Stand: 19.05.2019 06:00 Uhr

Burg auf Fehmarn: "Herr Jansen lebt dieses Kino"

von Hauke Bülow

In der Burger Innenstadt auf Fehmarn steht das weiße Filmtheater aus den 1930er-Jahren. Hans-Peter Jansen hat ihm neues Leben eingehaucht, als er es 2016 übernahm. Seitdem trotzt er dem allgemeinen Besucherschwund in Kinos. Mit einem Charme, der Besucher in frühere Jahrzehnte zurückführt. Spricht Jansen über sein Inselkino mit den roten Sesseln, fallen Worte wie "Filmhaus" oder "Lichtspielhaus". Begriffe, die in den 1970er-Jahren noch deutlich häufiger verwendet wurden. Damals fing Jansen an, sein erstes Kino zu betreiben, im Hamburger Stadtteil Eidelstedt. Damals wie heute das A und O im Jansen-Kino: ein guter, ein echter Kontakt zum Gast.

Hans-Peter Jansen und sein Inselkino auf Fehmarn

"Ich will mit den Besuchern kommunizieren"

Seit mittlerweile 42 Jahren ist Jansen Filmhausbetreiber durch und durch. Am liebsten bewege er sich zwischen dem Publikum, sagt er. Entweder an der Kasse oder im Saal. Mit allen Besuchern will er in irgendeiner Form kommunizieren, sei es nur ein Zunicken. Noch lieber aber spricht er mit seinen Gästen. Erzählt ihnen beispielsweise, warum er den gezeigten Film so schön findet und warum er ihn für seine Gäste ausgesucht hat.

Das ist Teil seines Erfolgs bei den Besuchern, da ist sich Jansen sicher. Denn während die Zahl der Kinobesucher im vergangenen Jahr deutschlandweit laut Filmförderungsanstalt FFA um 14 Prozent zurückging - das schlechteste Ergebnis seit Jahrzehnten - kann der 71-Jährige nicht von einem großen Besucherschwund berichten. Und das trotz der Konkurrenz der großen Online-Videoplattformen.

Kino ist für Jansen kulturelle Verpflichtung

Hans-Peter Jansen ist sich sicher, dass der Rückgang der Kinobesucher im vergangenen Jahr nicht nur mit dem sonnigen Sommer zusammenhängt. "Das liegt daran, dass man sich nicht mehr um seinen Besucher kümmert, sondern nur noch darum, mehr zu generieren. Was den Leuten heutzutage fehlt, ist jemand, der authentisch und glaubwürdig ist", findet Jansen. Für ihn muss Kino sein wie ein Theater, immer mit einem besonderen Programm. Deshalb spielt er auch nur Filme, die es seiner Meinung nach wert sind, gezeigt zu werden - auch wenn nur 15 Besucher auf den roten Kinosesseln sitzen. Das sei seine kulturelle Verpflichtung, Menschen auf dem Land Filme zu präsentieren, die sonst nur Großstädter zu sehen bekommen.

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Natürlich kommen aber auch kommerziell vielversprechende Filme auf Jansens Leinwand, um die kleineren Filme zu subventionieren, erklärt er seine Auswahl. Nur 3D-Filme kommen Jansen nicht ins Haus. Er mag sie einfach nicht. Außerdem findet der 71-Jährige es unverantwortlich, Kindern Filme zu zeigen, in denen Mammuts auf sie zurennen. Das führe nur dazu, dass sie die nächsten Nächte nicht schlafen könnten.

Donnerstag bis Sonnabend ist er vor Ort

Insgesamt sechs Filmhäuser betreibt Jansen gemeinsam mit seiner Familie, darunter auch welche in Bargteheide (Kreis Stormarn) und Plön. Das Filmtheater in Burg auf Fehmarn ist ihm dabei allerdings besonders wichtig. Jede Woche von Donnerstag bis Sonnabend versucht Jansen vor Ort zu sein. Nicht nur, um mit seinen Besuchern zu reden, sondern auch weil die Insel ihn "entschleunigt". So wie die gesamte Region. Jansen liebt es, mit seinem Auto durch die Holsteinische Schweiz zu fahren und so als Großstädter den Einklang mit der Natur zu erleben und runterzukommen. Das tut er auch bei Konzert- und Theaterbesuchen, seine zweite Leidenschaft neben dem Kino.

Und noch ein Faible hat Jansen, ein Faible für die Zahl Sieben. Seine Glückszahl, wie er sagt. 1977 hat er sein erstes Kino übernommen. Sieben Mal steckt die Sieben in seiner Handynummer. Die Quersumme seiner Hausnummer auf Fehmarn: die Sieben. Nun fehlt ihm aktuell noch ein weiteres Kino, um sein Glück zu komplettieren.

Anruf 2015 macht Besitzerin glücklich

Für Martina New ist Hans-Peter Jansen bereits jetzt ein Glücksfall. Die Besitzerin des Filmhauses ist froh, einen Betreiber wie ihn für ihr Kino gefunden zu haben. Als ihr bisheriger Betreiber die Insel 2015 verlassen hatte, rief sie in Hamburg bei Jansen an. "Er war gleich begeistert und ich war glücklich, dass er meine Begeisterung für das Kino so teilt." Für New ist besonders wichtig, dass das Filmhaus und sein Charme so erhalten bleiben, obwohl es Stück für Stück modernisiert wird. Und dass ihr Betreiber ein außergewöhnliches Programm präsentiert.

"Ich finde, dass Herr Jansen dieses Kino lebt", sagt New. "Und wenn man etwas lebt und sich damit identifiziert, dann ist das der Garant dafür, dass es sich weiterentwickelt." Und das will der Neu-Fehmaraner in den nächsten Jahren auch weiterhin tun. Denn ans Aufhören denkt Hans-Peter Jansen noch lange nicht, auch wenn er dieses Jahr noch 72 Jahre alt wird.

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NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 22.05.2019 | 20:05 Uhr

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