Stand: 18.03.2020 20:32 Uhr

Nach Abriegelung: Touristen wollen Sylter werden

Keine Menschen sind unterwegs in einer Einkaufsstraße auf Sylt. © NDR Foto: Simone Steinhardt
Die Einkaufsstraßen in Westerland sind leergefegt: Alle Geschäfte haben geschlossen.

In Westerlands Fußgängerzone herrscht eigentlich reger Betrieb, sogar morgens. Am Mittwochmorgen indes: Gespenstische Leere. Die Friedrichstraße ist nahezu leergefegt. Auf dem Parkplatz eines Westerländer Supermarktes stehen nur wenige Autos. Alle haben NF-Kennzeichen. Das gibt es sonst nie um 9.30 Uhr morgens. Cafés, Kneipen, Restaurants, Boutiquen, Souvenir- Shops: alles dicht. Nur die Apotheke und der Bäcker haben noch auf. Arbeiten ist plötzlich Luxus geworden auf der Ferieninsel.

Nur an den Autozügen Betrieb

Vom 18. März an dürfen sich Touristen nicht mehr auf der Insel aufhalten. Wer noch in einem der Ferienquartiere war, musste am Mittwochmorgen die Heimreise antreten. An der Autoverladung in Westerland herrschte deshalb reger Betrieb. Lange Autoschlangen und Chaos gab es bislang aber nicht. Dass die Touristen die Insel heute räumen müssen, ist aber offenbar noch nicht allen klar. "Wir reisen zwar heute ab, aber das müssten wir ja eigentlich nicht. Es ist auch schade. Hier fühlen wir uns sicher. Jetzt müssen wir zurück ins Risikogebiet," erzählte eine Urlauberin aus dem Ruhrgebiet.

Nicht alle akzeptieren die Anordnung der Regierung

Am Sylt-Shuttle stehen Lkw und Pkw für die Rückreise an. © NDR Foto: Simone Steinhardt
Alle Touristen auf der Urlaubsinsel müssen ihren Heimweg antreten: An der Autoverladung in Westerland herrscht deshalb reger Betrieb.

Einige Urlauber zeigen durchaus Verständnis für die Entscheidung der Landesregierung, Sylt zur Sperrzone zu erklären. "Es geht ja auch um die medizinische Versorgung. Die ist hier ja nicht sichergestellt", sagt ein Tourist. Die Inselklinik ist auf eine Anzahl von rund 18.000 Einheimischen ausgelegt, aber nicht auf eine große Anzahl von Urlaubern. Es gibt bislang lediglich fünf Intensivbetten. Umso weniger zeigt der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel (parteilos), Verständnis für so manche Aktion, die das Betretungsverbot der Insel hervorbringt. "Bei uns rufen derzeit immer mehr Menschen an und erkundigen sich, wie schnell sie einen Erstwohnsitz auf der Insel anmelden können", erzählt der Bürgermeister. Das ärgert ihn. "So ein Verhalten ist aus meiner Sicht unverantwortlich. Diese Menschen haben immer noch nicht verstanden, dass es um die Gesundheit aller geht!" Deshalb, so der Bürgermeister, mache man die Tür für Erstwohnsitzanfragen nicht auf.

Sylter Flughafen ist noch offen

Ganz streng genommen war zunächst ein Weg auf die Insel nicht verboten: der durch die Luft. Das hat der Kreis am Mittwoch geändert. Ab sofort ist auch die Beförderung von Personen mit Zutrittsbeschränkungen zu den Inseln Sylt, Föhr, Pellworm und Amrum per Flugzeug verboten, teilte der Kreis mit. Auf die Anfrage an das Kieler Wirtschaftsministerium, warum der Flughafen nicht geschlossen wird, hieß es: "Es ist wichtig, dass der Flughafen grundsätzlich offen bleibt, denn er wird zum Beispiel für die Rückbeförderung der Touristen benötigt, die die Insel verlassen müssen und natürlich für Flüge zur Versorgung der Insel oder hoheitlicher Art." Welche Güter oder Waren zur Versorgung der Insel mit dem Flieger ankommen? Bürgermeister Nikolas Häckel zuckt mit den Schultern. "Das weiß ich auch nicht."

Sylter rücken zusammen

Während das Gros der Restaurants auf Anordnung der Landesregierung die Schotten inzwischen dicht gemacht hat, stemmen sich vereinzelt Betriebe gegen die Krise und bieten beispielsweise einen Lieferservice und Außerhaus-Service an. "Von Syltern für Sylter" lautet etwa die Devise eines Hörnumer Restaurants. Dort werden jeden Tag Außerhaus-Gerichte zu ermäßigten Preisen angeboten. Man kann sich das Essen auch liefern lassen. Auch die Hörnumer Bäckerei liefert aus. Bei einem Sylter Einzelhändler können die Eimheimischen Fleisch zu Großhandelspreisen kaufen. Andere wiederum bieten sich an, für ältere Menschen einzukaufen.  

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.03.2020 | 12:00 Uhr

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