Hannah aus Kieseby © Kai Bruhn Foto: Kai Bruhn

Bundesverdienstkreuz für Halstenbekerin Hannah Kiesbye

Stand: 01.10.2020 05:00 Uhr

Die Schülerin Hannah Kiesbye bastelte sich für ihren Schwerbehindertenausweis eine neue Hülle - erfunden war der "Schwer-in-Ordnung"-Ausweis. Für ihr Engagement bekommt sie das Bundesverdienstkreuz.

von Hannah Böhme

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat im Schloss Bellevue zum diesjährigen Tag der Deutschen Einheit insgesamt 15 Menschen für ihr außerordentlich großes Engagement ausgezeichnet. Das Bundesverdienstkreuz geht unter anderen an den Virologen Christian Drosten, den ehemaligen Fußballprofi Thomas Hitzlsperger und eben an die 17-Jährige aus dem Kreis Pinneberg.

"Ich möchte, dass mein Ausweis umbenannt wird"

Wie kam es dazu, dass Hannah bundesweit bekannt wurde und nun mit dem Verdienstorden ausgezeichnet wird? Vor ziemlich genau drei Jahren bastelte die damals 14-Jährige Schülerin zusammen mit einer Lehrerin eine neue Hülle für ihren Schwerbehindertenausweis. "Schwerbehindert", das war für Hannah, die das Down-Syndrom hat, nicht richtig. Im Gegenteil: Hannah findet sich selbst "Schwer-in-Ordnung". Und das sollte künftig auch auf ihrem Ausweis stehen. "Ich möchte, dass mein Ausweis umbenannt wird", schrieb sie damals in einer Geschichte über ihre Idee, die in der Zeitschrift 'Kids Aktuell - Magazin zum Downsyndrom' veröffentlicht wurde. "Ich möchte, dass er "Schwer-in-Ordnung"-Ausweis heißt".

"Schwer-in-Ordnung"-Ausweis ist bundesweit gefragt

Ein Twitter-User fand Hannahs Geschichte in der Zeitschrift und teilte sie in dem sozialen Netzwerk. Der Tweet wurde tausendfach weiterverbreitet und geliked. Er erreichte schließlich Sozialministerien in ganz Deutschland, die Hannahs Initiative aufgriffen. Heute gibt es ihre "Schwer-in-Ordnung"-Ausweishüllen in neun Bundesländern. Allein in Schleswig-Holstein wurden sie laut Sozialministerium etwa 500 Mal rausgegeben, deutschlandweit bereits mehr als 10.000 Mal.

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Hannah Kiesbye aus Halstenbek hält ihren "Schwer in Ordnung"-Ausweis in den Händen. © NDR Foto: Hannah Böhme

Hannahs "Schwer in Ordnung"-Ausweis ist der Renner

Die 16-jährige Hannah aus Halstenbek hat das Down-Syndrom und setzt sich für Inklusion ein. Sie bastelte einen "Schwer in Ordnung"-Ausweis, den es mittlerweile in acht Bundesländern gibt. mehr

Ausschuss im Bundestag lehnt grundsätzliche Umbenennung ab

Mit ihrer Geschichte stieß die damals 14-Jährige eine bundesweite Debatte über Teilhabe und Mitbestimmung von Menschen mit Behinderung an, die es sogar in den Arbeits- und Sozialausschuss des Bundestages schaffte. Auch er diskutierte darüber, den Schwerbehindertenausweis umzubenennen. Der Ausschuss entschied sich damals allerdings dagegen. In der Begründung hieß es, dass ein breiter angelegter Diskussionsprozess nötig sei, um darüber zu entscheiden.

Anerkennung auch von Sozialminister Garg

Dass Hannah für Ihre Idee zum "Schwer-in-Ordnung"-Ausweis einmal mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird, damit hätte die junge Halstenbekerin nicht gerechnet, erzählt sie und freut sich auf ihren Termin mit Bundespräsident Steinmeier . "Da werden Menschen ausgezeichnet, die etwas bewegt haben in der Welt", sagt sie stolz. Sie hat etwas bewegt: Mit ihrem Ausweis hat sie in Deutschland das Denken darüber, wie Menschen mit Behinderung sich selbst sehen und gesehen werden, nachhaltig verändert. Anerkennung dafür kommt auch von Schleswig-Holsteins Sozialminister Heiner Garg: "Der persönliche Einsatz, das Einstehen für eigene Anliegen ist nicht immer einfach und erfordert Mut und Kreativität. Dieser Einsatz und die Aufmerksamkeit und Sensibilisierung, die damit einhergeht, fördert unser aller Vorankommen und dient dem Ziel einer inklusiven Gesellschaft."

Hannah hält sich ihre Zukunft offen

Mittlerweile sind drei Jahre seit Hannahs Ausweis-Erfindung vergangen. Sie besucht den Campus Uhlenhorst in Hamburg, eine Bildungseinrichtung für Jugendliche mit Lernbeeinträchtigung. Was danach kommt, weiß Hannah noch nicht genau. Lange wollte sie in einem Kindergarten arbeiten, jetzt will die 17-Jährige aber zunächst andere Möglichkeiten ausprobieren. In den kommenden drei Jahren will sie an ihrer Schule im Service, im Seniorenheim oder auch am Theater arbeiten. Wo auch immer es Hannah hinführt - sie hat ihren "Schwer-in-Ordnung"-Ausweis sicher immer dabei.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 01.10.2020 | 06:40 Uhr

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