Corona-Impfungen: Viel zu tun für Hausarztpraxen

Stand: 05.05.2021 08:24 Uhr

Seitdem Hausärzte in Schleswig-Holstein gegen das Coronavirus impfen dürfen, müssen die Praxen mit einem deutlich höheren Patientenstrom zurechtkommen.

"Die Praxen bilden inzwischen den Schwerpunkt der Impfkampagne", sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) Anfang der Woche. So gebe es in dieser Woche nur rund ein Fünftel der Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren, alle anderen in den Praxen.

300 Patienten pro Tag

In der Gemeinschaftspraxis am Mühlentor in Lübeck gehen aktuell täglich bis zu 300 Patienten ein und aus. Die Impfwarteliste ist hier inzwischen vierstellig. Das Praxisteam musste seine Arbeitsabläufe komplett umkrempeln. Besonders aufwendig sei die Organisation, sagt Praxismanagerin Tanja Czaszar. Oft erfahre das Team erst kurzfristig, welcher und wieviel Impfstoff geliefert wird. "24/7 steht man unter Strom, um alles zu bewerkstelligen", schildert Czaszar. Zu Hause abzuschalten sei manchmal nicht möglich.

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Tanja Czaszar bittet alle Impfwilligen um Geduld - sie könne verstehen, dass alle dran sein möchten und die Angst groß sei. Um allen so gut es geht gerecht zu werden, werde in der Praxis den ganzen Tag geimpft. "Wir werden in zwei Wochen die Versorgung so gut es geht eindämmen, also keine Gesundheitscheck mehr anbieten können, weil wir uns jetzt einfach auf die Impfung konzentrieren müssen." Die Lübecker Arzthelferin bittet alle Impfberechtigten der Prioritätsgruppe 3, auf einen Anruf aus der Praxis zu warten oder, wenn möglich, bei Fragen eine Mail zu schicken. Ein ähnlicher Appell kam Anfang der Woche auch vom Gesundheitsministerium.

Hausarzt sieht kritische Phase im Sommer

Auch Hausarzt Thomas Günther aus der Gemeinschaftspraxis spürt die Belastung. "Ich hoffe, dass die Impfzentren noch lange weitermachen. Gerade jetzt, wo die Priorisierung im Begriff ist zu fallen - im Juni soll sie ja ganz aufgehoben werden - wenn dann die Impfzentren schließen, dann haben wir ein riesiges Problem", sagt er. In den Sommerferien gebe es die zusätzliche Schwierigkeit, dass auch viele Ärzte mit schulpflichtigen Kindern im Urlaub seien. In seiner Praxis gebe es immer noch zu wenig Impfstoff, sagt Günther. Und es sei oft schwierig, alle Patienten räumlich unterzubringen. Viele müssen deshalb mehrere Wochen auf ihren Impftermin warten.

 

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Schleswig-Holstein Magazin | 04.05.2021 | 19:30 Uhr

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