Stand: 06.10.2016 11:47 Uhr

Bürgermeister von Oersdorf wieder im Dienst

Eine Woche nach dem Angriff auf den ehrenamtlichen Bürgermeister von Oersdorf hat sich dieser erstmals zu dem Vorfall geäußert. Bei einer Pressekonferenz in der Gemeinde bei Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) beschrieb Joachim Kebschull den Tathergang auf dem Parkplatz vor dem Gemeindehaus: "Ich bekam von hinten einen Schlag auf den Kopf und verlor die Besinnung", sagte der Bürgermeister des Dorfes mit 872 Einwohnern. "Zum Täter kann ich keine Angaben machen. Es ging sehr schnell, die Dämmerung war angebrochen und es regnete stark." Trotzdem sei er sich sicher, dass die Polizei den Täter finden wird. "Ich persönlich gehe davon aus, dass es jemand aus unserem Dorf ist, der in gewisser Weise verwirrt ist." Ein Polizeisprecher sagte in Kiel, es werde weiterhin in alle Richtungen ermittelt.

Bürgermeister steht unter Polizeischutz

Kebschull kam am vergangenen Donnerstag mit einer Prellung und einem Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus. Körperlich gehe es ihm inzwischen wieder gut, nur vereinzelt habe er noch Schwindelgefühle oder ein Rauschen im Ohr. Die Ärzte gehen davon aus, dass er wieder komplett gesund wird. Was aber bleibt, sagte Kebschull, sei die Angst - nicht nur um sich: "Ich habe auch Angst um meine Familie." Kebschull ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Er will weiter im Amt bleiben und steht nach eigenen Angaben unter Polizeischutz.

Außerdem bedankte er sich während der Pressekonferenz bei den Helfern und Ärzten für die Hilfe und bei den Einwohnern für die Solidarität nach dem Vorfall. "Ich habe viele Blumen bekommen."

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Reaktionen auf den Angriff von Oersdorf

Der Bürgermeister wird auf einem Weg zu einer Versammlung im Gemeindehaus niedergeschlagen. Politiker und Oersdorfer Bürger reagieren geschockt und fassungslos. (02.10.2016) Bildergalerie

Bombendrohung gegen Bauausschuss

Ein Unbekannter hatte Kebschull am Donnerstagabend vor einer Woche mit einem Knüppel oder Kantholz vor einer Ausschusssitzung der Gemeinde niedergeschlagen. Zuvor waren an den 61-Jährigen bereits rassistische Parolen und Bombendrohungen gerichtet worden. Sechs Polizisten sicherten das Gebäude. Bei der Sitzung sollte es auch um die Zukunft eines alten Hauses gehen, in dem nach mittlerweile verworfenen Plänen auch Flüchtlinge unterkommen sollten. Kebschull parkte nach eigenen Angaben etwas abseits, um die Plätze direkt vor dem Haus für Besucher der Sitzung freizuhalten. "Die Polizei stand vor der Tür. Ich habe da keine Sicherheitseinschränkungen gesehen", sagte Kebschull. "Wir sind alle davon ausgegangen, dass die Drohungen verbale Drohungen sind. Mit Taten habe ich in keinster Weise gerechnet."

Kebschull weist Kritik zurück

In den Drohbriefen geäußerte Kritik an der Arbeit der Gemeindevertretung wies Kebschull bei der Pressekonferenz zurück: "Alle Sitzungen und Beschlüsse sind öffentlich. Einige Anschuldigungen bezogen sich darauf, dass wir heimlich irgendetwas in Sachen Flüchtlinge beschließen." Am Abend wird Joachim Kebschull an der Sitzung des Umwelt- und Wegeausschusses teilnehmen und sich dort den Fragen der Anwohner zu dem Vorfall stellen.

Angriff in Oersdorf: Was wir bisher wissen

Kommentar

Konkrete Drohungen müssen bestraft werden

Drohungen und Angriffe gegen ehrenamtlich engagierte Menschen - wie jüngst gegen den Bürgermeister in Oersdorf - gefährden die Demokratie. NDR Redakteur Michael Frömter kommentiert. mehr

Attacke von Oersdorf: Ein Dorf unter Schock

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.10.2016 | 10:00 Uhr

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