Ein Schild mit der Aufschrift "2G-Regelung. Bitte Impfnachweis" hängt am Fenster eines Lokals in Hamburg. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Corona: Handel in SH kritisiert Pläne für 2G in Geschäften

Stand: 01.12.2021 13:19 Uhr

Ab Sonnabend wird voraussichtlich 2G im Einzelhandel gelten. Die Industrie- und Handelskammer reagierte mit Kritik auf die Pläne von Bund und Ländern. Der Handel sorgt sich um das Weihnachtsgeschäft.

Für Ungeimpfte in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein werden die Corona-Regeln verschärft. Wie Bund und Länder am Dienstag beschlossen haben, soll bereits ab Sonnabend im Handel 2G gelten. Shoppen dürften dann nur noch Geimpfte und Genesene. Ausnahmen gibt es für Geschäfte mit Waren des täglichen Bedarfs - wie zum Beispiel Supermärkte.

Die Industrie- und Handelskammer hat kein Verständnis für die Pläne. 2G mitten im Weihnachtsgeschäft einzuführen, komme wirklich zur Unzeit, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Björn Ibsen. "Viele Geschäftsleute befürchten, dass Ungeimpfte aber auch Geimpfte durch die neuen Vorschriften jetzt erst recht im Internet kaufen", berichtet Olivia Kempke vom Lübeck Management. "Ich denke, dass die Regelung uns das Weihnachtsgeschäft ein bisschen verhageln wird", sagt etwa Tim Glindmeyer, ein Händler aus der Pinneberger Innenstadt. Er schätzt, dass er 20 bis 30 Prozent Umsatzeinbußen habe wird. Auch Stefan Schneider vom Kieler Spielzeugladen "Höhenflug" ist besorgt, dass weniger Kunden kommen: "Für uns als Spielzeughändler ist die Weihnachtszeit die wichtigste Zeit im Jahr - jetzt verdienen wir das Geld. Da machen wir uns natürlich schon Sorgen, dass uns jetzt zum dritten Mal ein wichtiges Geschäft verhagelt wird." Die IHK, Handelsverband und regionale Wirtschaftsvereinigungen weisen darauf hin, dass der Einzelhandel bei den Infektionen keine Rolle spiele.

2G: Vorbereitungen haben begonnen, schwierige Kontrollen

Auch wenn klare Vorgaben noch fehlen, beginnen die Händler mit den Vorbereitungen: Dazu kommt für viele Händler die Frage: Wie sollen Impfnachweise in kleinen Läden mit wenig Personal überprüft werden? "Security-Leute an der Tür, das ist für kleine Boutiquen und Spielwarenläden nicht zu stemmen", heißt es von der Wirtschaftsvereinigung Eutin. Ein Lösungsansatz: Händler lassen jetzt Plakate mit der Aufforderung drucken, Impfnachweise unaufgefordert vorzuzeigen. Das Kaufhaus Stolz mit Hauptsitz auf Fehmarn will, so der Geschäftsführer, Nicht-Geimpften Waren auf Wunsch ans Auto oder nach Hause bringen.

Die Citti-Parks in Flensburg, Kiel und Lübeck klären gerade, ob sie an die Haupteingänge Kontrolleure stellen oder ob jeder Laden das für sich machen muss. Für diese Lösung hat sich die Holstengalerie Neumünster laut Center-Management entschieden.

Aber es gibt auch schon Geschäfte in Schleswig-Holstein, die bereits 2G eingeführt haben. Von denen heißt es: 2G ist besser als Lockdown.

Ministerpräsident Günther begrüßt Beschlüsse

Bund und Länder hatten gestern und weitere Maßnahmen in der Corona-Pandemie beraten. Neben dem Plan mit 2G im Einzelhandel wird danach auch eine allgemeine Impfpflicht immer wahrscheinlicher. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) begrüßte beide Vorhaben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 01.12.2021 | 08:00 Uhr

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