Symptome. Er wurde zu Hause isoliert. Alle Kontaktpersonen werden nun ermittelt, informiert und gegebenenfalls auf den Erreger getestet.

Verdachtsfall in Großhansdorf bestätigt sich nicht

Der Verdacht, dass sich eine Frau aus Großhansdorf (Kreis Stormarn) mit dem Coronavirus infiziert haben könnte, hat sich nicht bestätigt. Die vorsorglichen Maßnahmen - häusliche Quarantäne und Schließung zweier Kindertagesstätten - seien wieder aufgehoben worden, teilte der Kreis Stormarn am Montag mit.

Bürgermeister: "Lübeck ist gut vorbereitet"

Im Falle eines Nachweises des Virus werden die Erkrankten für 14 Tage unter Quarantäne gestellt, entweder im Krankenhaus oder - soweit es der Gesundheitszustand zulässt - zu Hause. "Das Gesundheitsamt Lübeck ist gut vorbereitet auf diesen und mögliche weitere Fälle“, betonte Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). "Bereits seit Wochen stehen die Mitarbeitenden in engen Kontakt mit dem Landesministerium, allen Gesundheitsämtern in Schleswig-Holstein, der Polizei, dem Rettungsdienst, den niedergelassenen Ärzten sowie dem UKSH und den SANA-Kliniken, um durch koordiniertes Handeln die Infektionsgefahr durch positiv getestete Personen zu minimieren."

Kein Nachweis bei Ehefrau des infizierten Mannes

Dem ersten schleswig-holsteinischen Coronavirus-Patienten geht es derweil besser. Wie der Kreis Segeberg am Samstagabend weiter mitteilte, wurde bei seiner Ehefrau das Virus bisher nicht nachgewiesen. Dies ergab ein klinischer Test. Bei dem Mann aus Henstedt-Ulzburg war das Virus am Donnerstag nachgewiesen worden. Das Paar befindet sich weiter in häuslicher Isolation - so lange, bis negative Abstrichproben vorliegen. Die etwa 60 Personen, mit denen das Ehepaar privat Kontakt hatte, sind inzwischen ermittelt. Weitere Maßnahmen soll es für diesen Personenkreis nicht geben.

Mediziner raten zu Vorsichtsmaßnahmen

Experten gehen davon aus, dass sich das Virus bald weiter in Schleswig-Holstein ausbreiten wird. Der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin am UKSH in Kiel, Helmut Fickenscher, empfiehlt vorsorglich Schutzmaßnahmen. "Ich würde Menschenansammlungen meiden, würde eher Abstand zu anderen Personen halten, das Hände geben einstellen. Man kann auch freundlich sein, ohne die Hände zu schütteln." Der Institutsleiter rät außerdem dazu, Hände am besten mit warmem Wasser und Seife zu waschen oder diese zu desinfizieren.

Gesundheitsministerium geht nach Pandemie-Plan vor

Garg hatte bereits vor dem ersten Fall gesagt, dass das Land bestmöglich vorbereitet sei. Es gebe einen sogenannten Pandemie-Plan. So könnten betroffene Patienten zum Beispiel in Quarantäne untergebracht werden. Um die landesweiten Maßnahmen bei Bedarf zu koordinieren, habe sein Ministerium extra eine Leitstelle eingerichtet, so Garg. Über diese stehen alle relevanten Ansprechpartner in Verbindung.

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Zunächst beim Hausarzt anrufen

Das Virus löst ähnliche Symptome wie eine heftige Erkältung aus. Dazu gehören Husten, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Fieber ist ein wichtiger Indikator. Auch Durchfall kann auftreten. Das Gesundheitsministerium rät im Verdachtsfall nicht gleich ins Krankenhaus zu gehen, sondern sich telefonisch beim Hausarzt Rat zu holen. Zusätzlich hat der Kreis Segeberg eine Hotline geschaltet, die auch am Wochenende von 10 bis 16 Uhr erreichbar ist. Die Nummer lautet: (04551) 951 98 33.

Personen mit Atemwegserkrankungen, die zuvor in einem Risikogebiet waren oder Kontakt mit einem bestätigten Fall hatten, können sich an die Telefonnummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) wenden - auch außerhalb der Sprechzeiten. Nur bei deutlichen Krankheitsbildern wird der Patient stationär aufgenommen. Die Gefahr, sich mit dem Virus angesteckt zu haben, besteht laut dem Virologen Thomas Lorentz vor allem dann, wenn man Kontakt mit einer Person hatte, die in einem Risikogebiet war - etwa im chinesischen Wuhan oder in Mailand in Italien.

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