Bürgerentscheid: Aus für Photovoltaikanlage in Pronstorf

Stand: 06.12.2021 11:00 Uhr

In Pronstorf sollte eine Photovoltaikanlage von gigantischem Ausmaß entstehen. Eigentlich gab es vom Gemeinderat schon grünes Licht, nun entschieden sich die Bürgerinnen und Bürger gegen den Bau.

Es hätte eines der größten Solarprojekte in Schleswig-Holstein werden können: Die Photovoltaikanlage in Pronstorf (Kreis Segeberg) war auf einer Fläche von rund 90 Hektar geplant - das entspricht mehr als 120 Fußballfeldern. Hinter dem Projekt steht Hans-Caspar Graf zu Rantzau, der den Solarpark auf einem Teil seiner landwirtschaftlichen Flächen errichten wollte.

Das Projekt hing nur noch vom Ergebnis eines Bürgerentscheides ab: 1.400 Pronstorferinnen und Pronstorfer ab 16 Jahre konnten entscheiden, ob das Vorhaben in ihrer Gemeinde umgesetzt wird oder nicht. Das Ergebnis: Der Solarpark soll nicht gebaut werden. Nach vorläufigem Endergebnis hatten die Kritiker des Projektes einer Stimme mehr. Sie bekamen laut Bürgermeisterin 299 Stimmen, die Befürworter 298.

Unterschriften gesammelt, damit Bürgerinnen und Bürger mitbestimmen können

Der Pronstorfer Gemeinderat hatte dem Großprojekt vor etwa einem Jahr fast einstimmig zugestimmt. Kritikerinnen und Kritiker erwirkten aber mit einer Unterschriftenaktion, an der sich mehr als 300 Menschen beteiligten, im September den Bürgerentscheid. Aus ihrer Sicht gehören Photovoltaikanlagen nicht auf landwirtschaftliche Felder, sondern vor allem auf Dächer von Gebäuden. Eine Anlage von solchem Umfang könne nicht ohne die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger gebaut werden.

Argumente dafür: Beitrag zur Energiewende und Aufbesserung der Gemeindekasse

Die Befürworter argumentierten, die Anlage wäre Pronstorfs Beitrag zur Energiewende. Bis zu 20.000 Haushalte könnten mit dem erzeugten Strom versorgt werden, sagte zum Beispiel der Eigentümer des zu bereitstellenden Grundstücks, Hans-Caspar Graf zu Rantzau. Außerdem hätte das Projekt eine Menge Geld einbringen können. Unter anderem sollte die Gemeinde nach eigenen Angaben an jeder produzierten Kilowattstunde mitverdienen. Bis zu 200.000 Euro im Jahr hätten demnach drin sein können.

Bürgermeisterin reagiert enttäuscht

Angesichts der bereits relativ weit fortgeschritten Planungen sei hier vor allem in finanzieller Hinsicht eine Chance verpasst worden, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde Pronstorf Bettina Albert (CDU): "Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass wir die Option gehabt hätten, dort weitermachen zu können." Für die Gemeinde hätte es laut Albert eine weitere Einnahmequelle sein können. "Wir hätten dann durch die potenziellen Gewerbeeinnahmen zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger auch wieder investieren können, zum Beispiel in Straßenausbesserungen, in Radwege, die wir geplant haben und noch viele andere Sachen, die uns als Gemeinde dann auch zukunftsorientiert besser darstehen lassen würden", sagte Albert.

Beschluss für zwei Jahre bindend

Sofern in den nächsten vier Wochen gegen das vorläufige amtliche Endergebnis des Bürgerentscheids kein Einspruch mehr erhoben wird, ist die Gemeinde verpflichtet, das Vorhaben für mindestens zwei Jahre ruhen zu lassen. Bürgermeisterin Albert stellt allerdings bereits in Aussicht, die Planung nach Ablauf der Frist wieder aufnehmen zu wollen: "Wir werden natürlich auf jeden Fall gucken, ob es da andere Möglichkeiten gibt, wie wir uns an dem ganzen Thema Klimaschutz weiter beteiligen können."

Wenige Kilometer entfernt, in Geschendorf, hatte ein Bürgerentscheid Ende September ein ähnliches, aber viel kleineres Projekt an der A20 mit 61 Prozent der Stimmen zu Fall gebracht.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 06.12.2021 | 07:00 Uhr

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