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Corona-Folgen? Mehr Insolvenzen, weniger Zwangsversteigerungen

Stand: 23.06.2021 08:57 Uhr

Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen - auf einen Tiefststand. Das berichtet der Immobilien-Eigentümerverein Haus und Grund.

Der Verein beruft sich dabei auf eine eigene Abfrage bei den Landgerichten. Demnach gab es im vergangenen Jahr knapp 600 Anträge auf Zwangsversteigerungen, über 100 weniger als noch ein Jahr vorher. Nach Angaben des Verbands ist der 2020er-Wert der niedrigste seit Beginn der Erfassung dieser Werte. Vor zehn Jahren lag der Wert noch bei mehr als 2.100.

Immobilien finden schnell Käufer

Haus und Grund geht davon aus, dass Menschen, die im vergangenen Jahr Zahlungsprobleme hatten, ihre Immobilie schon vorher verkaufen konnten. Banken mussten also keine Zwangsversteigerungsanträge stellen. Ihnen kommt die Nachfrage nach Immobilien entgegen, die laut Haus und Grund trotz oder sogar gerade wegen Corona ungebrochen hoch ist.

Menschen wollen Kredite schneller bedienen

Und auch die Verbraucherzentrale berichtet, dass es im Moment keinen erhöhten Beratungsbedarf zum Thema Zwangsversteigerungen gibt. Thema ist eher das Gegenteil: Weil die Zinsen seit mehreren Jahren deutlich sinken, wollen nach Angaben eines Sprechers viele Menschen ihre Kredite sogar schneller abbezahlen und lassen sich eher dazu beraten.

Mehr Insolvenzen in den ersten Monaten 2021

Dennoch haben viele Menschen wirtschaftliche Probleme: Immer mehr Betriebe und Privatpersonen in Schleswig-Holstein sind überschuldet, berichtet die Auskunftei Creditreform. Danach ist im vergangenen halben Jahr die Zahl der Unternehmens- und Privatinsolvenzen in Schleswig-Holstein im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2020 angestiegen.

Zehn Prozent mehr Betriebe insolvent

Im ersten Halbjahr dieses Jahres haben in Schleswig-Holstein 330 Betriebe Insolvenz angemeldet - das sind rund zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Noch deutlicher fiel diese Zahl bei den Privat-Insolvenzen aus: Mehr als 2.100 Haushalte stellten entsprechende Anträge - das sind fast 65 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Mehr Privatinsolvenzen - wohl auch wegen Gesetzesänderung

Laut einem Sprecher von Creditreform hat das mit einer Änderung im Insolvenzrecht zu tun, die deutliche Erleichterungen für Privatpersonen mit sich brachte: Die so genannte Restschuldbefreiung - also der Zeitpunkt zu dem man wieder als schuldenfrei gilt - kommt nun schon nach drei Jahren, statt nach sechs. Das habe zu einem regelrechten Dammbruch bei den Insolvenzanträgen geführt, so der Creditreform-Sprecher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.06.2021 | 08:00 Uhr

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