Stand: 01.09.2017 05:00 Uhr

Bürgermeisterin: "XFEL ein Geschenk für Schenefeld"

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"Wir haben Riesenglück gehabt, dass der Forschungscampus in unserer Stadt gebaut wurde", findet Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof.

Die Röntgenlaseranlage European XFEL kann 27.000 Lichtblitze pro Sekunde erzeugen. Sie ist weltweit einzigartig und eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die Forschung. Internationale Wissenschaftler wollen damit zum Beispiel atomare Details von Viren und Zellen entschlüsseln. Denn die ultrakurzen und extrem hellen Laserlichtblitze des European XFEL machen winzigste Strukturen sichtbar. Der Tunnel des Röntgenlasers reicht vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg-Bahrenfeld bis nach Schenefeld (Kreis Pinneberg), wo der neue Forschungscampus liegt. Dort wird die rund 1,2 Milliarden Euro teure Anlage nun offiziell eröffnet. Für Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof ist das ein Glücksfall, wie sie im NDR Interview sagt.

Was bedeutet es für die Stadt Schenefeld, dass hier eine Forschungseinrichtung von Weltrang eröffnet?

Christiane Küchenhof: Für die Stadt Schenefeld ist das ein Geschenk. Als solches habe ich es auch immer betrachtet. Ich habe das immer sehr wohlwollend begleitet und das Meinige dazu getan - wo ich helfen, unterstützen und nützlich sein konnte. Für die Stadt ist es auf jeden Fall ein enormer Imagegewinn. Und wenn man davon ausgeht, dass Wissenschaft auch Wirtschaft zieht, dann ist das natürlich auch ein Faktor, der für eine kleine Stadt nicht unwesentlich ist. Ich gehe schon davon aus, dass wir dadurch sehr viel interessanter werden. Auch für Firmen, die jetzt hellhörig werden und sich im Umkreis vom European XFEL ansiedeln möchten.

Das heißt, Sie verbinden auch die Hoffnung damit, dass hier neue Arbeitsplätze entstehen und auch mehr Gewerbesteuereinnahmen fließen?

Küchenhof: Ja, auf jeden Fall - auch das. Erst einmal freuen wir uns natürlich über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom European XFEL. Da ist ja schon eine internationale Ausrichtung. Und wenn man jetzt die Buslinie fährt, am XFEL vorbei, dann hört man schon viele verschiedene Sprachen. Das ist schön zu beobachten. Und natürlich kriegen wir auch neue Einwohner. Menschen, die im Umfeld ihres Arbeitsplatzes wohnen möchten. Einige sind jetzt auch tatsächlich in Schenefeld gelandet, andere in Halstenbek, Rellingen, Pinneberg - im Hamburger Umland - hier also direkt in der Nachbarschaft.

Wird sich dadurch etwas verändern?

Ich gehe davon aus, dass sich das Gewerbe ein wenig anders ausrichten wird. Insbesondere hoffe ich auf Gewerbebetriebe, die für die Stadt interessant sind. Die auch Gewerbesteuereinnahmen in die Stadtkasse spülen. Das ist ja der Wunsch und der Traum jeder Bürgermeisterin und jeden Bürgermeisters.

Was bekommen die Schenefelder von dem mit, was da jetzt passiert? Ist das eher ein Elfenbeinturm oder haben die Einwohner auch Zugang dazu und sind vielleicht sogar ein bisschen stolz?

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Küchenhof: Ich bin sehr stolz darauf, den European XFEL jetzt hier mit Sitz in Schenefeld zu haben. Die Gesellschaft hat ja hier ihren Sitz. Ich habe das ganze Projekt kommunal begleitet und gemeinsam mit den XFEL-Mitarbeitern vorangetrieben, dass wir dort möglichst ein Besucherzentrum errichten können. Das ist ein Projekt, das wir gemeinsam bearbeiten, und ich hoffe sehr auf eine Realisierung. Denn ich finde, so ein Großforschungsprojekt muss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sodass wirklich jede und jeder die Möglichkeit hat, dort hinzugehen und zu gucken, was die Forschung hier bietet.

