Stand: 27.08.2018 14:48 Uhr

"Cannabis Connection": Prozess unterbrochen

Der Prozess wegen bandenmäßigen Drogenhandels vor dem Landgericht Flensburg hat am Montag mit einem Antrag eines Anwalts begonnen. Gleich zu Beginn der Verhandlung versuchte er zu verhindern, dass die Anklage verlesen werden konnte. Diese erfülle nicht die gesetzlichen Ansprüche, so die Begründung. Der Richter lehnte den Antrag jedoch ab. Wenig später wurde der Prozess jedoch unterbrochen. Eine Anwältin stellte den Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, weil nicht alle Verteidiger alle Akten vorliegen hätten und somit auch nicht den gleichen Wissensstand haben könnten.

Nicht alle Akten für alle Anwälte?

Der Vorsitzende Richter unterbrach die Verhandlung. Er müsse selbst erst herausfinden, wie groß der Umfang der fehlenden Papiere sei, sagte er. Erst dann kann entschieden werden, ob die Verhandlung im September weitergeht oder ob er neu beginnen muss. Eventuell reiche auch eine Unterbrechung, um den Kenntnisstand anzugleichen, sagte der Vorsitzende Richter.

Fast 400 Kilogramm Gras geerntet

Die Verlesung der Anklage dauerte am Montagmorgen dann mehr als eine halbe Stunde. Der Staatsanwalt führte 210 Anklagepunkte aus. Er wirft 13 Männern aus Flensburg und Umgebung vor, in den Jahren 2008 bis 2016 als Vereinigung namens "Cannabis Connection" in Flensburg und den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde Marihuana angebaut und damit gedealt zu haben. Insgesamt sind laut Anklage fast 400 Kilogramm Gras geerntet worden.

Für 1,5 Millionen Euro an Zwischenhändler verkauft

Zwei Hauptangeklagte sind nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die Drahtzieher des Geschäfts. Einer der beiden soll für die Suche der Anbauflächen und die Finanzierung verantwortlich gewesen sein. Der andere half den Betreibern der rund zehn Plantagen und kümmerte sich darum, dass die Drogen Abnehmer fanden. Die beiden sollen das Marihuana laut Anklageschrift für 1,5 Millionen Euro an ebenfalls angeklagte Zwischenhändler verkauft haben, die es für zwei Millionen Euro weitervertrieben. 2016 flogen die Geschäfte nach einer Razzia in Flensburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen auf.

Verhandlung in Schleswig statt in Flensburg

Die meisten Angeklagten, darunter die Hauptangeklagten, ließen nach Verlesung der Anklage über ihre Anwälte ankündigen, sich zunächst nicht zur Sache äußern zu wollen. Vier gaben an, sich im Laufe des Verfahrens äußern zu wollen. Die Anwälte des einen Hauptangeklagten erklärten jedoch, ihr Mandat erwarte, freigesprochen zu werden. Sie rügten in einer Erklärung, dass die Vorwürfe - die Finanzierung, die Suche nach Örtlichkeiten sowie das Akquirieren von Plantagenbetreibern - nicht konkretisiert wurden.

Verhandelt wird wegen der Vielzahl an Prozessteilnehmern nicht am Landgericht Flensburg, sondern im Oberverwaltungsgericht in Schleswig. Dort gibt es - anders als in Flensburg - einen Verhandlungssaal, der groß genug ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.08.2018 | 15:00 Uhr

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