Auch im Hinblick auf Fachkräftemangel, auch im Hinblick auf ein stärkeres Interesse und eine stärkere Attraktivität für MINT-Fächer (Anm. d. Red.: Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) für Schüler und Studenten. Dass man durch so ein Besucherzentrum schon mehr Begeisterung wecken kann. Dass man da durchaus etwas bewegen kann. Es ist auch mein großer Wunsch, dort Schülerlabore einzurichten, damit die Kinder von ganz klein auf Interesse geweckt bekommen für alles, was mit Forschung und Wissenschaft zu tun hat.

Wie weit ist es mit diesem Projekt?

Küchenhof: Es gibt Pläne. Es gab eine Machbarkeitsstudie, die unter anderem auch aus dem Förderfonds der Metropolregion Hamburg finanziert wurde. Es ist also schon sehr weit vorangeschritten. Jetzt müssen wir mal gucken, wie wir das Ganze auch finanziell auf die Beine stellen. Die Kosten wissen wir noch nicht genau. Bei den Baukosten war zuletzt von etwa sechs bis sieben Millionen Euro die Rede. Dazu kämen noch die Betriebskosten, die Jahr für Jahr gestemmt werden müssten.

Gibt es da schon Absprachen, wer sich in welchem Maße an den Kosten beteiligen würde?

Küchenhof: Das wird eine Sache sein, die sehr stark vom XFEL aus gesteuert sein muss. Die Stadt Schenefeld ist zwar keine so arme Stadt, aber das ist eine Größenordnung, die können wir so nicht leisten. Insofern müssen wir uns da anders finanziell aufstellen. Aber auch da gucken wir gemeinsam, wen wir ansprechen können und wer seinen Beitrag leisten kann – auch von den Mitgliedsländern, die ja auch ein Interesse haben. Es wird dann nicht nur ein Besucherzentrum sein - mit bestenfalls Schülerlaboren. Sondern es wird dann dort auch Räume geben, in denen man Konferenzen mit größerer Personenanzahl abhalten kann, was derzeit so nicht machbar ist. Und insofern, glaube ich, ist auch schon ein gegenseitiges Interesse da.

Was hat damals den Ausschlag gegeben, dass der Forschungscampus European XFEL in der Stadt Schenefeld geplant wurde?

Küchenhof: Das ist eine Sache, die man als kleine Stadt nicht beeinflussen kann. Man kann natürlich sagen: "Hallo, kommt doch nach Schenefeld". Aber bei so einem großen Projekt gelten natürlich ganz andere Kriterien. Wir haben einfach ein Riesenglück gehabt. Ich denke, dass es die Nähe zum DESY in Bahrenfeld ist und dass wir freie Flächen hatten. Dann ist es natürlich anhängig von Grundstückskäufen etc.. Aber das kann man bei so einem großen Projekt als Stadt wirklich nicht beeinflussen. Das kommt über einen. Da kann man sich dann nur glücklich schätzen und dann das Beste für die eigene Stadt damit verbinden.

Denken Sie, dass Schenefeld in der internationalen Wahrnehmung überhaupt eine Rolle spielen wird, oder wird nicht eher von Hamburg die Rede sein, weil das die bekannte Großstadt und auch der Sitz des DESY ist?

Küchenhof: Letztlich ist es ein Leuchtturmprojekt in der Metropolregion Hamburg. Dazu zählen wir. Und ich denke, dass es natürlich ganz stark von uns abhängt, die wir hier in der Stadt und im Kreis und im Land Schleswig-Holstein sind, was wir aus diesem Projekt machen.

Das Interview führte Janine Artist, NDR 1 Welle Nord.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.09.2017 | 08:00 Uhr

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